Professur für Politische Philosophie/Philosophische Anthropologie

Matthias Schloßberger (*1972)

Wissenschaftlicher Assistent am Institut für Philosophie

Koordinator für SOCRATES/ERASMUS-Programm

Kontakt:

Arbeitszimmer: Am Neuen Palais 10, Haus 11, Zimmer 2.15
Telefon: 0331/977-1333 (Büro) 030/37305698 (privat)
Telefax: 0331/977-1443
E-Mail: schloss@uni-potsdam.de

Akademischer Werdegang:

Okt. 1991-Febr. 1999 Studium der Philosophie im Hauptfach, der Soziologie und Publizistik in den Nebenfächern an der Freien Universität Berlin und an der Humboldt-Universität Berlin. Abschluss: M. A. Titel Der Abschlussarbeit: Probleme historischer Anthropologie.
1994 Besuch der Filmschule Kaskeline.
Mai 1999- Sept. 2001 Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für systematische Theologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Dort Mitarbeit an der Edition von: Ernst Troeltschs „Der Historismus und seine Probleme“ im Rahmen der Edition der Kritischen Gesamtausgabe Ernst Troeltschs.
Okt. 2001- Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Philosophie Potsdam, am Lehrstuhl für Politische Philosophie/Philosophische Anthropologie (Prof. Krüger).
Okt. 2001-Nov. 2004 Abschluss der Promotion: „Die Erfahrung des Anderen. Über die Formen menschlichen Miteinanders im Anschluß an Lipps, Dilthey, Husserl und Scheler“.
Seit April 2005
Generalsekretär der Helmuth-Plessner-Gesellschaft
Seit Dezember 2005 Feodor-Lynen-Stipendium der Alexander von Humboldtstiftung für eine Arbeit über Naturrecht bei Giambattista Vico (Rom, Universität TorVergata)
Seit 2006 Habilitationsprojekt: Anthropologie der Menschenrechte
Seit 2007 Redakteur des Internationalen Jahrbuchs für Philosophische Anthropologie

Forschungsinteressen:

Allgemein:
Phänomenologie, Philosophische Anthropologie, Geschichtsphilosophie, Lebensphilosophie, Ideengeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts, politische Philosophie
Konkret:

1. Philosophie der Gefühle:

In freiem Anschluss an die Phänomenologie Schelers und Husserls gilt es, die kognitive und welterschliessende Bedeutung von Gefühlen zu untersuchen. Eine erste Aufgabe besteht darin, die Äquivokationen unserer alltäglichen wie auch philosophischen Rede von Gefühlen aufzudecken: Oft werden bloße Empfindungen (z. B. „stechende Schmerzen“) als Gefühle ausgegeben. Die Empfindung für sich genommen ist aber weder ein Gefühl noch hat sie eine kognitive Funktion. Erst wenn eine Empfindung irgendwie „aufgefasst“ wird, z. B. wenn sie als „schmerzhaft“ erlebt wird, ist sie kognitiv bedeutsam; erst das „Auffassen“, z. B. das Erleiden oder Genießen sollte als „Fühlen“ bezeichnet werden. Die eigentlichen Gefühle, d. h. diejenigen Gefühle, bei denen Empfindung und intentionaler Gehalt wesenhaft zusammengehören – z. B. Trauer, Freude, Liebe und Hass – werden zwar von (Körper)-empfindungen begleitet, aber wesentlich ist vor allem ihr intentionaler Charakter (sie sind auf etwas gerichtet) und ihre Struktur (z. B. im Fall der Scham: ich schäme mich vor Anderen für etwas, von dem ich glaube, dass die Anderen glauben, ich hätte es getan).

