"Der Zustand ist noch nicht ideal" Gernot
Badtke zum Doping im Sport
Der Doping-Prozess gegen den ehemaligen
DDR-Sportfunktionär Manfred Ewald und einen führenden DDR- Mediziner sorgte erst
kürzlich wieder für negative Schlagzeilen zum Thema Doping im Sport. Beiden wird
schließlich Beihilfe zur Körperverletzung vorgeworfen. Laut Anklage hatten sie die
Vergabe von männlichen Hormonen an minderjährige Sportlerinnen gesteuert. In welchem
Umfang sich dieser Vorwurf bestätigt, wird das weitere Verfahren zeigen. Doch das Problem
selbst ist damit nicht vom Tisch. PUTZ-Redakteurin Petra Görlich befragte dazu Prof. Dr.
Gernot Badtke, den Geschäftsführenden Leiter des Instituts für Sportmedizin und
Prävention der Uni Potsdam.

Leitet das Institut für Sportmedizin
und Prävention der Potsdamer
Uni: Prof. Dr. Gernot Badtke |
Doping, nicht nur im Sport, scheint Tradition zu
besitzen. Wo liegen eigentlich seine historischen Quellen?
Badtke: Das Wort Doping wurde 1889
erstmals in einem englischen Lexikon erwähnt. Gemeint war damit eine Mischung aus Opium
und Narkotika zum Einsatz bei Pferderennen. Die Wurzel des Worts kommt jedoch aus einer
Eingeborenensprache, die die Kaffern im südöstlichen Afrika benutzten. Die Buren nahmen
nach ihrer Vertreibung aus Kapland und ihrer Ansiedlung in Transvaal das Wort
"dop" auf. Es bezeichnete einen landesüblichen schweren Schnaps, der bei
Kulthandlungen und religiösen Feiern der Kaffern als Stimulans Verwendung fand.
Schon 1913 warnte der deutsche Sportarzt Willner
davor, dem Doping weiterhin gleichgültig gegenüberzustehen. Er beklagte damals den
Missbrauch von Alkohol, Cola, Kokain, Strychnin und Arsen. Was folgte daraus für den
Sport?
Badtke: Nun, es verging noch eine lange
Zeit, bis Taten folgten. Und das, obwohl man schon im 19. Jahrhundert den ersten Todesfall
durch Medikamenteneinnahme beim Sport dokumentierte. Erst 1955 jedenfalls gab es dann
erste Dopingkontrollen beim Radsport in Italien.
In der heutigen Zeit geht es im Sport wie
überall um Geld. Das bestimmt offensichtlich zunehmend die Wahl der Mittel. Was aber
können Dopingsubstanzen tatsächlich leisten?
Badtke: In aller Regel ist es nicht
möglich, Höchstleistungen nur durch die Einnahme der Mittel allein zu erreichen. Die
Stoffe beeinflussen meist nur einzelne Systeme des Organismus. Konsequentes Training
bleibt also auch beim Sünder unerlässlich. Nicht zu unterschätzen ist jedoch die
Tatsache, dass zum Doping im Sport neben bestimmten Substanzen ebenfalls einzelne Methoden
und Maßnahmen zählen. Dazu gehört beispielsweise das Blut-Doping.
Bei der überwiegenden Zahl der auf den
Dopinglisten stehenden Substanzen handelt es sich um Stoffe, die in der Medizin als
Medikamente gelten. Das bringt für die Sportler vermutlich handfeste Probleme?
Badtke: Das stimmt. Ist ein Sportler
darauf angewiesen, Medikamente zu nehmen, muss er zwangsläufig auf die nicht gelisteten
zurückgreifen. Es gibt eine Zusammenstellung der erlaubten Präparate vom Deutschen
Sportärztebund. Sie enthält sechs Prozent der in der sogenannten "Roten Liste"
aufgeführten zugelassenen Medikamente. Mit anderen Worten bedeutet dies, dass nahezu 94
Prozent aller für die Allgemeinheit zugelassenen Präparate bei Sportlern auf die eine
oder andere Weise den Dopingmitteln zugeordnet werden.
Demnach können bei Unachtsamkeit Verstöße
gegen die Regeln schnell passieren. Durch angesagte oder ohne Anmeldung erfolgende
Kontrollen kommen sie ja meist ans Tageslicht. Wie steht es um diese Maßnahmen
eigentlich?
Badtke: Der Zustand ist noch nicht
ideal. Aber es gibt ganz klare Festlegungen. Jeder Fördersportler, der für Deutschland
startet, hat sich den Kontrollen zu unterziehen. Und das nicht nur während der
Wettkämpfe, sondern auch während des Trainings oder sogar im Urlaub. Für den Einzelnen
bedeutet dies natürlich eine gewisse Einschränkung seiner persönlichen Freiheit.
Was mich an der gegenwärtigen Praxis jedoch stört, sind
die immer wieder auftretenden Indiskretionen bei ersten Verdachtsmomenten. Hier sollte
mehr Seriosität walten. Vor allem plädiere ich für eine gründliche Einzelfallprüfung,
bevor Urteile die Runde machen.
Neben der vom Internationalen Olympischen Komitee
festgelegten und ständig aktualisierten Dopingliste existieren weitere. Worum handelt es
sich?
Badtke: Auch den Verbänden bleibt es
überlassen, Doping-Listen zu erstellen. Die werden international abgestimmt. Der Grund
für dieses Vorgehen liegt in der Unterschiedlichkeit der Disziplinen. Eine Substanz, die
Aufregung mindert, nutzt beispielsweise dem Schützen. Für den Sprinter ist sie nicht von
Interesse.
Jetzt stehen die Olympischen Spiele in Sydney vor
der Tür. Erwarten Sie "saubere" Wettkämpfe?
Badtke: Ja, schon. Es wird saubere
Wettkämpfe geben. Dennoch rechne ich mit vereinzelten Dopingfällen. Die blieben auch bei
vergangenen Spielen nicht aus.
Sie werden das Geschehen hautnah miterleben
dürfen. Der Deutsche Ruderverband schickt Sie vor Ort. Welche Aufgabe hat man Ihnen
übertragen?
Badtke: Ich werde dort überwiegend
chirotherapeutisch und neuraltherapeutisch arbeiten, natürlich auch für Aktive anderer
Disziplinen.
Vielen Dank für das Gespräch.
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