Prof. Dr. Ottmar Ette
Professur für französisch- und spanischsprachige Literatur
Publikationen
Ottmar Ette Roland BarthesEine intellektuelle BiographieFrankfurt am Main: Suhrkamp Verlag (edition suhrkamp 2077) 1998 [522 p.]
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Ausgezeichnet mit dem Forschungspreis 2001 für Romanistische Literaturwissenschaft zu Ehren von Hugo Friedrich und Erich Köhler der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i.Br. in Verbindung mit den Universitäten Basel, Mulhouse und Strasbourg.
Vorbemerkung
Der vorliegende Band entstand in Zusammenhang mit Lehrveranstaltungen, die ich während der vergangenen Jahre an den Universitäten Eichstätt, Bayreuth und Mexiko-Stadt (UAM) angeboten habe. Den Teilnehmern dieser Veranstaltungen verdanke ich zahlreiche kritische Kommentare und Anregungen - und die Überzeugung, daß die Schriften Roland Barthes' aktueller denn je sind, ja mehr noch: daß sein Denken in vielen seiner Facetten bis heute noch nicht aus-gedacht ist.
Roland Barthes' Bedeutung wächst. Dies verdeutlicht auch die neue französische Werkausgabe. Doch könnte gerade sie durch die Fülle der dargebotenen Materialien eine Gefahr in sich bergen: die einer sich bereits abzeichnenden Zersplitterung in den Essayisten, den Kunstkritiker, den Semiologen, den Kulturkritiker, den Literaturwissenschaftler, den Gesellschaftskritiker, den Narratologen, den Theaterkritiker, den Literaturtheoretiker, Filmkritiker, Romancier oder Philosophen Roland Barthes. So könnten die Oeuvres Complètes paradoxerweise den Blick für das Gesamtwerk verstellen, weil sie für jeden dieser Aspekte reichhaltiges Material bereitstellen, das detaillierter Untersuchungen noch harrt. Einer Aufsplitterung von Barthes' Schaffen in einzelne Teilbereiche versucht der vorliegende Band entgegenzuarbeiten. Er bezieht ebenso die Buchpublikationen, auf die sich das Forschungsinteresse bislang konzentrierte, wie die zu Lebzeiten Barthes' noch nicht in Buchform veröffentlichten Schriften ein, ja weist gerade diesen ein besonderes Gewicht zu. Musik, Malerei und Photographie sollen als künstlerische Praktiken in ihren vielfältigen Bezügen in ein Verhältnis zur Textualität gesetzt werden, das stets dem Gesamtwerk Rechnung trägt. Der Verfasser hofft, damit zugleich einen Beitrag zur Vermittlung französischen Denkens nach Deutschland leisten zu können.
Wintershof, am 26. März 1995
Ottmar Ette
Inhaltsverzeichnis
Vorbemerkung (8)
Siglenverzeichnis (9)
Abbildungsverzeichnis (10)
I Einführung
Erste Annäherung:
Am Nullpunkt des Lesens? (12)
Barthes in Deutschland. Nach dem Fegefeuer. Der Ort des Lesens. Bewegungen und Friktionen. Neue diskursive Chancen.
Zweite Annäherung:
Eine zentrifugale Bewegung ohne Zentrum (20)
Von Regal zu Regal. Die Schnelligkeit der Moden. Ein Nach-Gehen der Wege. Moderne, nicht Postmoderne. Moderne und Postmoderne. Jenseits des großen Schisma. Jenseits einer Querelle der Modernen und der Postmodernen. Digressionen, Exkursionen, Diskurse.
Dritte Annäherung:
Lesen, Übersetzen, Schreiben (41)
Annäherung über Sprache(n). Barthes übersetzen. Doppelter Weg und Leseparcours: ein Kinderspiel.
II Hauptstück
Erstes Kapitel:
Am Nullpunkt des Schreibens (51)
Ausgangspunkte des Schreibens, Ausgangspunkte des Lesens. Was aber ist die écriture? Schreiben und Engagement. Der Kryptograph und die Verschiebung der Begriffe. Der Spielraum des Schreibens. Die Figur des Schriftstellers. Die unmögliche Literatur. Jenseits von Lyrik und Schweigen. Das kommende Buch.
Zweites Kapitel:
Der Körper der Geschichte. (73)
Der Körper des Historikers. Im Vestibül der Literatur. Der Historiker und seine Geschichte. Der Historiker als Schriftsteller der Moderne. Eine thematische Kritik. Thematische Lektüre und dialogisches Schreiben. Fragmentarisches Schreiben, écriture courte. Text und Bild: Ikonotextualität.
