Mentoring an der Universität Potsdam
Erfahrung weitergeben, gemeinsam profitieren
Der Beginn eines Studiums stellt alle Studierenden vor die Herausforderung, sich in einem neuen, komplexen Umfeld orientieren zu müssen. Die Begleitung durch erfahrene studentische Mentoren und Mentorinnen ist für Studienanfänger in diesem Prozess eine wertvolle Hilfe, die es ihnen ermöglicht die Anfangsphase schnell zu meistern, um sich problemlos auf die Inhalte des Studiums konzentrieren zu können.
- Zielsetzung
- Zielgruppen
- Was ist ein Mentor?
- Mentoring an der Universität Potsdam
- Wer kann Mentor werden?
- Wie wird man Mentor?
- Integration des Mentoren-Programms in die Hochschulstruktur
- Bedarf für Mentoring
- Gesetzlicher Auftrag
Anliegen des vorliegenden Mentoring-Programms ist es, diese spezifische Problemlage der Studienanfänger aufzugreifen und durch Betreuung und Orientierungshilfe Grundlagen für ein erfolgreiches Studium zu schaffen. Ziel des Mentoring-Programms ist es also, Studierende des ersten Semesters beim Studieneinstieg und bei der Orientierung an der Universität zu unterstützen, damit sie ihr Studium zielgerichtet beginnen, durchführen und möglichst in der Regelzeit abschließen können. Den Studierenden werden soziale und die eigene Person betreffende Kompetenzen vermittelt, die ihnen das Studium und später auch den Übergang in den Beruf erleichtern.
Das Mentoring-Programm von Studiumplus ist für folgende zwei Zielgruppen bestimmt:
- Studierende aus höheren Semestern (studentische Mentoren), die als TrainerInnen qualifiziert werden („Train-the-Trainer“). Sie profitieren durch das Training in doppelter Weise: Sie erstellen ein Portfolio, das ihnen selbst beim Übergang in den Beruf (Stellensuche, Bewerbung) nützlich sein wird. Und sie trainieren ihre Beratungskompetenz, indem sie die Erstsemester schulen. Die Tutoren bekommen qualifizierte Schulung und gut aufbereitetes Material, mit dem sie unmittelbar und sicher trainieren können.
- Studienanfänger aller Fachrichtungen (Mentees), die durch Studierende höherer Semester (die studentischen Mentoren) ins Studium eingeführt werden und das Rüstzeug für ihre Selbstorganisation und Studienplanung vermittelt bekommen, das sofort umgesetzt werden kann und das sich im Tun vertieft.
Der Begriff Mentor geht auf die Odyssee des Homer zurück. Dort ist Mentor ein Freund von Odysseus und gleichzeitig Erzieher, Lehrer und Ratgeber von Telemach, Odysseus' Sohn. Während der Vater in den Krieg gegen Troja zog und auf der Rückreise viele Jahre über die Meere irren musste, nahm Mentor sich des Telemach an. In der Gestalt Mentors stand darüber hinaus Athene dem Telemach auf seiner Reise nach Pylos und Sparta sowie dem Odysseus bei der blutigen Rache an den Freiern der Penelope bei.
Im Bereich der Personalentwicklung steht Mentoring heute für eine sogenannte „One-to-One-Beziehung“ zwischen einem Mentor (‚dem Betreuer‘) und einem Mentee (‚dem Betreuten‘). und beinhaltet vorwiegend Beratung und Unterstützung. Von anderen Formen der Beratung unterscheidet es sich v.a. dadurch, dass der Kontakt zwischen dem Mentor und dem Mentee außerhalb der normalen Vorgesetzten-Untergebenen bzw. Lehrenden-Studierenden Beziehung stattfindet, deswegen auch persönlich und vertrauensvoll ist.
Mentoring an der Universität Potsdam
An der Universität Potsdam wird Mentoring als ein wenig formalisierter Wissens- und Erfahrungstransfer von Personen, die über Wissens- und Erfahrungsvorsprung verfügen, zu Neueinsteigern verstanden. Mentoring ist damit auch eine Spezialform des Networking, das eine Unterstützung bei der Orientierung im neuen Umfeld gewährleistet.
Im universitären Leben fallen dem Mentoring zwei Aufgabenbereiche zu:
- organisationale Sozialisation (schließt Integrationshilfe und Orientierungsberatung ein)
- individuelle Biographienförderung (beinhaltet Erkennen und Entfaltung des individuellen
Entwicklungspotentials mit einer Relevanz für eine gezielte Karriereplanung).
Für eine wirksame und nachhaltige Lösung dieser Aufgaben ist das Mitwirken der Hochschullehrer, Fachstudienberater und vor allem der Studierenden der höheren Semester erforderlich.
Alle Bachelor-Studierenden der höheren Semester sowie alle Master-Studierenden können als MentorInnen wirken. Die Voraussetzungen dafür sind:
- gute Studienleistungen
- Team-Erfahrung
- Erfahrung in der Übernahme der Eigenverantwortung in Gremien, studentischen Eigeninitiativen oder Tutorien
- Bereitschaft, eigene Erfahrungen an Studienanfänger weiterzugeben und sie bei der Orientierung an der Universität zu unterstützen.
