Gesprächskreis Rechts- und Verfassungsgeschichte

Führung durch die Lindenstraße 54

Zeit und Ort

Zum Ort

Die Mauern des Hauses Lindenstraße 54/55 haben eine bewegte Geschichte erlebt, über die im Netz zu lesen ist: »1737 wurde das barocke Stadtpalais unter dem Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. erbaut. Es war zunächst das Domizil der Leibgarde. Unter der napoleonischer Besatzung war es Kleiderkammer und Pferdelazarett. 1809 war es der erste Tagungsort des ersten frei gewählten Stadtparlaments. Ab 1820 tagte hier das Potsdamer Stadtgericht, das im Gebäude auch ein Gefängnis einrichtete. 1910 wurde das Gerichtsgebäude grundlegend umgebaut, und im Hof entstand ein großer Zellentrakt mit fast 100 Zellen.

Während der NS-Diktatur waren hier politisch Verfolgte inhaftiert. Ein Erbgesundheitsgericht wandte hier die Nürnberger Rassegesetze "zur Verhütung erbkranken Nachwuchses" an. Es verurteilte Menschen unter anderem zu Zwangssterilisationen. Später wütete hier der Potsdamer Volksgerichtshof.

Von 1945 bis 1952 nutzte der sowjetische Geheimdienst das Gebäude als Gefängnis. Die Gefangenen wurden in den sieben Quadratmeter großen Zellen zusammengepfercht. Drei bis sechs Häftlinge quetschten sich in die ehemaligen Einzelzellen. Ein sowjetisches Militärtribunal verhängte viele langjährige Haftstrafen und sprach etliche Todesurteile.

1952 übernahm der Staatssicherheitsdienst der DDR (Stasi) das Anwesen. Er inhaftierte von 1952 bis 1989 politische Häftlinge in diesem Haus. Mit der friedlichen Revolution 1989/90 endete die Nutzung als Haftanstalt.

Seit Februar 2007 ist das historische Haus mit dem großen und gut erhaltenen Gefängnis Mahnmal und Gedenkstätte für die Opfer politischer Gewalt im 20. Jahrhundert. Hier ist ein Blick in das ehemalige Gruselkabinett der Stasi möglich. Die Wirklichkeit des Gefängnisses wirkt arg bedrückend.100 kleine Zellen, davon einige noch mit der damaligen Einrichtung: schmale Holzpritschen, WC, Blechkannen und Plasteteller. Auch die Dunkel- und Stehzelle gibt es noch. Ein wichtiges Prinzip der Stasi-Haft war die seelische Zermürbung der Untersuchungshäftlinge durch Orientierungslosigkeit und Isolation. So war den meisten Gefangenen nicht bekannt, wohin man sie gebracht hatte. Der Kontakt zur Außenwelt und zu Mithäftlingen wurde rigoros unterbunden. Ehemalige Häftlinge berichteten von den alltäglichen Quälereien: Schlafen war nur in Rückenlage erlaubt und das Licht in der Zelle brannte immer. Vernehmungen wurden grundsätzlich mitten in der Nacht begonnen. Folterzellen gab es bis in die 60er Jahre. Danach begnügte sich die Stasi mit psychischem Druck.

So wird an diesem Ort die bedrückende Kontinuität der Willkür verschiedener Diktaturen eindringlich dokumentiert.«

Für die Führung konnten wir einen der besten Kenner der Lindenstraße 54, Herrn Hannes Wittenberg, gewinnen. Außerdem wird uns Herr PräsVG Claus Peter Ladner begleiten, der 1995 die Fördergemeinschaft »Lindenstraße 54« mitbegründet hat und seit 2001 deren Vorsitzender ist.

Wir möchten Sie gerne zu der Führung durch die Lindenstraße einladen und würden uns über Ihre Zusage über das unten stehende Formular sehr freuen. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an wiss. Mitarbeiter Thomas Habbe

Mit freundlichen Grüßen

Hartmut Bauer und
Stefan Saar

Weitere Veranstaltungen

Bitte beachten Sie: Für die Führung durch die Babelsberger Villenkolonie und andere Veranstaltungen des Gesprächskreises müssen Sie sich gesondert anmelden.

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Kontakt

Lehrstuhl für Bürgerliches Recht und
Deutsche und Europäische
Rechtsgeschichte
Prof. Dr. Stefan Chr. Saar
August-Bebel-Straße 89
14482 Potsdam
Tel.: +49 331 - 977 3335
E-Mail: stsaar@uni-potsdam.de

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Richter über einer Papyrusrolle