Prof. Dr. Ottmar Ette
Professur für französisch- und spanischsprachige Literatur
Personal Narrative
INTERVIEW
- Crossing Disciplinary Boundaries (470 KB, PDF)
An Interview with Ottmar Ette By Anja Becker and Robert Kelz (both Vanderbilt University).
[Extract]
Robert Kelz: Many view the humanities as being in a time of crisis, in decline. In your talks, in your books, you have indicated that there is an important role that the humanities have to play in contemporary intellectual discourse. This role seems connected to the idea of transdisciplinarity. Could you elaborate on this?Ottmar Ette: The humanities should be much more vocal in articulating their importance to our societies, not in an aggressive way, really, but in an optimistic way. The main problems we are facing in the 21st century are problems that deal with cultural dimensions. One of those urgent problems is how to live together in peace and in difference at the same time. We cannot find solutions to this problem in the natural sciences. The humanities today are not always well enough prepared to respond to this need. Sometimes, political crises, such as the Cuban Missile Crisis, prompted the creation of, say, Centers for Latin American Studies on large scale, a sort of response to the Cuban Revolution. Today, in Germany, and in other regions as well, Centers for Arabic studies and Centers for Islamic studies are a similar sort of response to the difficulties we face globally with respect to how people live together, live between different ideologies, between different religions, between different kinds of cultural constructions. It is a good thing to build up interdisciplinary centers for the study of Latin America, the Arab world, and other topics, but we have to re--think how we structure the knowledge that circulates within the humanities in terms of these difficulties, in terms of what I call «Zusammenlebenswissen», the knowledge of how to live together. More...
- „Romanistik ist ein Lebensstil“. Ein Interview mit Ottmar Ette
erschienen in den Potsdamer Neuesten Nachrichten (PNN), 14.09.2007.
[Auszug] Was lernt man in der romanischen Literaturwissenschaft?
Literatur ist aus meiner Sicht ein interaktiver Speicher von Lebenswissen. Das heißt, man lernt eine ganze Menge über Lebensformen und Lebenswissen in diesen Literaturen und Kulturen. Um es auf den Punkt zu bringen: Neben dem literaturwissenschaftlichen Handwerkszeug lernt man auch viel über Formen des Zusammenlebens und der Verbindung unterschiedlicher Lebensprozesse in einer globalisierten Gesellschaft. Ich bekomme also, wenn ich romanische Literaturen der Welt studiere, einen Überblick über unterschiedlichste Kulturen und kulturelle Ausdrucksformen. Das gibt es in keinem anderen Fach in einer solchen Breite. Mehr...
- Überlebenswissen. Ein Interview mit Ottmar Ette. (97 KB, PDF)
erschienen der blaue Reiter - Journal für Philosophie, Ausgabe 1/2006.
"Alexander von Humboldt ist eigentlich ein großer Übersetzer. Seine Übersetzungsleistung beruht auf der – wie er es selbst formuliert – Verbindung eines literarischen und eines rein wissenschaftlichen Zwecks. Das heißt, der Begriff des Wissens übersteigt den Bereich der „reinen“ Wissenschaft. Er schließt künstlerische, erzählerische, poetische, ja auch körperleibliche Wissens-, Ausdrucks- und Speicherformen mit ein. Wissen ist Lebenswissen – ein Wissen über Leben und ein Wissen im Leben. Gerade diese Übersetzungsleistung spielt eine entscheidende Rolle, zumal sie darauf gerichtet ist, das Wissen, das Humboldt zunächst durchaus lustvoll für sich erarbeitet, in die Gesellschaft zu bringen. Keine Verwissenschaftlichung der Gesellschaft, wohl aber eine Vergesellschaftung des Wissens ist sein Ziel." Mehr...
ESSAY
- Willkommen im Aufbruch. (100 KB, PDF)
erschienen im Jahrbuch 2004/2005 des Wissenschaftskollegs zu Berlin.
"Als ich ankam, stand ich vor einer Alternative: Wenige Monate zuvor war mein Band ÜberLebenswissen erschienen, und ich wusste noch nicht, an welcher der beiden möglichen Fortsetzungen ich arbeiten wollte. Wo beginnen? Zum einen wollte ich den Schnittstellen zwischen den Geistes- und den Naturwissenschaften nachgehen – und gibt es einen Ort, dachte ich zu Beginn, der dafür besser geeignet wäre als das Wissenschaftskolleg? Zum anderen interessierte ich mich zunehmend für das, was ich die Literaturen ohne festen Wohnsitz nenne. Nach wenigen Wochen am Kolleg stand die Entscheidung fest: Weit verlockender als eine aleatorische Konstellation verschiedenster Disziplinen, auf die ich mich jederzeit im Gespräch, in der Konversation bei Aperitif oder Espresso einlassen konnte, war für mich die Aussicht, aus einer Zwischenwelt, die irgendwo ante portas zwischen Berlin und Potsdam liegt, über ein Schreiben ohne festen Wohnsitz zu schreiben. Eine Proust’sche Alternative, gewiss: die zwischen conversation und écriture. Also? Die klare Entscheidung besaß auch hier etwas Befreiendes. Aber wer weiß schon von Beginn an, ob er sich für A la recherche du temps perdu oder für Du temps perdu à la recherche entschieden hat?" Mehr...

