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Forschungsaktivitäten
- Prof. Dr. Keck
Die Forschung zu
internationalen Organisationen hat in den letzten beiden Jahrzehnten eine
Neuorientierung erfahren, die das Feld radikal verändert hat. Die frühere
Forschung, die hauptsächlich deskriptiver Art war und sich auf die
Beschreibung des Aufbaus und der Wirkungsweise einzelner internationaler
Organisationen konzentrierte, wurde nun ergänzt durch eine Theorie
internationaler Institutionen und durch die Anwendung dieser Theorie auf
die zwischenstaatliche Kooperation zur Lösung von Problemen in den
einzelnen Sachgebieten der internationalen Politik, von der
Sicherheitspolitik bis hin zur internationalen Handels- und Währungspolitik
und zur Umweltpolitik. Die Bezeichnung des Lehrstuhls „Internationale
Organisationen und Internationale Politikfeldforschung“ trägt der
Tatsache Rechnung, dass viele Politikprobleme zunehmend eine
internationale Dimension bekommen und die zentrale Analyseperspektive für
internationale Organisationen heute danach fragt, in welcher Weise diese
zur Artikulierung, Definition und Bearbeitung von Sachproblemen beitragen.
Die gegenwärtigen Forschungsaktivitäten konzentrieren sich auf drei
Themenfelder: Rationalismus und Konstruktivismus in der Theorie der
internationalen Beziehungen, Globalisierung und die Handlungsfähigkeit
des Nationalstaates sowie internationale Umweltpolitik.
1.
Rationalismus und Konstruktivismus in der Theorie der internationalen
Beziehungen
Die Debatte zwischen
Rationalisten und Konstruktivisten hat gezeigt, dass der angeblich
bestehende Gegensatz zwischen diesen beiden Positionen überbrückt werden
kann, wenn neuere Entwicklungen des Rational-Choice-Ansatzes berücksichtigt
werden, in den Präferenzen als wandelbar konzeptualisiert werden (etwa in
Abhängigkeit der einem Akteur zur Verfügung stehenden Information) und
rationalistische Konzepte von Identität und Moral einbezogen werden. Ein
wichtiger Punkt in dieser Diskussion ist eine solche Erweiterung des
Rational-Choice- Ansatzes, in der die Annahme des Allgemeinwissen (Common
Knowledge) aufgegeben wird. Das Forschungsprojekt soll den Ansatz zu einem
Rational-Choice- Ansatz ohne Common Knowledge, der in dem Buch Information,
Macht und gesellschaftliche Rationalität dargestellt wurde,
weiterentwickeln.
Zur Zeit konzentriert
sich das Projekt auf die Überarbeitung dieses Buches für die Veröffentlichung
in englischer Sprache und eine Aufsatzveröffentlichung. Dieses
Teilprojekt wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft durch eine
Sachbeihilfe zur Finanzierung eines Forschungsaufenthaltes an der
University of California, Los Angeles, gefördert. In der darauffolgenden
Phase des Projekts soll herausgearbeitet werden, dass ein solcher
weiterentwickelter Rational-Choice-Ansatz, wesentliche Einsichten der
Kritischen Theorie aufnehmen und präzisieren kann.
2.
Globalisierung und die Handlungsfähigkeit des Nationalstaates
In der gegenwärtigen
Diskussion über die Globalisierung vertreten viele Autoren die
Auffassung, dass die Globalisierung die Handlungsfähigkeit des
Nationalstaats einschränkt. Demgegenüber soll in diesem
Forschungsprojekt gezeigt werden, dass viele der befürchteten
Entwicklungen empirisch nicht feststellbar sind, dass die Fähigkeiten des
internationalen Systems zur Bewältigung der unerwünschten Konsequenzen
der Globalisierung ausbaubar sind und dass in wichtigen Politik- bereichen
die Haupthindernisse für eine effektive Bearbeitung der Probleme in
innenpolitischen Faktoren begründet sind.
Erste Ergebnisse
dieses Projekts wurden in der Antrittsvorlesung am 1. Dezem- ber 1999
präsentiert. Diese wird zu einer Aufsatzveröffentlichung ausgearbeitet.
Ferner wird an einem Aufsatz zur nationalen Technologiepolitik im
Zeitalter der Globalisierung gearbeitet.
3.
Internationale Umweltpolitik
Am Beispiel der
internationale Umweltpolitik zeigt sich, dass internationale Institutionen
wichtige Beiträge zur Bearbeitung von globalen Problemen leisten können.
Sie bietet ein fruchtbares Feld für die Anwendung und Weiterentwicklung
der rationalistischen Institutionentheorie. Die Politik zur
Weiterentwicklung des internationalen Regimes zum Schutz des Klimas eine
der größten Herausforderun- gen in diesem Politikfeld. Dieses Projekt
soll die Arbeiten zur rationalistischen Institutionentheorie in den
internationalen Beziehungen weiterführen. Im Vorder- grund stehen dabei
theoretisch die Mehr-Ebenen-Analyse und empirisch die Verwendung ökonomischer
Instrumente in der Klimaschutzpolitik.
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