Dr. Dr. Judith Kasper:
"Der traumatisierte Raum. Topographie, Dissemination und Übertragungen des Holocaust"
gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft
Katastrophe - Ereignis, Figur und Wissensstruktur: Tagung
Potsdam, 24.-25. Mai 2012
Angesichts der sich überstürzenden Abfolge von Kriegen, Genoziden, Bränden, Schiff s- und Eisenbahnunglücken, Flugzeugabstürzen, Atomunfällen und so genannten „Naturkatastrophen“ aller Art, die das 20. Jahrhundert in bislang unübertroffener Weise gezeichnet haben, erscheint unsere Gegenwart als eine „einzige Katastrophe“. Die Katastrophe als Wende, Bruch und Ende tendiert dabei dazu, sich zu verstetigen. Als „Kippfi gur“, in der Bruch und Kontinuität zusammenfallen, erscheint sie als auswegloser Weg, und zugleich als Moment, der im Leben und Zusammenleben in, nach und auch schon in Hinblick auf Katastrophen die Suche nach Auswegen und Umwegen antreibt. Wer sich philologisch und philosophisch auf solche Umwege begibt, wird nicht umhin können, dem Riss, der durch die Katastrophe selbst geht, zu begegnen und den Strophen, die dabei freigesetzt werden, zu folgen. Mehr...
(De)Montage - 1. Potsdamer kulturtheoretischer Workshop
Freitag, 11. November 2011
14 – 20 Uhr
Raum 01.19.121
Annäherung von zwei oder mehr scheinbar wesensfremden Elementen
auf einem ihnen wesensfremden Plan provoziert
die stärkste poetische Zündung (M. Ernst).Le problème de fond demeure, celui du montage,
c’est-à-dire de notre aptitude à concevoir
la rationalité de la fiction (P. Legendre).In der Montage dieser beiden Zitate ist der Horizont des ersten kulturtheoretischen Workshops abgesteckt. Wenn wir fragen, wie sich Kunst und Wissenschaft im Prinzip der Montage zueinander verhalten, dann treffen an der Schnittstelle der Montage zwei zunächst sehr unterschiedliche Erkenntnisweisen aufeinander: das Assoziativ-Irrationale auf den systematisch-rationalistischen Anspruch der Wissenschaft; das Faltige, Gebrochene, Fragmentarisch-Entstellte auf die Idee einer in sich gerundeten, geschlossenen Darstellung eines Gegenstandes. [...] Mehr...
Judith Kasper
Lebenslauf
1990-1996: Studium der Romanistik, Germanistik an den Universitäten Nizza, Göttingen und Freiburg
2001: Promotion in Französischer Literaturwissenschaft an der Universität Freiburg
2007: Promotion in Philosophie an der Universität Verona
1999-2009: Lehrtätigkeiten an den Universitäten Paris-X Nanterre, Bologna, Verona, Venezia
WS 2009/10: Gastprofessur an der Universität München
Seit April 2010: Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Romanische Philologie der Universität München
Seit April 2011: beurlaubt zu Forschungszwecken im Rahmen der DFG-geförderten „eigenen Stelle“ am Institut für Romanistik an der Universität Potsdam
Forschungsschwerpunkte
Französische Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts
Italienische Literatur des 20. Jahrhunderts
Holocaust-Studies
Raumtheorien
Gedächtnistheorien
Psychoanalyse
Poststrukturalistische Theoriebildung
Kurzbeschreibung des Projektes
Trauma und Raum sind die zentralen Begriffe des Forschungsvorhabens. Sie evozieren eine Reihe heterogener literatur- und kulturwissenschaftlicher Problemfelder und Theorieansätze, die hier zum ersten Mal zusammengeführt und in der gegenseitigen Beleuchtung neu gedacht werden sollen: zum einen die Ergebnisse der Traumaforschung in Psychoanalyse, Literatur- und Kulturwissenschaft; zum anderen die unter dem Stichwort des „spatial turn“ entwickelten Ansätze einer Raumwissenschaft. Unter eingehender Bezugnahme auf repräsentative literarische Werke des 20. Jahrhunderts sowie auf Film und Architektur, wird das Konzept des traumatisierten Raumes entworfen, mit dessen Hilfe das Nachleben des Lagers in Literatur, Kunst und Stadtraum unter neuen topologischen Vorzeichen analysiert wird.

Angesichts der sich überstürzenden Abfolge von Kriegen, Genoziden, Bränden, Schiff s- und Eisenbahnunglücken, Flugzeugabstürzen, Atomunfällen und so genannten „Naturkatastrophen“ aller
Art, die das 20. Jahrhundert in bislang unübertroffener Weise gezeichnet haben, erscheint unsere
Gegenwart als eine „einzige Katastrophe“. Die Katastrophe als Wende, Bruch und Ende tendiert
dabei dazu, sich zu verstetigen. Als „Kippfi gur“, in der Bruch und Kontinuität zusammenfallen, erscheint
sie als auswegloser Weg, und zugleich als Moment, der im Leben und Zusammenleben in, nach
und auch schon in Hinblick auf Katastrophen die Suche nach Auswegen und Umwegen antreibt. Wer
sich philologisch und philosophisch auf solche Umwege begibt, wird nicht umhin können, dem Riss, der
durch die Katastrophe selbst geht, zu begegnen und den Strophen, die dabei freigesetzt werden, zu folgen. 