Medieninformation der Universität Potsdam

Nr.: 204/10 vom 30.07.2010

Kosmisches Verwechslungsspiel

Internationales Wissenschaftlerteam entwickelt verfeinerte Methode zur Klassifizierung von Sternen

Es gibt Sterne, die ihrer Natur nach völlig unterschiedlich sind und die den Astronomen trotzdem auf den ersten Blick identisch erscheinen. So waren bis vor Kurzem eine Klasse von alten, entwickelten B[e]-Riesensternen und eine Klasse von noch in Entstehung begriffenen Sternen, (so genannte Herbig-Sterne), beobachtungstechnisch kaum zu unterscheiden. Nun haben Astrophysiker die erste exakte Methode zur Unterscheidung alter Riesen von jungen „Herbigs“ entwickelt. In unserer Milchstraße waren die beiden Sternklassen vormals überhaupt nicht unterscheidbar.

Das liegt daran, dass sowohl die alten als auch die jungen Sterne von einer äquatorialen Scheibe aus Gas und Staub umgeben sind. Die jungen, sich bildenden Sterne nehmen Material über eine so genannte Akkretionsscheibe auf. Bei den älteren B[e]-Sternen wird dagegen der Sternwind in Form einer Scheibe abgeblasen. Beide Scheiben zeigen dieselben Beobachtungscharakteristika. Bisher trennte man die beiden Sternklassen grob anhand ihrer unterschiedlichen Helligkeit, bei etwa gleicher Entfernung in einer Nachbargalaxie, unter der Annahme, dass die Riesen heller erscheinen.

Ein internationales Team von Astrophysikern der Universität Potsdam, des Astrophysikalischen Instituts Potsdam (AIP), des tschechischen Ondrejov-Observatoriums und des Nationalen Observatoriums in Rio de Janeiro hat daher nach einem klareren Unterscheidungsmerkmal gesucht. Laut theoretischen Vorhersagen erwartet man, dass das Kohlenstoff-Isotop C13 als ein Nebenprodukt der Sternentwicklung in alten B[e]-Sternen deutlich angereichert ist, während junge „Herbig-Sterne“ diese Anreicherung nicht zeigen. Das Forscherteam konnte diesen Unterschied nun anhand von Beobachtungsdaten bestätigen.

Mit der neuen Methode ist erstmals eine scharfe Trennung der beiden Sternklassen möglich. In der Milchstraße, wo die Helligkeitsmethode wegen unbestimmter Entfernungen der Sterne nicht funktioniert, können Forscher nun zum ersten Mal die seltenen B[e]-Riesen identifizieren. Besonders spannende Resultate erhoffen die Astronomen sich von den nun möglichen Vergleichen der Sternpopulationen in der Milchstraße und in anderen Galaxien.

Hinweis an die Redaktionen:

Kontakt: Dr. Adriane Liermann, Institut für Physik und Astronomie der Universität Potsdam,
Telefon: 0228/52-5171, E-Mail: liermann@mpifr-bonn.mpg.de

Weitere Informationen im Internet: http://arxiv.org/abs/1007.1360

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