Doktorandenkolleg (2010-2012)

Syntagmes et locutions dans la phrase et dans le discours. Composition, figement, grammaticalisation

Syntagmen und Kollokationen im Satz und im Diskurs. Struktur, Fixierung, Grammatikalisierung

 

DFH gefoerdert

Deutsch Französische Hochschule

Unter Syntagmen und Kollokationen fassen wir zwei Extreme der Verbindbarkeit von Wörtern in ihrem Auftreten in Texten und Diskursen. Während unter Syntagmen aus mehr als einem Wort bestehende Satzkonstituenten verstanden werden, die sich in der Regel frei zusammensetzen können, ist das Ent­stehen von Kollokationen durch semantische Bedingungen eingeschränkt. In der Regel wird das Syn­tagma im Anschluss an Saussure als eine Kombination von zwei oder mehreren aufeinanderfolgenden Einheiten verstanden, die nicht selbst als Satz oder Teilsatz eines komplexen Satzes auftreten, aber eine miteinander verbundene Zeichengruppe mit enger Zusammengehörigkeit darstellen. Unter Anwen­dung der passenden Regeln können nach semiotischer Vorstellung aus den Paradigmen zusammenge­setzte Zeichen oder Syntagmen gebildet werden. Syntagmen können dabei recht komplex werden und den Elementen eines Paradigmas aktuelle Bedeutung verleihen. Die Konzepte von Paradigma und Syntagma sind für die Semiotik von zentraler Bedeutung. Sie sind insbesondere für Versuche relevant, Texte mit Hilfe der Semiotik zu analysieren. Unter semiotischem Gesichtspunkt wird dabei untersucht, auf welche Art und Weise Syntagmen gebildet und verwendet werden und wie während des Kommuni­kationsprozesses Bedeutung entsteht. Geht man von dieser Auffassung einer freien Kombinierbarkeit von Wörtern zu Syntagmen aus, so wird man feststellen, dass Menschen eine bemerkenswerte Fähig­keit haben, Information in Formen zu bringen, die in der Linearität der Rede als große Vielfalt zu erken­nen sind. Menschen ordnen dabei die Daten weniger nach Fakten und logischen Beziehungen, sondern neigen dazu, andere Kriterien zu beachten, wie zum Beispiel Charaktere, Motive, Handlungen und Handlungsebenen. Die Produktion von Sätzen würde nach diesem semiotischen Prinzip lediglich durch grammatische Regeln und Restriktionen bestimmt, während auf lexikalischer Ebene eine unermessliche Freiheit bestehe.

Dem gegenüber geht der Begriff der Kollokation davon aus, dass das gehäufte benachbarte Auftreten von Wörtern durch deren semantische Qualität bedingt ist, bzw. dass – der wittgensteinschen Bestim­mung der Bedeutung als Gebrauch folgend – die Bedeutung eines Wortes erst durch seine häufige Ver­wendung mit bestimmten anderen Wörtern ausgemacht wird. Der Begriff der Kollokation wurde von John Rupert Firth ohne klare Definition eingeführt: “One of the meanings of night is its collocability with dark, and of dark, of course, collocation with night” (Firth: Modes of meaning, 1951). Dabei wird das Zirkuläre der Firthschen Definition deutlich: Wenn das Feststellen von Kollokationen lediglich auf das Aufzeigen häufiger Kontextpartner hinausläuft, so sind damit letztlich keine semantischen Qualitäten bestimmt, insofern diese Kontextpartner mit dem gleichen Verfahren zu Rückverweisen führen würden. Wir definie­ren Kollokationen zunächst mit Franz-Josef Hausmann als „typische, spezifische und charakteristische Zweierkombinationen von Wörtern“. Eine präzisere Definition des Kollokationsbegriffes muss der Tatsa­che Rechnung tragen, dass Kollokationen zum einen auf syntaktisch-semantischer Ebene und zum an­deren auf statistischer Ebene untersucht werden. Kollokationen, die mit Hilfe von statistischen Methoden gefunden werden, umfassen beliebige Wortkombinationen ungeachtet ihrer grammatischen Wohlge­formtheit, während Kollokationen nach dem syntaktischen Ansatz auf die Kombination bestimmter Wort­arten (z.B. Substantiv-Adjektiv-Kollokationen) beschränkt sind. Wir gehen zwar vom statistischen Ansatz aus und verstehen unter der Kollokation eines Wortes die Wörter, die signifikant häufig mit diesem Wort in einer gewissen Umgebung erscheinen, versuchen aber im Interesse der Vermeidung der genannten Zirkularität auch eine Rückbindung an semantische und syntaktische Kriterien.

Publikation der Beiträge des Kolloquiums Paris 2010

Les cahiers de l´ED 139

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