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Institut für Germanistik  

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Dr. phil. Thomas K. Jung
Neuere deutsche Literatur / 20. Jahrhundert
Tel: 0331/ 977-2461, Email: tjung@rz.uni-potsdam.de

Lehrveranstaltungen | Thomas Jung | Personal

 

Lehrveranstaltungen:

Wintersemester 2002
Institut für Germanistik Universität Potsdam

 

Vier Jahre - Vier Zonen - Eine Literatur?
Erinnerung an die NS-Vergangenheit in der unmittelbaren Nachkriegsliteratur

Deutschland ist ein schönes Land, mit blitzenden Dörfern,
Städten voll Schutt und bewohnt von Schizophrenen.
Lee Miller, US-Kriegsberichterstatterin, April 1945

Es ist die Zeit zwischen dem Kriegsende und der Konsolidierung zweier deutscher Staaten. Gekennzeichnet ist diese kurze, aber durchaus spannungsgeladene Epoche deutscher Literaturgeschichte zwischen 1945 und 1949 durch eine Vielzahl von sprachlichen sowie real- und kulturpolitischen Koordinaten: Befreiung und Besatzung, Nullpunkt und Neubeginn, Re-education und Umerziehung, Vergangenheitsbewältigung und -verdrängung, Suche nach Konsens und Katharsis, nach Homogenität und Wandlung, Traditionssuche und Fortsetzung unterbrochenen Schreibens etc.
Die Autoren, die in dieser Zeit eine neue Literatur schreiben wollen, sind unterschiedlichster Herkunft: heimkehrende Exilanten und Innere Emigranten, Mitläufer und Überlebende des NS-Terrorsystems. Folglich bedienen sie sich unterschiedlicher literarischer Strategien und verfolgen unterschiedliche Ziele - und sehen sich alsbald gezwungen, sich für eine Zone, für eine Literatur zu entscheiden.
Die Literatur dieser unmittelbaren Nachkriegsjahre ist trotz umfangreicher Forschung ein Gebiet, das noch immer weiße Flecken trägt. Dies Unbekannte gilt es zu entdecken und zu dem Bekannten in Beziehung zu setzen. Dabei sollen kanonische Texte neben bisher in der Literaturgeschichtsschreibung vernachlässigte Texte gesetzt und anhand eines Katalogs von Leitfragen genauer untersucht werden. Letztere entstammen insbesondere der Publizistik jener Jahre sowie der Produktion von Verlagen, deren Lebensdauer (auch aus politischen Zwängen) begrenzt war. Dazu gehört der Verlag der VVN, dessen literarische Produktion einen Schwerpunkt des Seminars bilden soll.
Der Kurs, der sich sowohl literaturhistorischer als auch literatursoziologischer Methoden bedienen wird, soll im Sommersemester 2003 als GK B fortgesetzt werden. In diesem werden dann - in Parallelveranstaltungen (vgl. Lehrveranstaltungen von Prof. H. Peitsch) - die Literaturentwicklungen in den fünfziger Jahren in den beiden deutschen Nachkriegsgesellschaften verfolgt.
Die Mehrzahl der Texte wird in Form eines Readers zur Verfügung gestellt. Vorausgesetzt wird die Lektüre von Standardwerken der Literaturgeschichtsschreibung, zu denen zu Beginn des Seminars eine eigene Leseliste vorliegen wird, sowie aktive mündliche wie schriftliche Teilnahme an der Lehrveranstaltung.

1. Unterrichtsmaterialien im www:
Leitfragen (zur Textlektüre und -interpretation)
Hinweise (zur Hausarbeit)
Bibliographie zur Primärliteratur (von Leetz, Sebekow, Wolf)

Das visuelle Gedächtnis (zeitgenössische Illustrationen und Grafiken)
Deutungsmuster (aus der deutschen Perspektive)
Arno Schmidt (zum Autor und Werk)
Arno Schmidt (Homepage der Gesellschaft der Arno Schmidt Leser)
Anna Seghers (Zu Autorin und Werk)


2. Literarische Texte:
Lyrik von K. Krolow, N. Sachs, P. Celan, G. Eich, S. Hermlin u.a. (im Reader)
Publizistik, Tagebücher, Essayistik und Briefe (im Reader)
Wolfgang Borchert
: Draussen vor der Tür
Abraham Hochhäuser
: Unter dem gelbem Stern (im Reader)
Jan Petersen
(Hg.): Weg durch die Nacht. Erzählungen (Auswahl im Reader)
Theodor Plievier
: Stalingrad (Auszug im Reader)
Anna Seghers
: Ausflug der toten Mädchen
Grete Weil
: Am Ende der Welt (im Reader)
Ernst Wiechert
: Der Totenwald (im Reader)

