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Nadine Zülow (*1985, Templin)

Seit Februar 2013 Doktorandin der Romanistik an der Universität Potsdam. Neben der Promotion ist sie seit Juni 2013 als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt „Campus der Generationen PLUS“ an der Universität Potsdam tätig.
Bis Januar 2013 Magisterstudium in den Fächern Germanistik (Literaturwissenschaft), Germanistische Linguistik und Spanische Philologie an der Universität Potsdam und der Universidade de Vigo.


Thema der Abschlussarbeit: Romanistik im Deutschland der Nachkriegszeit. „Neue Wissenschaftlichkeit“ in der Korrespondenz von Werner Krauss und Erich Auerbach

Kontakt: n.zuelow@googlemail.com

Dissertationsprojekt

ÜberLeben schreiben – Werner Krauss' Auseinandersetzung mit dem spanischen Moralisten Baltasar Gracián (Arbeitstitel)


Die Leistungen des Romanisten Werner Krauss (1900 – 1976) im Bereich der Aufklärungsforschung in der Deutschen Demokratischen Republik waren maßgeblich. Er bleibt aber auch im Gedächtnis seiner Schüler und Anhänger, weil er der einzige Romanist war, der sich aktiv am Widerstand gegen den Nationalsozialismus beteiligte. Im Januar 1943 wurde er deswegen zum Tode verurteilt. Der zunächst mit der Inhaftierung und einige Monate später mit der Urteilsverkündung plötzlich eintretende existenzielle Einbruch im Leben des Romanisten markiert interessanterweise den Beginn einer Schaffensphase, deren umfangreiche Untersuchung und Beurteilung noch aussteht. Krauss schrieb in der Zeit seines Gefängnisaufenthaltes (November 1942 bis März 1945) neben dem Roman PLN – Die Passionen der halykonischen Seelen, Briefen und Tagebuchnotizen auch eine wissenschaftliche Arbeit über den Moralisten Baltasar Gracián. Warum sich Krauss ausgerechnet ab 1943 – auf die Vollstreckung seines Todesurteils wartend – dem Jesuitenpater des ausgehenden Siglo de Oro zuwendet, kann nur vermutet werden. Bis zum Jahr 1942 ist seinerseits jedenfalls keine intensive Beschäftigung mit dem Spanier nachzuweisen. Welche Rolle übernimmt nun der Moralist, der als einer der Letzten des Goldenen Zeitalters das Ende des Humanismus prophezeite? 
Im Rahmen des Forschungsprojektes soll darüber hinaus die Frage nach dem Verhältnis der unterschiedlichen Textsorten zueinander gestellt werden. In meinem Herangehen verschränken sich also zwei Perspektiven: Die eine richtet sich ausgehend von den geschichtlichen Umständen, den allgemeingesellschaftlichen, fachgeschichtlich besonderen wie auch persönlichen auf das in dieser Konstellation entstandene Werk; die andere fragt ausgehend vom Werk zurück, wie es diese bestimmte zeitgeschichtliche Konstellation verarbeitet, welche besonderen Erkenntnischancen in Bezug auf das im Werk verarbeitete historische Material sich bieten und wie Krauss diese umsetzt und so zu neuen Erkenntnissen kommt – neu auch gerade in Bezug auf die im Fach selbst geltenden Maßstäbe. Die Differenzierung dieser sich daraus ergebenden Kontexte und Entstehungsbedingungen in Bezug auf die Hinterlassenschaft des Romanisten steht im Mittelpunkt meines Forschungsinteresses und soll den besonderen Fall der von Krauss betriebenen Wissenschaft und der dazugehörigen Schreibprozesse sichtbar machen. Es handelt sich demnach um eine Fachgeschichte, die als Beziehung einer Geschichte der Schreibformen zu einer Ereignisgeschichte geschrieben werden kann.