uni-potsdam.de

Sie verwenden einen veralteten Browser mit Sicherheitsschwachstellen und können die Funktionen dieser Webseite nicht nutzen.

Hier erfahren Sie, wie einfach Sie Ihren Browser aktualisieren können.

Dr. Vanessa Kayling

Kurzvita/Werdegang

1993-2000:                Studium der Klassischen Philologie, Latein /Griechisch und der Philosophie in Marburg, Mainz  und Urbino (Italien)    

07/2000:                    Magisterabschluss. Übersetzung und Kommentar eines neulateinischen Barocktextes: Jacob Balde, De Vanitate Mundi (1639)

10/2000-03/2004:  Studium der Romanistik in Marburg: Französische u. Italienische Literaturwissenschaft.   

Oktober 2008:         Promotion: Die Rezeption und Modifikation des Platonischen Erosbegriffs in der französischen Literatur des 16. und 17. Jahrhunderts unter Berücksichtigung der antiken und italienischen Tradition.

2009- 2012:               Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Romanistik der RTWH Aachen, Durchführung von Lehrveranstaltungen in französischer und italienischer Literaturwissenschaft

Seit 2009:                  Mitglied der Aachener Übersetzerwerkstatt (s. Publikationen), Beginn der Recherchen für mein Habilitationsprojekt  

02/2011-07/2011:  Vertretungslehrerin für Französisch und Latein in Aachen

11/2011-07/2012:  Vertretungslehrerin für Französisch und Latein in Düsseldorf

2001-2011:               Regelmäßige Aufenthalte in Frankreich

10/2012-05/2014:  Studium des Lehramts für Gymnasien zum Erwerb der 1. Staatsprüfung in den Fächern Französisch und Latein in Köln

Mai 2014:                  Abschluss der 1. Staatsprüfung in Köln

09/2014-06/2015: Referendariat in Speyer

Seit 07/2015:          Fortsetzung der Habilitation: Vertextete Welt: Die Herausbildung volkssprachlicher Fachliteratur in Frankreich und Italien (16.-20. Jh).  

Forschungsschwerpunkte

  • Platonrezeption in der französischen Renaissance und im 17. Jahrhundert
  • Theorie und Stellenwert der Affekte in der Romanliteratur und der philosophischen Literatur des 17. Jahrhunderts
  • Französische Literatur des 18. Jahrhunderts (Aufklärung, französischer Materialismus)
  • Italienische Literatur der Renaissance: Florentiner Humanismus, Platonrezeption in der philosophischen Renaissanceliteratur (Marsilio Ficino), die Sprachdebatte (Questione della lingua)
  • Die Herausbildung neusprachlicher italienischer und französischer Fachprosa und Etablierung von Fachtermini in der Volkssprache

Vorträge

12/2011:                     Leonardo Olschkis Entwurf einer nuova filologia: Zur Entstehung volkssprachlicher wissenschaftlicher Literatur, Institut für Wissenschaftsgeschichte der TU Berlin.

10/2015:                     Barrierefreie Kommunikation in der Wissenschaft: Volkssprache versus Gelehrtensprache, Institut für Translationswissenschaft, Hildesheim.

 03/2016:                    Die Auffassung Etienne Bonnot de Condillacs bezüglich der Unsterblichkeit der Seele, Institut für Philosophie, Universität Trier.

Publikationen

2010:                             Die Rezeption und Modifikation des platonischen Erosbegriffs in der französischen Literatur des 16. und 17. Jahrhunderts unter Berücksichtigung der antiken und italienischen Tradition Bd. I, Romanistischer Verlag Jakob Hillen, Bonn.

2012:                             Die Rezeption und Modifikation des platonischen Erosbegriffs in der römischen Antike, in der Spätantike und im französischen Mittelalter unter Berücksichtigung der arabischen Tradition Bd. II, RV Hillen.

2011:                             Übersetzung des Romans von François Emmanuel (1998): La passion Savinsen  (mit Anne Begenat-Neuschäfer u.a.)

2017:                              Ausgewählte Beiträge zum Liebes-und Freundschaftsbegriff im 15., 16. und 17. Jahrhundert in Frankreich und Italien. Wolfgang Hillen, Bonn.

In Druck:                       Übersetzung des Romans von Stéphane Lambert (2009) Les couleurs de la nuit (mit Anne Begenat-Neuschäfer u.a.)

In Druck:  Übersetzung und Kommentar zu De Vanitate Mundi (1639) von Jacob Balde.

In Vorbereitung: Übersetzung und Kommentar zu Traité des animaux (1755) von Etienne Bonnot de Condillac.