Drittes Kapitel:
Der Semiologe und seine Mythen. (92)
Übersetzungspolitik als Seismograph? Die Ausweitung von Forschungsfeld und Forschungsmethoden. Der Schriftsteller hat (keine) Ferien. Die Mythen. Körper, Zeichen: Gesichtlichkeit. Der Mythos. Der Mythos als Sprachendiebstahl und der Diebstahl des Mythos. Die Mythen des Mythenkritikers.
Viertes Kapitel:
Kritische Versuche über die Moderne. (113)
Der Kritiker ist ein Schriftsteller. Ist der Kritiker ein Marxist? Der Kritiker und die Bühne. Brecht übersetzen. Theater und Körperlichkeit. Zwischen zwei Wellen. Nach dem letzten glücklichen Schriftsteller. Versuche über die Moderne. Massenkultur und Moderne. Massenkommunikation und Mode. Was ist die Kritik? Schriftsteller ist, wer es sein will.
Fünftes Kapitel:
Der Kritiker im Feld. (145)
Was ist ein Skandal? Warum Racine? Über Racine. Eine explosive Mischung. Marginalität und Innovation. Semiologie als Strategie? Ein integrierter Häretiker? Ein neues Epochenbewußtsein. Ein neues Mapping. Das leere Zentrum.
Sechstes Kapitel:
Bausteine der Semiologie, Elemente der Moderne. (170)
Der strukturalistische Mensch. Kleidung und Kultur. Die Sprache der Wissenschaft. Saussure auf den Kopf stellen. Die Sprache der Mode. Die Mode und der moderne Argonaut. Formen der Moderne. Wissenschaftler oder Schriftsteller? Schriftsteller und Wissenschaftler. In der Sinnküche. Transhistorisch und transkulturell. Die Rhetorik des Bildes. Das Bild der Rhetorik. Der ferne Spiegel und die Macht der Moderne.
Siebtes Kapitel:
Die andere Lektüre als Lektüre des Anderen. (208)
Auf der Suche nach der Wahrheit des Schreibens. Spiegelungen des Schriftstellers als Schreibender. Eine Literatur im vestibülären Zustand. Von Insel zu Insel. Marokkanische Zwischenfälle. Körper, Alterität: Körperlogik. Paradoxe Bewegungen. Der Blick zum Eiffelturm. Der Blick vom Eiffelturm. Jenseits von Kommentar und Illustration: der Ikonotext. Die Verweigerung des Erbes / Erben. Ein Reich der Zeichen und seine Gesichtlichkeit. Stadt, Text und leeres Zentrum. Eine Reise auf der Suche nach der Wahrheit des Schreibens.
Achtes Kapitel:
Friktionen der Lektüre. (243)
Von der Wissenschaft zur Literatur? Theorie eines Ensemble. Intertextualität und Abschied vom Subjekt. Der Tod des Autors als Geburt des Lesers. Der geborene Leser. Fiktion, Diktion: Friktion. Zwischen Metasprache und Objektsprache. Balzac das Wort abschneiden. Abschied von der Linguistik?
Neuntes Kapitel:
Der Historiker des Körpers. (279)
Körperlichkeit, Lesen und Schreiben. Grenztexte (in) der Moderne. Lector in fabula - der Dieb im Text. Vier Diskursuniversen. Akratisch / enkratisch: Barthes als Sprachenbegründer. Körper und Schreiben, Körper und Schrift. Kryptographische Variationen über die Schrift. Die friktionale Lust am Text. Nietzsche contra Texttheorie? Lustort Ohr: Diktion, Friktion, Phonotextualität. Ein neuer Textbegriff, eine neue Sensibilität.
Zehntes Kapitel:
Portrait des Schriftstellers als Künstler. (323)
Barthes und die Medien. Ein ordnender Blick zurück? Bilder von Barthes. Schreibtisch, Küche: Ort des Schreibens. Barthes im Bild. Zigarre und Poetik. Von der Schrift zum Widerhall. Echo und Stimme. Der Musiker und sein Körper. Fragmente des R.B. Destruktion, Dekonstruktion: Dekomposition, Transdisziplinarität. Spielraum, Wissen und Weisheit.
Elftes Kapitel:
Die Liebe und der Tod. (367)
Auf der Suche nach dem verlorenen Roman. Eine Liebe zur Sprache in Fragmenten. Figuren der Liebe. Jenseits des Schreibbaren. Der Amateur. Wege zur neuen Form, Abschied von der Moderne? Friktion und Knirschen: Bild und Text. Der dritte Sinn und die Körperlichkeit. Liebe, Mutter, Tod. Die Leere als Zentrum.
III Schluß
Ausklang:
Moderne und Postmoderne. (406)
Am Ende der Reise? Der Raum der Moderne. Der moderne Barthes, der postmoderne Barthes. Der moderne Diskurs und die Spirale. Der gemeinsame Raum von Moderne und Postmoderne. Auge und Ohr.
IV Anhang
Originalzitate (425)
Bibliographie (438)


