Professur für Theoretische Philosophie

Prof. Dr. Johannes Haag

 

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Haag

Forschungsinteressen:

Theoretische Philosophie ist eigenständige philosophische Disziplin und Grundlagenwissenschaft zugleich. Als eigenständige Disziplin umfasst sie die Kernbereiche Sprachphilosophie, Metaphysik, Philosophie des Geistes und Erkenntnistheorie. Als Grundlagenwissenschaft ist ihre Aufgabe einerseits die Bereitstellung der theoretischen Grundlagen für die anderen philosophischen Teildisziplinen, insbesondere der praktischen Philosophie; andererseits dient sie insbesondere in der Erkenntnistheorie und im Übergang zur Wissenschaftstheorie auch  als Grundlagenwissenschaft anderer Wissenschaften.

Theoretische Philosophie hat nicht nur eine systematische, sondern auch eine historische Dimension. In dieser Dimension gibt es fruchtbare Verbindungen zur ideen- und kulturgeschichtlichen Forschung sowie zu verschiedenen Philologien.

Charakteristisch für meine Vorgehensweise in Forschung und Lehre ist es, dass ich die häufig übliche Arbeitsteilung zwischen philologisch orientierter Beschäftigung mit klassischen Texten der Philosophie einerseits und systematischer Herangehensweise andererseits als künstlich ablehne: Mit Autoren der philosophischen Tradition beschäftige ich mich immer auch in systematischer Weise; meine Beschäftigung mit systematischen Problemen der zeitgenössischen Philosophie besteht oft darin, auch die Relevanz historischer Positionen aufzuzeigen – ohne diese dabei allerdings künstlich zu aktualisieren.

Meine systematischen Schwerpunkte in der theoretischen Philosophie liegen im Bereich der Sprachphilosophie, der Erkenntnistheorie und der Philosophie des Geistes. Ein besonderes Interesse gilt der Theorie der Intentionalität. Die Philosophie der frühen Neuzeit, der Aufklärung, Immanuel Kants und des Dt. Idealismus bildet meinen historischen Schwerpunkt. Neben Kant und Descartes stehen dabei Spinoza, Berkeley und Fichte im Vordergrund meines Interesses.

Veröffentlichungen:

Bücher und Monographien:

  1. Der Blick nach innen. Wahrnehmung und Introspektion. mentis-Verlag: Paderborn 2001. (Reihe „Geist – Erkenntnis – Kommunikation“) (Weitgehend überarbeitete Fassung der Dissertation von 1999.)
  2. Erfahrung und Gegenstand. Das Verhältnis von Sinnlichkeit und Verstand. (Stark überarbeitete und erweiterte Fassung der Habilitationsschrift, 2004).) Klostermann: Frankfurt 2007 (Reihe Philosophische Abhandlungen, Bd. 95).
  3. Wilfrid Sellars – Intentionalität und Erkenntnis. Studienbrief für die Fernuniversität Hagen, 2007.
  4. Ideen. Repräsentationalismus in der frühen Neuzeit. (Als Hrsg. gemeinsam mit D.Perler. Erscheint in zwei Bd. in der Reihe „DeGruyter Studienbuch“, 2009.).

Aufsätze:

