Professur für Theorie der Schule und des Lehrplans

Forschung

Netzwerk Schule und Krankheit - Integration chronisch kranker Schülerinnen und Schüler in der Regelschule

Zwischen 10% und 15% aller Kinder und Jugendlichen in Deutschland leiden unter chronischen Krankheiten. Das ist den meisten Lehrpersonen noch nicht bewusst. Es handelt sich um ein sozialpolitisches (Zukunfts)Problem erheblichen Ausmaßes. Manche der betroffenen Kinder und Jugendlichen erleben hohe Belastungen, die auch ihr Befinden in der Schule und ihren Schulerfolg beeinträchtigen. Sie sind auf die Rücksichtnahme ihrer Lehrer und Mitschüler angewiesen, auf eine angemessene Mischung von Forderung und Schonung, um die Schule erfolgreich durchlaufen zu können. 

Inhalt unseres Vorhabens „Netzwerk Schule und Krankheit“ ist die Information und praktische Unterstützung von Schulen im Umgang mit chronisch kranken SchülerInnen, die Sensibilisierung  Lehramtsstudierender und die Sensibilisierung der fachlichen und allgemeinen Öffentlichkeit für dieses Thema.    

Dieses Vorhaben wird mit Hilfe der Robert Bosch Stiftung über drei Jahre 2008-2010 am Institut für Erziehungswissenschaft der Universität Potsdam durchgeführt. Im Einzelnen planen wir:

  • Lehrerausbildung und -fortbildung
  • Erprobung von Unterrichtsmaterialien für Regelschulen
  • Beratung für  Klinikschulen
  • Beratung für Regelschulen
  • Supervisionsangebote für Lehrpersonen
  • stetige Lehrangebote im Lehramtsstudium der Universität Potsdam
  • studentische Praktika im Krankenhausunterricht
  • Vernetzung einschlägiger Institutionen
  • Fachtagungen/Transfer (Brandenburg/Berlin und bundesweit)
  • Öffentlichkeitsarbeit (Brandenburg/Berlin und bundesweit)
  • Begleitforschung, Evaluation

Mitarbeiter: Projektleitung, zwei Doktorand/innen, ein Sekretariat

Laufzeit: 2/2008, Laufzeit: 36 Monate

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StudienCoach - Beratung und Studienbegleitung für gesundheitlich beeinträchtigte Studierende

Nach den Sozialerhebungen des DSW/HIS hat die Häufigkeit gesundheitlicher Beeinträchtigungen unter Studierenden in den letzten Jahren zugenommen. An der Universität Potsdam sehen sich derzeit etwa 600 Studierende (von etwa 18.000) durch gesundheitliche Schädigungen in ihrem Studium „stark“ oder „mittelstark“ beeinträchtigt.

Das Projekt „StudienCoach“ entwickelt studienspezifische Einzelfallhilfen für gesundheitlich beeinträchtigte AbiturientInnen und Studierende. Persönliche Studienbegleiter bieten diesen Beratung und Begleitung bei der Studienwahl, beim Studienbeginn und im weiteren Studienverlauf an. Ziel ist es, gesundheitlich belasteten AbiturientInnen den Hochschulzugang zu erleichtern, Studierenden einen Studienabbruch vermeiden und Studienzeiten verkürzen zu helfen. Die Maßnahme ersetzt keine der an der Hochschule vorhandenen Beratungsangebote, sondern ergänzt sie. Mit dem Angebot eines persönlichen Tutorats übertragen wir eine Praxis, deren Wert in der Eliteförderung -  beispielsweise deutscher Studienstiftungen - unbestritten ist,  auf einen anderen Bedarf.

Die praktische Tätigkeit im Projekt „StudienCoach“ wird von Forschung zur Situation gesundheitlich beeinträchtigter Studierender an der Hochschule begleitet. In dem Vorhaben arbeiten zwei Doktoranden, ein Mann und eine Frau, die jeweils eine Studie zur Studiensituation und zum Unterstützungsbedarf der Zielgruppe anfertigen. Ihre Untersuchungsthemen sind (a) Focus KlientInnen: „Studienverläufe von Studierenden mit gesundheitlichen Belastungen“, (b) Focus Hochschule: „Fachspezifische und studiengangspezifische Studienbedingungen für gesundheitlich belastete Studierende an der Universität Potsdam“. – Am Ende der Projektlaufzeit wird eine Fachtagung mit Potsdamer (UP und FH) und auswärtigen Kollegen zur Vorstellung der Erfahrungen und zur Erarbeitung von Empfehlungen durchgeführt.

Das Vorhaben wird vom Brandenburgischen Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur finanziert.

