Prof. Dr. Ottmar Ette

Professur für französisch- und spanischsprachige Literatur

 

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Ottmar Ette

Weltbewußtsein

Alexander von Humboldt und das unvollendete Projekt einer anderen Moderne

Weilerswist: Velbrück Wissenschaft 2002 [243 p.]

 

Über dieses Buch // Inhaltsverzeichnis

Velbrück Wissenschaft

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Über dieses Buch

Kaum ein anderer Wissenschaftler, Schriftsteller und Gelehrter des ausgehenden 18. und 19. Jahrhunderts stellt für das Denken und Handeln zu Beginn des dritten Jahrtausends eine so faszinierende Herausforderung dar wie Alexander von Humboldt, der jüngere der beiden Humboldt-Brüder.

Dies mag erklären, warum der von seinen Zeitgenossen noch so bewunderte Naturwissenschaftler und Naturphilosoph, Kosmopolit und Kulturtheoretiker, kritische Intellektuelle und königliche Kammerherr – nach langen Jahrzehnten des Vergessens, in denen andere Vertreter des Nationalstolzes wichtiger schienen – der Öffentlichkeit wieder vertrauter geworden ist.

Mit Alexander von Humboldt hat an der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert eine Entprovinzialisierung des deutschen Denkens aus der Erfahrung außereuropäischer Wirklichkeiten stattgefunden. Im Kern des Humboldtschen Weltbewußtseins stand nicht die Prosperität Europas oder des je eigenen Vaterlands, sondern die des gesamten Planeten.

Zweifellos war Humboldt dem Projekt der europäischen Moderne verpflichtet, ging aber an entscheidenden Stellen über dieses hinaus. Sein Vertrauen auf ein künftig sich einstellendes Gleichgewicht zwischen den Kontinenten und Nationen implizierte keine einseitige, sondern eine multipolare Entwicklung, die zu einer neuen, gerechteren Weltordnung führen sollte. Diese neue Welt-Ordnung, dieser neue Kosmos war für Humboldt ohne ein Zusammenwirken verschiedenster Faktoren, ohne ein Ineinandergreifen verschiedener Kulturen, ohne eine Einbindung des Menschen in die Kräfte der Natur nicht vorstellbar.

So wie die Humboldtsche Wissenschaft (die der Autor im ersten Teil des Buches betrachtet) in einem transdisziplinären, interkulturellen Weltbewußtsein fundiert ist, bündelt die Humboldtsche Schreibweise (der sich Ette im zweiten Teil widmet) Wissenschaft und Literatur, Empirie und Experiment, Naturforschung und Naturphilosophie, Weltoffenheit und ästhetischen Genuß zum spezifischen Typus der Humboldtschen Weltbeschreibung. Sie ist und will mehr als Naturphilosophie, mehr als Philosophie überhaupt: Ihr kommt es im Sinne eines eigenen Projekts der Moderne darauf an, die Welt zu verändern.

Humboldts Denken beeinflußt und begleitet die Entwicklung der europäischen Moderne und hält ihr, nicht selten mit außereuropäischer Akzentuierung, den kosmopolitischen Spiegel vor. Sein Denken enthält die Widersprüche der Moderne, aber auch den Widerspruch gegen eine allein an Europa ausgerichtete Moderne.

Inhaltsverzeichnis

Vorwort vor dem 14. September 2001

Erster Ideenkreis: Wandernde Netze
Wissenschaftsverständnis und Weltbewußtsein

Annäherung: Weltethos - ein unvollendbares Projekt?

    1. Visionen der Moderne(n)
    2. Eine Wissenschaft als netzartig verschlungenes Gewebe
    3. Ein Weltbürger in Potsdam
    4. Der Kosmos im Kopf
    5. Weltbürgertum zwischen Chimborazo und Magellanstraße
    6. Humboldt und die Entstehung eines neuen Kosmopolitismus
    7. Die Netze eines wissenschaftlichen Kosmopoliten
    8. Kosmopolitik als Bewußtseinspolitik aus weltweitem Vergleich
    9. Welthandel, Weltgeschichte, Weltanschauung, Weltbewußtsein
    10. Im Pflanzenreich des Weltbewußtseins
    11. Die Welt ist Klang
    12. Ein Weltethos der wandernden Netze

Zweiter Ideenkreis: Vernetzte Wanderungen
Alexander von Humboldts Reisewerk

Annäherung: Wie läßt sich ein Land (be)schreiben?

    1. Kartennetz und Textgewebe
    2. Weltgeist versus Weltbewußtsein
    3. Globalisierte Wissenschaft
    4. Wie läßt sich eine Reise (be)schreiben?
    5. Netzförmige Verschlingungen eines verdoppelten Stromsystems
    6. Euphorie der Wissenschaft - das Humboldtsche Höhlengleichnis I
    7. Aporie der Wissenschaft - das Humboldtsche Höhlengleichnis II
    8. Was Literatur mit ökologischem Denken zu tun hat
    9. Bilder im Kopf, Bilder im Text und Bildtexte
    10. Vom Naturgemälde zum Kulturgemälde
    11. Ein imaginäres Museum der Weltkulturen
    12. Gefangen im eigenen Netz?

Nachwort nach dem 11. September 2001

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Biographische Hinweise

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