2. Theorie der Intersubjektivität

Obgleich die Frage nach der Erfahrung des Anderen eine elementare Erfahrung beschreibt, ist sie in der Geschichte der Philosophie (trotz Hegel, Husserl und Mead) eher stiefmütterlich behandelt worden. Viele Philosophen wollen auch heute noch nicht anerkennen, dass es sich um eines der grundlegenden philosophischen Probleme überhaupt handelt. In der gegenwärtigen Diskussion dominieren zwei Theorien, die beide gleichermaßen ungeeignet sind, die Möglichkeit der Erfahrung des Anderen aufzuklären: Sowohl subjektphilosophische Ansätze in der Tradition  Descartes’ die bei der Erfahrung des Körpers des Anderen ansetzen, als auch alle sprachphilosophischen Ansätze geraten in einen Zirkel. Beide müssen voraussetzen, was sie doch eigentlich erklären wollen. Nur dann, wenn ich mit der Erfahrung eines anderen ich schon vertraut wäre, könnte die Wahrnehmung eines anderen Körpers, der meinem ähnlich sieht, ein anderes ich indizieren. Nur dann, wenn ich mit der Erfahrung eines anderen ich schon vertraut wäre, könnte ich das, was der Andere spricht, verstehen als von einem Anderen Gesprochenes. Die Probleme, in die sich beide Theorien verstricken, lassen sich nur vermeiden, wenn man mit der Idee bricht, die Erfahrung des Anderen aus vorhergehenden Erfahrungen ableiten zu wollen. Die Erfahrung des Anderen muss als unmittelbare Erfahrung gedacht werden, deren Vorgeschichte nur beschrieben, nicht aber rekonstruktiv beherrscht werden kann

3. Ideengeschichte und Begriffspolitik: Ideen von 1914, Konservative Revolution, Historismus

Seit kurzem wird wieder affirmativ ideengeschichtlich gearbeitet. Nachdem sich das Paradigma einer reinen Begriffsgeschichte – bzw. die unglückliche Allianz von Begriffgeschichte und Sozialgeschichte – als Ersatz für die Ideengeschichte als unbefriedigend erwiesen hat, vermengen sich begriffsgeschichtliche mit problemgeschichtlichen Fragen. Der alte Name Ideengeschichte erweist sich als treffendste Bezeichnung für das Zusammengehen verschiedener  Perspektiven, die sich wechselseitig ergänzen. So zeigt sich, dass Begriffsgeschichte in vielen Fällen als Begriffspolitik verstanden werden muss. Die philosophische, historische, soziologische und politikwissenschaftliche Beschäftigung mit den „Ideen von 1914“, mit dem „Historismus“ und der „Konservativen Revolution“ (um nur einige Beispiele zu nennen), muss auch als Kampf um den Begriff geschrieben werden, d. h. rein begriffsgeschichtliche und problemgeschichtliche Zugänge müssen um eine begriffspolitische Perspektive ergänzt werden.

4. Geschichtsphilosophie

Geschichtsphilosophie nennt sich bekanntlich nicht jede philosophische Beschäftigung mit Geschichte, sondern nur diejenige, die nach einem Sinn bzw. einem Ziel der Geschichte fragt. Bei Historikern wie Philosophen gilt Geschichtsphilosophie heute kaum noch etwas. Es bleibt jedoch die Frage, ob Geschichte geschrieben geschweige denn verstanden werden kann, ohne implizit geschichtsphilosophisch zu argumentieren. Wer Geschichte schreibt, braucht die Idee eines historischen Kontinuums, jede Linie, die gezogen wird, hat ein Anfang und ein vorläufiges Ende.

5. Philosophische Anthropologie

Philosophische Anthropologie ist der alte und neue Name für den Versuch, den Menschen als Menschen zu verstehen. Ihr Thema ist Aufklärung der menschlichen Situation. Sie will herausfinden, was den Menschen zu allen Zeiten als Menschen ausmacht, um zu begreifen, was die Geschichte aus dem Menschen in der Vergangenheit machen konnte und vielleicht in Zukunft machen könnte. Die Philosophische Anthropologie ist nicht auf eine Methode festgelegt. Sie fragt nach den Bedingungen der Möglichkeit menschlicher Existenz ohne einen Begriff des Menschen voranzustellen; sie arbeitet mit den Ergebnissen der empirischen Einzelwissenschaften ohne schon zu wissen, was oder wer der Mensch ist. Ihr Selbstverständnis ist phänomenologisch im ursprünglichen Sinn des Begriffs: es geht ihr darum, den Menschen zu verstehen als das, was er ist und nicht als das, was Diskurse aus ihm machen wollen.