Stellen: Zwei wissenschaftliche Mitarbeiter TVL E13/ 50%

Beginn: 1/2008, Dauer: 36 Monate

 

Schulwahl und ihre Wirkung auf die schulische und urbane Polarisierung in vier europäischen Großstädten
(Le choix de l'ecole et ses effets sur la polarisatión scolaire et urbaine dans quatre métropoles européenes: Londres, Paris, Berlin, Milan)

gemeinsam mit:
Agnes van Zanten, C. Veleda (Frankreich, CNRS)
Stephen Ball, n.n. (Großbritannien, University of London)
Claudia Dreke (Deutschland, Universität Potsdam)
Marco Oberti, E. Roussier-Fusco (Italien, CNRS)

In den letzten dreissig Jahren haben sich die westeuropäischen Schulsysteme verändert. Während die Politik der 60er und 70er Jahre Demokratisierung, Förderung der Chancengleichheit und Homogenisierung des Schulangebotes in Gesamtschulsystemen in das Zentrum stellte, werden heute die Entstehung eines "Schul-Markts" und die Hetreogenität des Schulangebotes gefördert. An dieser Entwicklung sind Entscheidungen von politisch und administrativ Verantwortlichen und von Experten des Schulsystems ebenso beteiligt wie das Verhalten der Benutzer der Schule, insbesondere der Eltern der mittleren und oberen sozialen Schichten.

Die Mittelschichten, die in den vergangenen Jahrzehnten die Sekundarschulen eroberten, sehen sich heute zunehmend in einer defensiven Position im Hinblick auf ihre schulischen Errungenschaften. In einigen Ländern expandieren die Abiturientenquoten kaum noch. Die Expansion des Schulbesuchs, die Abschwächung der schulischen Selektion, die Aufnahme von Elementen der Kultur der Arbeiter- und Angestellten-Schichten wie auch der Immigrantenkulturen in die Lehrpläne, die relative Entwertung der Sekundarschulabschlüsse auf dem Arbeitsmarkt und verschiedene Formen der positiven Diskriminierung und Förderung von Schülern aus schulfernen Milieus werden von einem Teil der Benutzer der Schule heute als Bedrohung ihrer Möglichkeiten eines sozialen Aufstiegs mithilfe der Schule wahrgenommen.

Sie können darauf mit einer Verstärkung von Schulstrategien reagieren, wie sie in verschiedenen Ländern zu beobachten sind: hohe Aufmerksamkeit auf die Wahl der "richtigen" Schule für ihre Kinder, Wahl des Wohnsitzes in Abhängigkeit vom Schulangebot, Umgehung der Schuleinzugsbereiche schon bei der Einschulung der Kinder in die Grundschule, verstärktes Interesse an Privatschulen oder Einflußnahme auf Schulleitungen, Lehrer und Abgeordnete mit dem ziel, die Einrichtung leistungshomogener Klassen innerhalb leistungsgemischter Schulen zu erreichen.

Die Entwicklung von Schulstrategien durch interessierte Familien und die Reaktionen der Schulen, der Schulverwaltung und der politisch Verantwortlichen darauf sind für Großbritannien und Frankreich verschiedentlich untersucht worden. Dagegen ist für Deutschland und Italien erst in Umrissen bekannt, wie sie sich entwickeln.

Unser Forschungsprojekt untersucht in einem vergleichenden Vorgehen vier europäische Großstädte. Ziel der Untersuchung ist es, die Schulstrategien von Familien der Mittelschichten und den Umgang der schulischen Institutionen damit detaillierter kennen zu lernen.  Unsere Fragen lauten: Was sind die Kriterien der Schulwahl für die Familien? Wie entsteht der Ruf einer Schule? Wie gehen die Schulen damit um, dass sie eventuell besonders stark oder besonders schwach gewählt werden? Wie reagieren die Schulverwaltungen? Tragen die Schulstrategien/Schulpolitiken zur Abschwächung oder zur Verstärkung schulischer und urbaner Segregation zwischen den sozialen Schichten bei? Wo zeigen sich Ähnlichkeiten, wo Unterschiede in den vier untersuchten Ländern?

Die Untersuchung umfasst in jedem Land drei Schritte:

  • Auswahl eines innerstädtischen Bezirks und Analyse seiner Merkmale (soziale und ethnische Zusammensetzung der Einwohnerschaft, Qualität der Wohnungen, urbane Infrastruktur und Transporte)
  • Analyse der Merkmale der Schulen des Bezirks (und weiterer Schulen, die in Gesprächen genannt werden) und der Verteilung der Schülerschaft auf diese Schulen; Interviews mit dem Personal der Schulen
  • Interviews mit Familien über die Wahl der Wohnung und der Schule, die Kriterien dieser Wahl, die familiale   und lokale Konstruktion der Wahl und ihre Wahrnehmungen der individuellen und informellen Regelungen der Schulwahl in den vier untersuchten Städten; Interviews mit lokalen Abgeordneten und Schulverwaltern 

Gesamtdauer: 2002-2005

 

Max Weber Goes To School - Die vergleichende Erziehungssoziologie in den herrschafts- und religionssoziologischen Schriften Max Webers

Obwohl die Erforschung des Werks dieses Klassikers der Soziologie nach wie vor intensiv betrieben wird, ist die Bildungssoziologie und vergleichende Erziehungssoziologie Webers noch nicht systematisch dargestellt worden.

