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Unterwegs zum Weltbewusstsein. Alexander von Humboldts Antwort auf die Globalisierung 

Längst ist der Begriff der Globalisierung zum Schlagwort und zum Etikett einer Selbstvergewisserung unserer Zeit geworden. Von Seiten der Philosophie, der Kulturtheorie und der Theologie haben in jüngster Zeit mehrere Beiträge dem Selbstverständnis am Ausgang der Moderne wichtige Impulse vermittelt .

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Alexander von Humboldt
lebte von 1769 bis 1859.
Foto: zg.

Spricht man heute von diesem Phänomen, so vergisst man leicht, dass die Neuzeit von mehreren Phasen beschleunigter Globalisierung geprägt wurde. Nach der sogenannten Entdeckung der ?"Neuen Welt?" und der nachfolgenden kolonialen Expansion der iberischen Mächte in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts dürfen vor allem die zweite Hälfte des 18., das letzte Drittel des 19. und schließlich das letzte Viertel des 20. Jahrhunderts als Phasen begriffen werden, in denen sich die Globalisierungsprozesse ausgehend von Europa und (seit 1889) den USA beschleunigten.

Was, so ließe sich fragen, hat dies alles mit einem Mann zu tun, den die Stadt Potsdam noch vor Berlin zu ihrem Ehrenbürger machte, der mehr als zwei Jahrzehnte lang in Sanssouci, Charlottenhof und besonders gerne im Zwischengeschoss des Potsdamer Stadtschlosses lebte und arbeitete. Eine ganze Menge. Denn Alexander von Humboldt versuchte, erfolgreich und öffentlichkeitswirksam Antworten auf jene zweite Globalisierungswelle zu geben, die mit den Entdeckungsfahrten von Bougainville, James Cook und La Pérouse, aber auch mit seiner eigenen Forschungsreise in die amerikanischen Tropen (1799-1804) eine neue Qualität erhalten hatte.

Seine Antwort hierauf war nicht der Ruf nach Weltethos, sondern die Entwicklung eines neuen Wissenschaftsverständnisses und der Entwurf eines den veränderten Verhältnissen angepassten menschlichen Selbstverständnisses, das er als ?Weltbewusstsein? bezeichnete. Das Projekt der Moderne im Sinne von Jürgen Habermas ist unvollendbar. Unvollendet aber blieb auch Alexander von Humboldts Projekt der Moderne. Die sogenannte Humboldtian Science verschwand. Die Berliner Universität ist nach beiden Brüdern benannt, geprägt aber wurde sie (bislang) von Wilhelm, der in der Havelstadt geboren wurde und wie sein Bruder ein Semester an der Viadrina studierte. Alexander, weltoffen wie stets, schrieb damals, "mit einem wenig Philosophie" werde man "bald gewahr, dass der Mensch für jeden Erdstrich, und also auch für die frostigen Ufer der Oder, geboren" sei.

Die Einsicht, dass das Eigene ohne eine Einbeziehung des Anderen nicht zu denken ist, bildete zusammen mit der ethischen Fundierung seines ?Weltbewusstseins? die Grundlage für eine Wissenschaft, deren Wissensvermittlung er demokratisieren und deren Ausrichtung er interkulturell orientieren wollte. Alexander von Humboldts Ansatz war nicht interdisziplinär, sondern transdisziplinär: spezialisiert auf verschiedene Spezialisierungen jenseits disziplinärer Grenzen, ausgerichtet an einem Gesamtzusammenhang, den er in seinem zum größten Teil in Potsdam verfassten „Kosmos" als ein Gewebe, ein Netzwerk beschrieb.

Humboldts Denken ist aktueller denn je. Angesichts dieser für unsere Zeit so wichtigen Anstöße verwundert es nicht, dass in Zusammenarbeit mit der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften an der Universität Potsdam eine transdisziplinäre und dreisprachige elektronische Zeitschrift gegründet wurde. Ihr Name? Natürlich HiN - Alexander von Humboldt im Netz. Zu finden ist sie im Internet unter der Adresse:www.uni-potsdam.de/u/romanistik/humboldt/.

Ottmar Ette/Institut für Romanistik

„Unterwegs zum Weltbewusstsein: Alexander von Humboldt" lautete auch das Thema eines Vortrages während einer kürzlich veranstalteten Tagung an der Hochschule. Es handelte sich dabei um den 3. Tag der Amerikas, dessen inhaltlicher Schwerpunkt „Globalisierung/Kulturen der Differenz" darstellte. Organisiert hatten die wissenschaftliche Tagung die Institute für Anglistik und Amerikanistik sowie für Romanistik.

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[Letzte Aktualisierung 06.04.2001 Steffi Knappe]