  1. „Der Wille als Träger des Ethischen. Überlegungen zur Stellung des Willens in der Frühphilosophie Ludwig Wittgensteins.“ Acta Analytica 13, 1995, S.131-152.
  2. „Wahrnehmung ohne Kausalität? Eine Verteidigung von Strawson gegen Hyman.“ In: Beckermann, A. und Nimtz, C. (Hrsg.) Argument und Analyse. mentis-Verlag: Paderborn, 2002, S. 180-194.
  3. „Sprechen über die Welt. Zu Robert Brandoms Making It Explicit.“ (Zusammen mit Holger Sturm) Philosophisches Jahrbuch 109, 2002, S.323-342.
  4. „Die Grenzziehung zwischen begrifflichen und nicht-begrifflichen Aspekten in der Wahrnehmung.“, in: Hogrebe, Wolfram (Hrsg.): Grenzen und Grenzüberschreitungen, Bonn: Sinclair Press, 2002, S.1017-1028.
  5. „Sprachphilosophie: Die Flüchtigkeit der Bedeutung.“ In: Vossenkuhl, W. und Fischer, E. (Hrsg.) Die Fragen der Philosophie. Eine Einführung in Disziplinen und Epochen. Beck: München, 2003, S. 89-106.
  6. „Das empirische Wirken der produktiven Einbildungskraft.“ In: Abel, G. (Hrsg.) Kreativität. Universitätsverlag TU Berlin: Berlin (2005), S. 551-563.
  7. „Kant und die Farben“. In: Steinbrenner, J. und Glasauer, S. (Hrsg.) Der Ort der Farben. Suhrkamp: Frankfurt (2007) S. 102-125.
  8. „Weltbezug und Objektivität in nicht-relationalen Konzeptionen der Intentionalität.“ In: Rami, A. und Wansing, H. (Hrsg.) Referenz und Realität. Mentis: Paderborn (2007), S. 39-59.
  9. „Levels of Abstraction and Transcendental Linguistics.“ Erscheint in: Barth, C. et.al. (Hrsg.) The Methodology of Making Explicit, 2008.
  10. „Descartes über Willen und Willensfreiheit.“ Zeitschrift für philosophische Forschung 60 (2006), S. 483-503.
  11. „Willem DeVries: Wilfrid Sellars.“ Rezension; Grazer Philosophische Studien 73 (2006), S. 187-191.
  12. Artikelpaket  „Funktion“ (enthält außerdem „Apprehension“, „Rekognition“, „Funktion, logische“, „Gedanke“, „Regel“, „Gesetz des Verstandes“, „Einheit“, „Setzen“ „Einheit, qualitative/quantitative“) erscheint in: Mohr, G., Stolzenberg, J. & Willaschek, M. Kant-Lexikon. De Gruyter: Berlin.
  13. Artikelpaket  „Affektion“ (enthält außerdem „Sinn, äußerer“, „sinnlich“, „außer uns“, „Gegenstand der Sinne“, „Außenwelt“, „Eindruck“, „Affizierbarkeit“, „fühlen“, „Gefühl, physisches“, „Jacobi, Friedrich Heinrich“) erscheint in: Mohr, G., Stolzenberg, J. & Willaschek, M. Kant-Lexikon. De Gruyter: Berlin.
  14. „Anschauung“ erscheint in: Kolmer, P. & Wildfeuer, A. (Hrsg.) Neues Handbuch Philosophischer Grundbegriffe. Alber: Freiburg.
  15. „Sinnliche Ideen. Descartes über sinnliche und begriffliche Aspekte der Wahrnehmug“ In: Perler, D. & Wild, M. (Hrsg.) Sehen und Begreifen. Wahrnehmungstheorien in der frühen Neuzeit. DeGruyter: Berlin (2008), S. 95-121.
  16. „Spinoza über die Intentionalität geistiger Zustände“ erscheint in: Deutsche Zeitschrift für Philosophie 2009 .
  17. „Anschauung und die sinnlichen Aspekte des Wahrnehmens” in: Schantz, R. (Hrsg.) Wahrnehmung und Wirklichkeit. Ontos Verlag: Frankfurt2009, S. 19-57.
  18. „George Berkeley“ (zusammen mit Max Barkhausen) erscheint in: (4).
  19. „Thomas Reid“ (zusammen mit Markus Wild) erscheint in: (4).
  20. „Ideen – Ein systematischer Ausblick“ erscheint in: (4).

Zuletzt habe ich in meiner Habilitationsschrift Erfahrung und Gegenstand – Zum Verhältnis von Sinnlichkeit und Verstand im empirischen Erkennen in einer systematischen Auseinandersetzung mit der theoretischen Philosophie Kants versucht, eine exegetisch erhellende Analyse zentraler Grundthesen der Transzendentalen Analytik der Kritik der reinen Vernunft zu geben. Als Leitfaden dient mir dabei das Verhältnis von Anschauung und Begriff im erkennenden Bezug auf empirische Gegenstände. Diese Untersuchung berührt Fragen des Subjektbezugs ebenso wie die Frage nach der Konstitution des Gegenstandes der Erfahrung. Meine Analyse von Kants Konzeption bildete dann die Grundlage für einen systematischen Beitrag zur gegenwärtigen analytischen Diskussion über das Verhältnis begrifflicher und nicht-begrifflicher Aspekte im empirischen Erkennen.