Unsere Untersuchung gilt zwei miteinander verbundenen Themensträngen in Webers Werk. Zum einen erschließt sich die Entwicklung der Weberschen Herrschaftssoziologie in einer spezifischen Dimension, wenn man die Unterschiede der Definition und Bedeutung von "Wissen" berücksichtigt, die zwischen der ersten und der zweiten Fassung der Herrschaftssoziologie bestehen. Webers Theorie der modernen Herrschaft verschiebt sich im Laufe seiner Untersuchungen von einer primär bürokratiesoziologisch akzentuierten zu einer nachdrücklich wissens- und bildungssoziologisch akzentuierten Theorie. Webers Herrschaftssoziologie entwickelt sich zu einer Theorie der "Wissensgesellschaft". – Die werkgeschichtliche Rekonstruktion dieses Themenstrangs kann insbesondere die Anknüpfungspunkte Karl Mannheims und Pierre Bourdieus freilegen.

Zum anderen enthalten Webers religionssoziologische Studien zur "Protestantischen Ethik", zum Konfuzianismus, Hinduismus und antiken Judentum, den Entwurf einer kulturvergleichenden Erziehungs- und Bildungsforschung, der methodisch und inhaltlich die heutige erziehungswissenschaftliche Komparatistik ergänzt. Weber entwirft idealtypische Grundmuster moderner Erziehung und ihrer kulturspezifischen Varianten in Abhängigkeit von Typen der Herrschaft. Er stellt dabei die Frage der "Kulturbedeutsamkeit" auch der Vergleichsforschung, also die Frage: was warum und für wen "wissenswert" sein kann an der Fülle der erforschbaren Erscheinungen, in den Mittelpunkt. Ziel unserer Untersuchung ist eine systematische Rekonstruktion der beiden genannten Themenbereiche in Webers Schriften.

Gesamtdauer: unbestimmt

 

Empirisch gestützte Gesetzesfolgenabschätzung – Evaluation von §§ 94, 95 des Brandenburgischen Schulgesetzes

gemeinsam mit: Dipl. Soz. Manuela Salzwedel

In den Schulkonferenzen der Brandenburgischen Oberstufenzentren sollen Vertreter der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer beratend mitwirken, um den Austausch und die Kooperation von Schule und Wirtschaft im Bereich der dualen Berufsbildung zu fördern. Unser Forschungsprojekt analysiert die Wirksamkeit dieser gesetzlichen Vorgabe mithilfe von Schulleiter-Befragungen und einer Untersuchung der Protokolle der Schulkonferenz-Sitzungen aller brandenburgischen Oberstufenzentren der beiden zurückliegenden Jahre.

Auftragsforschung: MBJS

Gesamtdauer: 12 Monate 2002-2003

 

Schulwahl und soziale Segregation – Fallstudie Schöneberg

gemeinsam mit: Erhard Stölting, Claudia Dreke

Bildungspolitik setzt heute auf die Entstehung von Quasi-Märkten im Schulbereich: Schulen sollen sich "profilieren" und untereinander konkurrieren. Familien sollen aus diesem "Schul-Angebot" eine Wahl treffen. Inwiefern die Wahl eines Bildungsganges sozial determiniert ist und welche Entscheidungskriterien in die Wahl der Eltern eingehen, ist schon in verschiedener Weise untersucht worden. Bisher gibt es jedoch keine Untersuchungen darüber, wie Familien zwischen Schulen desselben Bildungsgangs entscheiden bzw. wie sie diese Wahl begründen. Am Beispiel einer Oberschule in Berlin-Schöneberg gehen wir daher exemplarisch den Fragen nach, wie Eltern die Wahl bzw. Nichtwahl dieser Oberschule begründen und welche Argumentationsmuster dabei entstehen. Zugrunde liegt die Annahme, dass die Verarbeitung von in unterschiedlicher Weise kommunizierten Informationen über Schulen (z.B. der Ruf der Schule) für die Begründungen der Eltern eine wichtige Rolle spielen und spezifische Vorstellungen von Schule anzeigen, die mit ihren Entscheidungen zusammenhängen. Ziel ist es, typische Argumentationsmuster in Zusammenhang mit Vorstellungen über "gute" und "schlechte" Schulen heraus zu arbeiten. Methodisch bearbeiten wir diese Fragen auf der Grundlage qualitativer Elterninterviews, Experteninterviews, Gruppendiskussionen sowie statistischen Datenmaterials.

 

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Tel.: 0331/977-2157
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Universität Potsdam, Humanwissenschaftliche Fakultät, Professur für Theorie der Schule und des Lehrplans