Titel der Habilitationsarbeit: Vertextete Welt: Die Herausbildung volkssprachlicher Fachliteratur in Frankreich und Italien

Abstract

In meinem interdisziplinären Beitrag zur romanischen Philologie werden literatur-, sprach-und kulturwissenschaftliche sowie wissenschaftsgeschichtliche Aspekte behandelt. Gegenstand meiner Untersuchung sind nicht die Textgattungen, die üblicherweise in den romanischen Forschungen betrachtet werden, sondern es wird die in ihrem literarischen und sprachgeschichtlichen Wert bisher kaum berücksichtigte wissenschaftliche Fachprosa ab dem 16. Jahrhundert in den Blick genommen. Den Autoren der von mir untersuchten französischen und italienischen Fachtexte gelang es, bisher nicht erörterte Phänomene erstmalig in ihrer Muttersprache zu formulieren und eine zeitgemäße Fachsprache mit entsprechenden Termini zu etablieren. Das Aufblühen und die Verbreitung  neusprachlichen Fachschrifttums werden an Fallstudien exemplarischen Charakters untersucht.  Ich knüpfe an den bemerkenswerten Ansatz des italienisch-jüdischen Romanisten Leonardo Olschki an, der in seiner Geschichte der neusprachlichen wissenschaftlichen Literatur (1920-1927) Sachtexte speziell aus der italienischen Renaissance untersucht, deren Autoren sich bewusst von der lateinischen Gelehrtensprache und zugleich von der scholastischen Tradition und kirchlicher Bevormundung distanzierten. Olschki erweist die Hinwendung zur Volkssprache als entscheidende Voraussetzung zur Entfaltung neuzeitlicher Fachprosa. Galilei gilt ihm als erster moderner Wissenschaftler aufgrund seines exakten, empirischen und  experimentellen Vorgehens. Motiviert wurde die Emanzipation vom Lateinischen im Bereich der Fachliteratur durch das Faktum, dass sich mit der Erschließung neuer naturwissenschaftlicher Gebiete ein neuer Typus von Fachautoren entwickelte, die sich mit praxisbezogenen Texten an Fachleute oder auch an gebildete Laien wandten. Der interdisziplinäre Ansatz Olschkis, der bisher in seiner Relevanz nicht wahrgenommen  wurde, wird in der vorliegenden Arbeit weiterverfolgt. Die Entdeckung von wissenschaftlichem „Neuland“ geht, durchaus im Sinne Wilhelm von Humboldts, mit einer ständigen Vervollkommnung der Sprache sowie einer Erweiterung des geistigen Horizonts einher. Der Sprachschatz wird entsprechend den neu erschlossenen Wissenschaftsgebieten  bereichert sowie an die veränderte Weltbegreifung angepasst. Das tertium comparationis zwischen den von Ottmar Ette umfassend gewürdigten bahnbrechenden Forschungen des Alexander von Humboldt und den von mir untersuchten Autoren liegt außerdem in der empirisch-experimentellen Methode, in der Feldforschung und in der exakten Dokumentation der Ergebnisse. Anhand von Beispielen aus diversen Fachbereichen des 16.-20. Jahrhunderts, Medizin, Physik, Chemie, Philosophie, Psychiatrie und Biologie soll das Potential eines neuen Forschungsgebietes bewusst gemacht werden. Sie illustrieren die Vielfalt der im genannten Zeitraum entstandenen Fachliteratur.  Z. B. fand Bernardo Segni in seiner ersten italienischen Übersetzung der aristotelischen Ethik erfolgreich muttersprachliche Äquivalente für die griechischen Fachtermini. Ambroise Paré führte im 16. Jahrhundert erstaunliche Operationen mit selbst entwickelten Instrumenten durch und gilt als Vater der modernen Chirurgie. Er entspricht durchaus dem von Olschki gelobten  modernen  Wissenschaftler, der sich nicht auf überliefertes Buchwissen verlässt, sondern auf seine exakte Beobachtungsgabe und eigene empirische Erkenntnisse, die er, für alle Nachfolger und Interessenten verständlich, in seiner Muttersprache verschriftlichte. Antoine de Lavoisier prägte im 18.Jahrhundert entscheidend die moderne Chemie durch seine Analyse von Luft und Wasser, seine Fachterminologie und vor allem die systematische Benennung der Elemente (Nomenklatur), die noch heute gilt. Ein Exemplum der gelungenen Popularisierung naturwissenschaftlicher Fachliteratur stellt Francesco Algarottis  Neutonianismo per le Dame dar. Nicht zuletzt erweitere ich den Begriff der Lebenswissenschaft durch den Nachweis, dass sich nicht nur fiktionale Literatur, sondern auch Fachliteratur als Teil der Lebenswissenschaften betrachten lassen. Auch in den Werken der untersuchten Fachautoren zeigt sich die unmittelbare Beschäftigung mit dem Leben: Zweifellos manifestiert sich auch in (natur)wissenschaftlichen Schriften ein  kondensiertes, gespeichertes, aber sich im Zuge neuer Erkenntnisse stetig fortentwickelndes Lebenswissen (Ette).