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Der Friede oder der Frieden

Drei Jahre Grammatisches Telefon

Im Juni dieses Jahres blickt die Sprachberatungsstelle am Institut für Germanistik auf eine dreijährige Tätigkeit zurück. Bekannter geworden ist sie als Grammatisches Telefon Potsdam und erlangte große Wirkung in der Öffentlichkeit. Die beiden Mitarbeiterinnen Dr. Barbara Seelig und Dr. Birgit Wolf haben bisher etwa 7.000 telefonische Anfragen beantwortet, über 200 Seminare in Berlin und dem ganzen Land Brandenburg durchgeführt sowie eine große Zahl von Texten aufgesetzt oder redigiert.

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Auch nach drei Jahren gibt es beim Grammatischen Telefon
Potsdam keinen Mangel an Anfragen. Dr. Birgit Wolf konnte
schon oft strittige Fälle klären.
Foto: Fritze

Die Beratungsstelle versteht sich als Serviceeinrichtung für die Öffentlichkeit, gleichzeitig aber als integraler Bestandteil der Professur Deutsche Sprache der Gegenwart. Studierende können Praktika absolvieren, Daten für Seminararbeiten abrufen oder sich an der Auswertung von Daten beteiligen.

Wer beim Grammatischen Telefon anfragt, möchte meist klipp und klar wissen, wie man etwas gut und richtig ausdrückt. Die Beratung versucht in den meisten Fällen, einfache normative Festlegungen zu vermeiden. Fragt jemand beispielsweise, ob man besser der Friede oder der Frieden sagt, wird ihm erklärt, dass die erste Form die ältere ist und warum man künftig eher mit der Frieden zu rechnen hat. Er soll wissen, dass seine Frage oft gestellt wird und Ausdruck eines Wandels ist, der sich bei einer ganzen Klasse von Substantiven vollzieht. Viele Frager beruhigt es, wenn sie merken, dass die eine Form nicht einfach gut und die andere schlecht genannt werden kann. Häufig werden dann gleich weitere Probleme ausgepackt, man fragt, was man immer schon einmal über seine Sprache wissen wollte.

Eine Besonderheit der Potsdamer Beratungsstelle ist, dass sämtliche Anfragen mit Antwort und, soweit verfügbar, Angaben über Alter und Herkunft der Fragenden fein klassifiziert in einer Datenbank gespeichert werden. Eine systematische Bearbeitung dieser Daten wird möglich, wenn sie einen Umfang mit statistischer Aussagekraft erreicht haben. Schon jetzt lassen sich aber einige Trends ablesen, vor allem einer, der die neue Orthographie betrifft.

Am Anfang sah alles nach einem stabilen Verhältnis von Fragen zu einzelnen Bereichen aus, nämlich zur Grammatik (ein Viertel), zur Morphologie und den Fremdwörtern (ebenfalls ein Viertel), zur Orthographie (ein Drittel) und einem Rest zur Wortgeschichte, Zeichensetzung, Aussprache usw. Seit dem vergangenen Jahr nimmt die Zahl der Anfragen stark zu, vor allem wegen der Orthographiereform. Alle Bereiche wachsen in der Nachfragezahl kontinuierlich, dieser wächst sprunghaft. Von Januar bis Mitte Mai 2000 gab es weit über tausend Anrufe. Zwei von drei Anfragen bezogen sich auf die Orthographie. Hier sind die Daten nicht nur von wissenschaftlichem, sondern auch von unmittelbar praktischem Interesse.

Die Potsdamer Sprachberatung soll in der jetzigen, erfolgreichen Form so lange wie möglich weitergeführt werden. Dabei liegt ihre Zukunft wohl bei einer Verbindung von Sprachberatung mit dem Gebrauch neuer Medien. Längst kann natürlich über alle Kanäle angefragt werden. Geplant ist aber die Verankerung des Projekts im Förderprogramm "Neue Medien in der Bildung", das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung aufgelegt wird. Die vorhandenen Daten wie alle neu gestellten Fragen sollen zur systematischen Recherche verfügbar gemacht werden, und sie sollen in Form von Gesamtseminaren und inhaltlich ausgewiesenen Seminarmodulen zunächst der universitären Lehre, später einer weiteren Öffentlichkeit zugute kommen.

Prof. Dr. Peter Eisenberg/Institut für Germanistik

Die Sprachberatung des Grammatischen Telefons Potsdam ist erreichbar:
montags bis freitags, 10.00 bis 12.00 Uhr, Tel.: 0331/977-2424

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