Der Blick nach innen. Wahrnehmung und Introspektion. Paderborn: mentis 2001
In diesem Buch, dass aus meiner Dissertation hervorgegangen ist, beschäftige ich mich mit einer traditionsreichen, aber aus der Mode gekommenen Antwort auf die Frage nach dem introspektiven Zugang zu unseren eigenen geistigen Zuständen: Introspektion ist, dieser Antwort gemäß, nach dem Modell der Wahrnehmung der Außenwelt zu konstruieren. Vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Diskussion in der repräsentationalistischen Philosophie des Geistes verteidige ich diese These gegen die Kritik von Autoren wie Sidney Shoemaker und gegen alternative Entwürfe, wie Fred Dretskes Theorie der Introspektion als verschobener Wahrnehmung. Eine entscheidende Rolle spielen dabei natürlich Fragen der philosophischen Wahrnehmungstheorie, denn nur durch ein genaueres Verständnis der Wahrnehmung wird auch die These von der ‚inneren Wahrnehmung’ verstehbar.
Die Grundidee ist dabei, durch eine Konfrontation dieser Ansätze mit Wilfrid Sellars’ Philosophie des Geistes und der Erkenntnis einen neuen Blick auf die These von Introspektion als innerer Wahrnehmung zu gewinnen. Es soll nachgewiesen werden, inwiefern die Kritik (nicht nur) der genannten Autoren an dieser These zum einen auf Mißverständnissen des philosophischen Gehalts der These beruht, zum anderen aber vor allem auf einer Epistemologie, die sich vom ‚Mythos des Gegebenen’ nicht in der Weise verabschiedet hat, die seit Sellars’ grundlegender Kritik am epistemischen Fundamentalismus unbedingt erforderlich ist.

Erfahrung und Gegenstand. Das Verhältnis von Sinnlichkeit und Verstand. (Erscheint 2007 bei Klostermann)
Zweck dieses Buchs ist eine Analyse des Verhältnisses begrifflicher und nicht-begrifflicher Elemente im intentionalen Gegenstandsbezug auf der Basis einer systematischen Untersuchung von Kants Unterscheidung zwischen Anschauung und Begriff. Im Mittelpunkt stehen dabei diejenigen geistigen Zustände, die sich auf die empirisch erfahrbare Wirklichkeit beziehen – im kantischen Sprachgebrauch also die Erfahrungen. Die kantischen Erfahrungen sind wesentlich dadurch charakterisiert, dass sie begriffliche und sinnliche As­pekte in sich vereinen.
Meine Untersuchung ist geleitet von der Überzeugung, dass eine Analyse der Intentionalität empirischer Vorstellungen sowohl die Rolle ihrer begrifflich-abstrakten als auch ihrer qualitativ-sinnlichen Aspekte genau bestimmen muss. Die strikt durchgeführte Dichotomie der Repräsentationsarten Anschauung und Begriff, die von fundamentaler Bedeutung für Kants Exposition seiner kritischen Philosophie in der Kritik der reinen Vernunft ist, scheint nun auf den ersten Blick genau dies zu leisten. Schon bald muss man aber feststellen, dass Anschauungen selbst nicht nur explizit im Urteil unter Begriffe subsumiert werden, sondern bereits implizite begriffliche oder, genauer, kategoriale Struktur enthalten. Andererseits bleiben zahlreiche Passagen in der Kritik der reinen Vernunft, in denen offensichtlich ist, dass Anschauungen aufs Engste mit dem rein rezeptiven Vermögen der Sinnlichkeit verknüpft sind.
Wilfrid Sellars hat sich in einer ganzen Reihe von Arbeiten aus der Perspektive eines analytischen Philosophen mit der theoretischen Philosophie Kants beschäftigt und dabei insbesondere das Verhältnis von nicht-begrifflichen und begrifflichen Elementen in der Erfahrung untersucht. Meine eigene Kant-Interpretation entwickle ich in Auseinandersetzung mit der exegetischen Position von Sellars, die ich – sofern sie sich mit dem Bezug der Erfahrung auf ihren Gegenstand beschäftigt – im Detail rekonstruiere und hinsichtlich ihres exegetischen und systematischen Stellenwerts diskutiere.
Auch Sellars’ philosophisches System ist, nach eigenem Bekunden, in weiten Teilen seiner Struktur nach ein zutiefst kantisches System. In den abschließenden Abschnitten mei­ner Arbeit diskutiere ich deshalb Sellars’ Weiterentwicklung kantischer Positionen vor dem Hintergrund meiner Kant-Interpretation.
Es geht also nicht nur darum, Kant durch Sellars, sondern auch Sellars durch Kant zu verstehen – und zwar hinsichtlich einer Frage, die für beide Philosophen den Kern der Problematik unseres Verhältnisses zu einer unabhängig von uns existierenden Wirklichkeit betrifft: die Frage nach der Beziehung von begrifflichen und sinnlichen Aspekten unserer Erfahrung. Letztlich ist das Ziel aber, im Zuge einer Auseinandersetzung mit diesen beiden herausragenden Autoren unser erkennendes Verhältnis zu einer Welt, deren Teil wir sind, besser zu verstehen – und in diesem Sinne ist der Anspruch der Arbeit nicht nur exegetisch, sondern ausdrücklich auch systematisch. 

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