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_______________________________________________________________Panel Sprache/Literatur Dr. Frederike Kern: “Türkendeutsch – Mehrsprachigkeit als Ressource“ Friederike Kern hat in Berlin und London Germanistik und Philosophie studiert und an der Universität Hamburg mit der Arbeit “Kulturen der Selbstdarstellung - Ost- und Westdeutsche in Bewerbungsgesprächen” (Wiesbaden 2000) promoviert. Sie arbeitete einige Zeit als DaF-Lehrerin und Assessment-Trainerin für einen privaten Bildungsträger in Berlin; anschließend forschte sie an der Universität Dortmund über die Entwicklung diskursstruktureller Fähigkeiten bei Kindern in Erzählungen und Erklärungen. Seit April 2003 ist sie Assistentin am Lehrstuhl für Kommunikationstheorie (Prof. Selting) am Institut für Germanistik der Uni Potsdam tätig und schreibt z. Zt. an ihrer Habilitation, die grammatische und prosodische Strukturen des Türkendeutschen zum Thema hat. Gemeinsam mit Margret Stölting: Einheitenkonstruktion im Türkendeutschen. (in Vorb.b). Abstract: In deutschen Großstädten hat sich mit dem 'interkulturellen' Zusammenleben im Rahmen des deutschen Kultur- und Kommunikationskontextes mittlerweile eine eigenständige, neue‚ ethnische Variante des Deutschen herausgebildet: ‚Kanakisch‘ oder ‚Türkendeutsch‘, wie es von türkischen und z.T. auch deutschen Jugendlichen in einigen deutschen Großstädten gesprochen wird. Auch in der Metropole Berlin haben türkische Jugendliche und Jugendgruppen einen solchen ethnischen Sprech- und Interaktionsstil herausgebildet. Prof. Dr. h.c. Konrad Ehlich: “Mehrsprachigkeit in ihrer transnationalen Bedeutung für die Philologien“ Konrad Ehlich, geboren 1942, begründete mit Jochen Rehbein die Funktionale Pragmatik als Sprachtheorie, in der die Kategorie des Zwecks sprachlichen Handelns zentral gestellt ist und die gesellschaftlich fundierte Zweckhaftigkeit in die Analyse sprachlicher Mittel eingeht. Er promovierte 1976 über das hebräische deiktische System; im Rahmen seiner Düsseldorfer Habilitation in Allgemeiner Sprachwissenschaft (1980) analysierte er Interjektionen. Er war von 1992 bis 2007 am Institut für Deutsch als Fremdsprache / Transnationale Germanistik in München tätig und war dessen Vorsitzender. Bevor er an die Ludwig-Maximilians-Universität München berufen wurde, arbeitete er an der Freien Universität Berlin sowie den Universitäten Düsseldorf, Tilburg (Niederlande) und Dortmund. Transnationale Germanistik. Iudicium München 2007. Abstract: Die modernen Philologien sind ein Folgeprodukt der Nationalisierung von Sprachen, die für die neuzeitliche europäische Entwicklung kennzeichnend ist. Die Etablierung von „Volkssprachen“ zu leistungsfähigeren Konkurrenten der „klassischen“ Sprachen bedeutete nicht zuletzt, dass ein Austausch auratisierter Texte zu erfolgen hatte, durch den die religiösen ebenso wie die zu „klassischen“ erst gemachten der Antike ihre Bedeutung zunehmend verloren. Die Bindung der Philologien an nationale Sprachen ging in die philologische Konstitution selbst also fundierend ein, und die Philologien bezogen und beziehen ihre Legitimität wesentlich durch diesen Konnex. Dr. Philipp Gut: “Thomas Manns Idee einer deutschen Kultur“ Philipp Gut, geboren 1971, studierte Geschichte, Neuere Deutsche Literaturwissenschaft und Philosophie an der Universität Zürich. Nach vierjähriger Assistenz am dortigen Historischen Seminar war er Redakteur beim Tages-Anzeiger. Heute ist er Redakteur der Weltwoche in Zürich. Für sein Buch "Thomas Manns Idee einer deutschen Kultur" erhielt er den Förderpreis der Deutschen Thomas-Mann-Gesellschaft 2007. Thomas Manns Idee einer deutschen Kultur. Fischer Verlag Frankfurt am Main 2008. Abstract: So leidenschaftlich wie Thomas Mann hat wohl kein zweiter Autor über die Höhen und Tiefen der deutschen Kultur nachgedacht. In der Ära des ersten Weltkriegs definierte Mann die deutsche