3. Literaturgeschichte:
Wilfried Barner: Geschichte der deutschen Literatur von 1945 bis zur Gegenwart. München: Beck 1994. S. 3-143.
Wolfgang Beutin: Deutsche Literaturgeschichte. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Stuttgart, Weimar: Metzler 1994. S. 427-457.
Wolfgang Emmerich: Kleine Literaturgeschichte der DDR. Leipzig: Gustav Kiepenheuer, 1996. S. 70-112.
Heinz Forster und Paul Riegel: Deutsche Literaturgeschichte. Band 11: Nachkriegszeit. München DTV 1995.
Horst A. Glaser (Hg.): Deutsche Literatur zwischen 1945 und 1995. München: W. Fink 1997. (siehe Reader)
Horst Haase
u.a. (Hg.): Geschichte der deutschen Literatur. Bd. 11: Literatur der DDR. Berlin: Volk und Wissen 1977. S. 31-187.
Ralf Schnell: Geschichte der deutschen Literatur seit 1945. Stuttgart: Klett 1993. S. 67-112.


4. Empfohlene Sekundärliteratur:

(z.T. im Semesterapparat in der UB Golm)
Thomas Ahbe: Hungern, Hamstern, Heiligabend : Leipziger erinnern sich an die Nachkriegszeit. Leipzig: Kiepenheuer 1996.
Jan Assmann: Kulturelles Gedächtnis und kollektive Identität. In: ders., T.Hölscher (Hg.): Kultur und Gedächtnis. Frankfurt a.M. 1988, S.9-19.
Aleida Assmann: Erinnerungsräume. Formen und Wandlungen des kulturellen Gedächtnisses.- München: Beck 1995.
Werner Bergmann (Hg.): Schwieriges Erbe: Der Umgang mit Nationalsozialismus und Antisemitismus in Österreich, der DDR und der Bundesrepublik Deutschland. Frankfurt a.M.: Campus 1995.
Stephan Bock: Literatur Gesellschaft Nation. Materielle und ideelle Rahmenbedingungen der frühen DDR-Literatur (1949-1956). Stuttgart: Metzler 1980.
Nicolas Born
(Hg.): Nachkriegsliteratur: Spurensicherung des Krieges. Reinbek: Rowohlt 1977.
Stephan Braese: Die andere Erinnerung. Jüdische Autoren in der westdeutschen Nachkriegsliteratur. Berlin: Philo 2001.
Stephan Braese (Hg.): Deutsche Nachkriegsliteratur und der Holocaust. Frankfurt a.M. [u.a.]: Campus 1998.
Karl J. Brandstetter: Allianz des Mißtrauens: Sicherheitspolitik und deutsch-amerikanische Beziehung in der Nachkriegszeit. Köln: Pahl Rugenstein 1989.
Insa Eschebach u.a. (Hg.): Gedächtnis und Geschlecht. Deutungsmuster in Darstellungen des Nationalsozialismus. Frankfurt a.M, New York: Campus 2002.
Michael Th. Greven (Hg.): Der Krieg in der Nachkriegszeit: Der Zweite Weltkrieg in Politik und Gesellschaft der Bundesrepublik. Opladen: Leske+Budrich 2000.
Elmar Faber, Carsten Wurm (Hg.): Allein mit Lebensmittelkarten ist es nicht zu schaffen. Autoren- und Verlegerbriefe 1945-49. Berlin: Aufbau 1991.
Karin Hartewig (Hg.): Der lange Schatten: widerspruchsvolle Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg und die Nachkriegszeit aus der Mitte Europas 1939-89. Opladen: Leske+Budrich 1993.
Jost Hermand (Hg.): Nachkriegsliteratur in Westdeutschland. Berlin: Argument 1984.
Ursula Heukenkamp (Hg.): Deutsche Erinnerung. Berliner Beiträge zur Prosa der Nachkriegsjahre. Berlin: Schmidt 2000.
Ursula Heukenkamp
(Hg.): Schuld und Sühne?: Kriegserlebnis und Kriegsdeutung in deutschen Medien der Nachkriegszeit (1945-1961); Internationale Konferenz vom 01.-04.09.1999 in Berlin. Amsterdam [u.a.]: Rodopi 2001. (2 Bde.)
Ursula Heukenkamp: Unterm Notdach: Nachkriegsliteratur in Berlin 1945-1949. Berlin: Schmidt 1996.
Hein Hoebink: Nachkriegszeit in Westdeutschland 1945-1949: Die Entstehung der Grundmuster von Staat und Gesellschaft heute. Heinsberg: Agentur Dieck 1984.
Volkhard Knigge und Norbert Frei (Hg.): Verbrechen erinnern. Die Auseinandersetzung mit Holocaust und Völkermord. München: Beck 2002.
Habbo Knoch: Die Tat als Bild. Fotografien des Holocaust in der deutschen Erinnerungskultur. Hamburg: Hamburger Edition 2001.
Thomas Koebner: Unbehauste. Zur deutschen Literatur in der Weimarer Republik, im Exil und in der Nachkriegszeit. München: Edition text + kritik 1992.
