Fernweh Ost Uni-Studenten in Polen
Im Mai besuchten sechs Studenten und zwei Dozenten des
Uni-Instituts für Arbeitslehre/Technik Potsdam das polnische Partnerinstitut in Zielona
Gora. Der Kontakt des Potsdamer Instituts für Arbeitslehre mit der polnischen
Partnerhochschule besteht schon seit 20 Jahren.
Das Hauptaugenmerk des Besuches lag auf der praktischen
Arbeit an einem Projekt. An drei Tagen wurde die Fertigung eines gedrechselten
Kerzenständers durchgeführt - von der Planung bis zur Bewertung. Alle konnten dabei
praktische wie theoretische Fähigkeiten auf dem Gebiet der maschinellen Holzbearbeitung
an rotationssymmetrischen Systemen erweitern. Trotz Sprachbarriere! Polnische Studenten
begleiteten die deutschen Gäste und dolmetschten.
Als außerordentlich interessant erwies sich der Besuch
in einer Schule, die Grundschule und Gymnasium vereinte. Der Direktor nahm sich Zeit,
über die Bedingungen an polnischen Schulen für Lehrer und Schüler zu sprechen. Die
Gruppe erfuhr von der zur Zeit anstehenden Schulreform, die beispielsweise mit sich
bringt, dass es von der ersten bis zur dritten Klasse eine Art fächerübergreifenden
Unterricht ohne Zensuren geben wird. Den Lehrern wird eine obligatorische Fortbildung
auferlegt. Das magere Gehalt (jetzt rund 1400 Zloty = 700 DM) soll dafür etwas
aufgebessert werden. "Das glaube ich, wenn ich es sehe! Ich hoffe, es geschieht, ehe
ich in Rente gehe!", meinte dazu leicht resigniert der Direktor. Auch der blitzende
Turn- und Fitnessraum und die zehn nagelneuen Computerplätze konnten die akute Geldnot
nicht verbergen. Der Lehrerberuf, den in Polen zum größten Teil Frauen ausüben,
erschien bei der Stippvisite trotzdem attraktiv. Der Grund dafür war das Miterleben einer
Unterrichtsstunde einer 5. Klasse. Die Mädchen lernten Makrameeknüpfen und waren mit
einer erstaunlichen Ausdauer, Konzentration und Freude dabei. Es drängte sich fast der
Vergleich mit einer reizüberflutet zappligen Berliner Schulklasse auf.
Claudia Gorr/Institut für
Arbeitslehre/Technik
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