Kultur in Abgrenzung von der westlichen Zivilisation – und rückte sie gleichzeitig in die Nähe zur Barbarei. Als die Nationalsozialisten daran gingen, die Barbarei in Praxis umzusetzen, öffnete Mann seine Vorstellung der deutschen Kultur den zivilisatorischen Werten gegenüber. Im Exil musste er sein Selbstverständnis als Repräsentant der deutschen Kultur modifizieren: Er fasste ein «Weltdeutschtum» ins Auge, das die nationalen Grenzen überwand. Manns politisches Denken, das sich auch in seinen grossen Romanen vom Zauberberg (1924) bis zum Doktor Faustus (1947) niederschlägt, lotet das Feld zwischen «Nationalkultur» und «Weltzivilisation» in einer Weise aus, die stets eine selbstkritische Komponente enthält und die Abgründe der deutschen Geschichte mitreflektiert. Prof. Dr. Helmut Peitsch: “Entortung und Remigrantenliteratur“ Helmut Peitsch, geboren 1948 in Minden, studierte in der Zeit von 1966 bis 1973 Germanistik, Politologie und Philosophie an der Freien Universität Berlin. Die Promotion erfolgte 1976 über "Georg Forsters 'Ansichten vom Niederrhein'". Im Jahr 1983 habilitierte er über "'Deutschlands Gedächtnis an seine dunkelste Zeit'. Zur Funktion der Autobiographik in den Westzonen Deutschlands und den Westsektoren von Berlin 1945 bis 1949". Lehraufenthalte in Leeds, Swansea, New York und Cardiff. Seit 2001 ist er Professor für Neuere deutsche Literatur an der Universität Potsdam. In seinem aktuellen Forschungsprojekt beschäftigt er sich mit der literarische Vergangenheitsbewältigung im Ost-West-Vergleich. "No Politics"? Die Geschichte des deutschen PEN-Zentrums in London 1933-2002. Vandenhoeck und Ruprecht Göttingen 2006. Abstract: Prof. Dr. Wilfried Schoeller: “Was ist Weltliteratur?“ Wilfried F. Schoeller, geboren 1941 in Illertissen/Schwaben, ist Literaturkritiker und Professor für die Literatur des 20. Jahrhunderts, Literaturkritik und Medien an der Universität Bremen. Schoeller war Leiter der Abteilung »Aktuelle Kultur« im Hessischen Rundfunk/Fernsehen. Er lebt in Frankfurt am Main. 1990 erhielt er den Alfred-Kerr-Preis für Literaturkritik. Seit 2002 ist er Generalsekretär des P.E.N.-Zentrums Deutschland. Gemeinsam mit Johannes Veit: Transit Amsterdam : deutsche Künstler im Exil 1933 – 1945. Der Begriff der Weltliteratur ist komplementär zum Begriff der “Nationalliteratur“ entstanden. Er wurde von August Wilhelm Schlegel in seinen Berliner “Vorlesungen über die schöne Kunst und Literatur“ (1802) eingeführt und von Johann Wolfgang von Goethe als zukünftiger Auftrag der Kulturen definiert. Die Weltliteratur sollte über das gegenseitige Kennenlernen hinaus die großen Aufgaben einer gemeinsamen Welt in Angriff nehmen; Goethes Anspruch kann folglich als ausgesprochen modern bezeichnet werden. Weltliteratur war in diesem Verständnis mehr als ein Kanon der schöngeistigen Tradition und orientierte auf die Ausbildung von Wissensbeständen, die auch eine gemeinsame Weltordnung vorzeichnen sollten. Der Begriff der “Weltliteratur“ unterlag in der Geschichte den diversen Trivialisierungen und auch Pervertierungen. Er wurde für imperialistische Bestrebungen in Anspruch genommen wie auch für ein kulturelles Sendungsbewusstsein des abendländischen Paradigmas. Die Frage steht also, inwieweit der Begriff für eine transnationale und -kulturelle Forschungsperspektive heute operabel ist. Eignet er sich als Einfallstor für eine radikale Kritik am nationalstaatlichen, essentialistischen Literaturkonzept? Dieses schließlich ist in einer sich immer stärker globalisierenden Welt einem nicht unerheblichen Legitimationsdruck ausgesetzt. Es erscheint immer weniger plausibel, geographische Räume als Container für kulturelle Prozesse zu konzeptionalisieren. Darüber hinaus werden selbst im Rückgriff auf bereits kanonisierte literarische Werke staatsrechtliche Ordnungsprinzipien im literarischen Feld fragwürdig.
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