Ingrid Laurien: Politischkulturelle Zeitschriften in den Westzonen 1945-1949: Ein Beitrag zur politischen Kultur der Nachkriegszeit. Frankfurt am Main [u.a.]: Lang 1991.
Josef Müller Marein: Deutschland im Jahre 1: Reportagen aus der Nachkriegszeit. Hamburg: Kabel 1984.
Klaus Naumann (Hg.): Nachkrieg in Deutschland. Hamburg: Hamburger Ed. 2001.
Norbert Oellers (Hg.): Vom Umgang mit der Schoah in der deutschen Nachkriegsliteratur. Berlin: Schmidt 1995.
Johannes G. Pankau: Schwierige Rückkehr: Exil und Nachkriegsliteratur 1945-1950. Oldenburg: BIS 1995.
Elke Reuter und Detlef Hansel: Das kurze Leben der VVN von 1947 bis 1953. Berlin: edition ost 1997 (insb. S. 137-142).
Ulla Roberts: Starke Mütter ferne Väter: Töchter reflektieren ihre Kindheit im Nationalsozialismus und in der Nachkriegszeit. Frankfurt a. M.: Fischer TB Verl., 1994.
Klaus Scherpe, Lutz Winkler (Hg.): Frühe DDR-Literatur. Berlin: Argument 1988.
Bernd Schmidt (Hg.): Die Stunde Eins: Erzählungen, Reportagen, Essays aus der Nachkriegszeit. München: DTV 1982.
Rolf Schneider: Theater in einem besiegten Land: Dramaturgie der deutschen Nachkriegszeit 1945-1949. Frankfurt a.M. [u.a.]: Ullstein 1989.
Hans Schwab Felisch (Hg.): Der Ruf: eine deutsche Nachkriegszeitschrift. München: DTV 1962.
Anna Seghers: Hier im Land der toten Herzen. Briefwechsel 1947. Berlin 2000.
Martina Thiele
: Publizistische Kontroversen über den Holocaust im Film: Morituri, Nacht und Nebel, Mein Kampf, Nackt unter Wölfen, Ein Tag, Holocaust, Der Prozeß, Shoah, Schindlers List. Münster 2001.
Gabriele Fritz Ullmer: Auseinandersetzung antifaschistischer Exil-Schriftsteller mit dem Problem des Stalinismus in Autobiographien der Nachkriegszeit. Frankfurt a.M.: Fischer 1989.
Jochen Vogt: Das Vergangene ist nicht tot, es ist nicht einmal vergangen. Nationalsozialismus im Spiegel der Nachkriegsliteratur. Essen: Rigodon 1984.
Volker Wehdeking: Erzählliteratur der frühen Nachkriegszeit (1945-1952). München: Beck 1990.
Harald Welzer (Hg.): Das soziale Gedächtnis. Geschichte, Erinnerung, Tradierung. Hamburg: Hamburger Edition 2002.
Harald Welzer: Das kommunikative Gedächtnis. Eine Theorie der Erinnerung. München: Beck 2002.
Harald Welzer: Der Mythos von der unbewältigten Vergangenheit. Über ein Interpretament der Zeitzeugenforschung zum Nationalsozialismus. In ders.: Verweilen beim Grauen. Essays zum wissenschaftlichen Umgang mit dem Holocaust. Tübingen: Diskord 1997, S.49-69.
Harald Welzer: "Opa war kein Nazi." Nationalsozialismus und Holocaust im Familiengedächtnis. München: dtv 2002.
Waltraud Wara Wende (Hg.): Geschichte im Film. Mediale Inszenierung des Holocaust und kulturelles Gedächtnis. Stuttgart, Weimar: Metzler 2002.
Eike Wolgast: Die Wahrnehmung des Dritten Reiches in der unmittelbaren Nachkriegszeit (1945/46). Heidelberg: Winter 2001.
Hans Dieter Zimmermann: Literaturbetrieb Ost-West. Die Spaltung der deutschen Literatur von 1948 bis 1998. Köln: Kohlhammer 2000.

5. Auswahl weiterer Links im www:

Literarisches Leben Daten und Fakten zur Real- und Kulturgeschichte seit 1945
Nachkriegszeit Fakten, Bilder, Informationen zur Nachkriegszeit (DHM Berlin)
Nachkrieg? 'Die Frage nach dem Ende' - Ein Essay von Klaus Naumann
Erinnerungspolitik Der Kampf um die Erinnerung. Ein Essay aus Sicht der VVN
Der Zweite Weltkrieg Der Zweite Weltkrieg: Fakten und Daten
Antisemitismus Antisemitische Stereotypen (Essay auf Shoa.de)
Shoah Die Linksammlung von Shoah.de zur NS-Vergangenheit
Cinema Filmographie: Shoah im Nachkriegsfilm
Dokumente Historische Dokumente zur Nachkriegszeit


Sturly Entnazifizierung (1948)

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[letzte Aktualisierung: 10.04.2003 / Th. Jung]