Die Notwendigkeit, Studierende höherer Semester in die Betreuung und Beratung der Studienanfänger einzubeziehen, folgt der Grundidee des Mentoring. Mentoren müssen sich mit den Mentees über deren Stärken und Schwächen in einer vertraulichen, aus den sozialen Hierarchien losgelösten Atmosphäre austauschen können, ohne dass dies weitergehende institutionelle Konsequenzen hat.
Aus den Erfahrungen, die von den Mentoren im Rahmen des Pilot-Projekts im Wintersemester 2009/10 gesammelt wurden, haben wir ein verbessertes Konzept für die weiteren Mentoren-Schulungen entwickelt. Die nächste Schulung findet im Sommersemester 2010 statt und wird von Studiumplus in Zusammenarbeit mit der Zentralen Studienberatung, dem Career Service, dem PULS-Team, Akademischen Auslandsamt und der Servicestelle für Lehrevaluation durchgeführt.
In der Schulung werden folgende Themen behandelt:
- Methoden der Gruppenarbeit
- Planung und Gestaltung von Lehrveranstaltungen
- Leben an der Universität
- Studienplanung
- Erwerb von Fach- und Schlüsselkompetenzen
- Datenverwaltung in PULS
- Portfolio-Techniken
- Zeitmanagement
- Berufsbezogene Selbstreflexion
- Praktikum
- Auslandssemester
- Eine Universität für alle
- Studentische Evaluation als Qualitätssicherung von Studium und Lehre
Für die Ausbildung zum Mentor sowie für die anschließende Ausübung der Mentorentätigkeit bekommen die Studierenden von Studiumplus jeweils 3 Leistungspunkte im Modul „Kommunikation, Präsentation, Vermittlung“ angerechnet.
Integration des Mentoren-Programms in die Hochschulstruktur
Die Betreuung der Studienanfänger durch studentische Mentoren, höherer Semester, die wiederum systematisch von StudienberaterInnen und Hochschullehrenden betreut werden, wird ins Teilmodul von Studiumplus „Selbstreflexion und Planung“ implementiert und mit der Vermittlung von Schlüsselkompetenzen verbunden.
Das Mentoring-Programm passt sich in den Rahmen des bereits in Studiumplus etablierten Programms „Docendo discimus“ - "durch lehren lernen" - ein. Das Vorhaben soll in Zusammenarbeit zwischen der Universität Potsdam, freiberuflichen Dozenten und dem Brandenburgischen Institut der Aus- und Weiterbildung (BIAW) realisiert werden.
Für die Ausbildung der studentischen Mentoren wird ein einwöchiger Workshop vor Semesterbeginn durchgeführt. Im jeweils darauf folgenden Semester übernehmen die ausgebildeten Mentoren eine Gruppe von Studienanfängern mit maximal 6-8 Teilnehmern, damit der informelle Charakter beibehalten bleibt (peer-mentoring).
In der Übergangsphase vom Abitur zum Studium, die in der Regel die ersten Studiensemester umfasst, werden die Studienanfänger mit zahlreichen neuen Anforderungen und Aufgaben konfrontiert. Dazu gehören nicht nur die kognitiven Aufgaben im Fachstudium, sondern auch Orientierung in den universitären Strukturen und soziale Integration in den Studienalltag. Ursachen für Startschwierigkeiten und ausbleibende Lernerfolge am Studienanfang sind besonders häufig:
- das zunehmend jüngere Alter der Studienanfänger wegen der früheren Einschulung und wegen des Übergangs auf das 8-jährige Abitur;
- die Heterogenität der Vorkenntnisse und Lernvoraussetzungen der Studienanfänger;
- mangelnde Studienmotivation und -erwartungen;
- undeutliche Vorstellungen von Berufsperspektiven;
- mangelnde Fähigkeit, Lebensbereiche effizient zu balancieren;
- fehlende Unterstützung in den Identifizierungs- und Statusfindungsprozessen in einem für die Studierenden neuen universitären Umfeld.
Das neue Hochschulgesetz des Landes Brandenburg (BbgHG vom 18. Dezember 2008) verpflichtet die Universitäten und Hochschulen zum Mentoring, indem es im §19 (2) fordert, dass „jeder Studierende einem Mentor zugeordnet [wird], der ihn während seines Studiums nach Bedarf insbesondere in der Studiengestaltung, bei der zeitlichen Planung und der inhaltlichen Ausrichtung seines Studiums beratend unterstützt“.
Das vorliegende Konzept für ein Mentoring-Programm an der Universität Potsdam erläutert, wie dieser Auftrag im Rahmen von Studiumplus (Teilmodul der Grundphase: Selbst-Reflexion und Planung) realisiert werden soll. Es basiert auf der Analyse der aktuellen Bedarfslage und der Ursachen, die zu Studienkrisen bzw. Studienabbruch führen, und berücksichtigt die positiven Erfahrungen aus der Geschichte der universitären Bildung sowie die internationale beste Praxis privater Bildungseinrichtungen.


