Studiumplus - Struktur & Konzept
Eigentlich eine alte Idee…
Auch die moderne Universität hat als Nachfolgerin der universitas studiorum einen Bildungsauftrag, der über die Vermittlung von fachlich geprägtem Sach- und Methodenwissen hinausgeht. Sie ist der Gesamtheit der Studien verpflichtet. Auf die Studierenden gewendet bedeutet dies, dass ein universitäres Studium Horizonte öffnen muss. Durch die Einbeziehung einer Vielfalt von Perspektiven (gesellschaftlicher, technischer ... auch ästhetischer) in die jeweilige Problemstellung und durch die Reflexion der ethischen Dimensionen zielt das Studium letztlich auf eine allgemeine Urteilskraft. In der Tradition der universitas magistrorum et scholarum steht die Universität außerdem für die Idee einer über die Landesgrenzen hinweg mobilen weitgehend selbstbestimmten Gemeinschaft der Lehrenden und Lernenden, in der Mehrsprachigkeit und Interkulturalität selbstverständlich sind. Im Zeitalter der ausdifferenzierten Fächerkulturen heißt dies auch: Grundkenntnisse über andere Fächer erwerben, um diese verstehen, fit zu werden für interdisziplinär zusammengesetzte Teams, und im besten Fall selbst transdisziplinäre Probleme bearbeiten zu können.
Studienziel: employability
Die Bologna-Erklärung, die die „Employability“ der AbsolventInnen als eines der Studienziele fest-schreibt, bleibt – wenn man sie recht betrachtet – den alten Idealen der universitären Bildung ver-pflichtet. Dieses Ziel trifft sich mit den Anforderungen des Arbeitsmarktes: In Zeiten zunehmend unscharfer Berufsbilder und flexibler Erwerbsbiographien sind viele klassische Karrierewege obsolet geworden, weshalb grundlegende Kompetenzen („Bildung“) die beste Vorbereitung sind. Employability wird bisweilen missverständlich als „Berufsbefähigung“ übersetzt, als ob die neuen Studiengänge tatsächlich eine direkte Vorbereitung auf einen bestimmten Beruf wären. Intendiert ist aber eine Befähigung zur Orientierung auf dem Arbeitsmarkt, die sowohl ein Kennenlernen der Arbeitswelt einschließt, als auch die Entwicklung bestimmter Kompetenzen, die für eine berufliche Tätigkeit (meist auch schon für ein erfolgreiches Studium) unentbehrlich sind. Deswegen versteht die Universität Potsdam die Ausrichtung der Hochschulbildung an das Ziel „Employability“ nicht Vermittlung von schnell überholten soft skills, sondern als eine akademisch fundierte selbstreflexive Vorbereitung auf ein Berufsleben im Wandel. Für die Universität bedeutet dies die Organisation eines fachübergreifenden und fächerergänzenden Lehrangebots, das der Förderung von
- problemlösungsorientiertem Denken und Handeln
- Kreativität
- Fähigkeit zur Innovation
- und Selbständigkeit
gewährleistet. Die seit dem Sommersemester 2007 bestehende Modulkombination Studiumplus schafft durch Vermittlung von Schlüsselkompetenzen bereits in der ersten Studienphase und bis zur Erlangung des Bachelorgrades – und perspektivisch auch im Graduiertenstudium – die Voraussetzung für Beschäftigungsfähigkeit der AbsolventInnen auf dem Arbeitsmarkt.
Strukturierte Studieneingangsphase
In der Konzeption von Studiumplus kommt der strukturierten Studieneingangsphase eine besondere Bedeutung zu. Die schon lange üblichen Einführungsveranstaltungen der jeweiligen Fächer haben in unterschiedlichen Formen und Umfängen wichtige Schlüsselkompetenzen wie „Akademisches Schreiben“ integrativ mit vermittelt. Im Rahmen von Studiumplus eigene Veranstaltungen für die Vermittlung solcher Kompetenzen auszuweisen, ermöglicht den Fächern, ihre Einführungen auf die Inhalte und Methoden zu konzentrieren. Was die Schlüsselkompetenzen angeht, so soll in den ersten beiden Semestern ein Set an Veranstaltungen mit hohem Verpflichtungsgrad angeboten werden, das in seinen Inhalten nicht nur auf Profile der sich ständig verändernden Berufsfelder abgestimmt, sondern auch für ein erfolgreiches Studium nützlich ist. Es sind die Teilmodule „Selbst-Reflexion und Planung“, „Wissenschaftliches Arbeiten und Schreiben“ und „Kommunikation, Präsentation, Vermittlung“. Die dort erworbenen Kompetenzen ermöglichen den Studierenden, ihr Studium in der Perspektive des angestrebten Berufes bewusster und gezielter zu planen und zu absolvieren.
Studiumplus – ein Schlüssel zum Erfolg
Die Vermittlung von Schlüsselkompetenzen gibt den Universitätsabsolventen „Schlüssel“ in die Hand, die ihnen Tore öffnen beim Übergang von der Universität auf den Arbeitsmarkt (employability); sie befähigt, nicht nur berufliche, sondern auch gesellschaftliche Herausforderungen auf hohem Niveau anzunehmen.