6. Normativität und Anthropologie

Die Idee der Menschenrechte ist normativ. Die Frage ist nur: in welcher Weise ist sie normativ? Auch wenn unklar ist, in welchem Sinn der Begriff Recht in der Rede „die Menschenrechte“ verwendet wird: Es handelt sich um eine normative Idee, die der wechselseitigen Achtung, die sich Menschen entgegenbringen (sollen), Ausdruck verleiht. Um zu klären, in welcher Weise die Idee der Menschenrechte normativ ist, d. h. in welcher Weise hier von „Rechten“ die Rede ist, muss untersucht werden, welcher Natur das Wesen ist, dem hier universelle Rechte zugesprochen werden sollen. Es geht also um die Frage: Welche explizite oder implizite Anthropologie liegt der Idee der Menschenrechte zu Grunde? Die Richtung der Fragestellung sollte aber auch umgekehrt werden. Die Frage lautet dann: Was für normative Implikationen ergeben sich aus anthropologischen Theorien? Denn: Jede Anthropologie ist normativ – schon deshalb, weil jede Aussage über die menschliche Natur Möglichkeitsspielräume vorgibt.

Veröffentlichungen:

Monographien, Herausgegebenes, Editionen

  • Die Erfahrung des Anderen. Gefühle im menschlichen Miteinander, Berlin: Akademie 2005.
  • Internationales Jahrbuch für Philosophische Anthropologie, Band 1: Helmuth Plessners Sinnes- und Ausdrucksphilosophie, hg. von Bruno Accarino und Matthias Schloßberger, Berlin: Akademie 2008, S. 209-217.
  • Ernst Troeltsch: Der Historismus und seine Probleme (1922), hrsg. v. Friedrich Wilhelm Graf, in Zusammenarbeit mit Matthias Schloßberger, 2 Bände, Berlin, de Gruyter 2008.
  • Internationales Jahrbuch für Philosophische Anthropologie, Band 2: Philosophische Anthropologie im Aufbruch. Max Scheler und Helmuth Plessner im Vergleich, hg. von Ralf Becker, Joachim Fischer und Matthias Schloßberger, Berlin: Akademie Verlag 2010.
  • Einführung in die Geschichtsphilosophie, Berlin: Akademie Verlag 2012.

Aufsätze

  • Über Nietzsche und die philosophische Anthropologie, in: Jahrbuch der Nietzscheforschung Band 4, hg. von Renate Reschke und Volker Gerhardt, Akademie Verlag: Berlin 1998, S. 147-169.
  • Rezeptionsschwierigkeiten. Hans Peter Duerrs Kritik an Norbert Elias’ historischer Anthropologie, in: Leviathan. Zeitschrift für Sozialwissenschaft, 28. Jg., 2000, Heft 1, 109-121.
  • Philosophie der Scham, in: Deutsche Zeitschrift für Philosophie, 48. Jg., Heft 5, 2000, S. 807-829.
  • Ernst Jünger und die "Konservative Revolution". Überlegungen aus Anlass der Edition seiner politischen Schriften. In: Internationales Archiv für Sozialgeschichte der deutschen Literatur Online (IASL) (18.9.2002).
  • Das Mitgefühl als Gefühl, in: Vernunft und Gefühl, Schelers Phänomenologie des emotionalen Lebens, hg. von Christian Bermes, Wolfhart Henckmann und Heinz Leonardy, Würzburg 2003, S. 39-50.
  • Die Ordnung des menschlichen Gefühlslebens, in: H. P. Krüger, Gesa Lindemann (Hg.), Philosophische Anthropologie heute. Ein Streit über ihre Leistungsfähigkeit, Berlin: Akademie 2006, S. 254-273.
  • Ernst Troeltsch und Max Scheler. „Kultursynthese des Europäismus“ oder Weltalter des Ausgleichs, in: C. Bermes, H. Leonardy, W. Henckmann (Hg.), Solidarität, Person und Soziale Welt, Würzburg: Königshausen und Neumann 2006, S. 123-134.
  • La rivoluzione dell’eterno: Landsberg e la „rivoluzione conservatrice”, in: Da che parte dobbiamo stare. Il personalismo di Paul Ludwig Landsberg,  a cura di Michele Nicoletti, Silvano Zucal, Fabio Olivetti, Rubbettino: Soveria Manelli 2007, p. 91-103.
  • Editorial, in: Internationales Jahrbuch für Philosophische Anthropologie, Band 1: Helmuth Plessners Sinnes- und Ausdrucksphilosophie, hg. von Bruno Accarino und Matthias Schloßberger, Berlin: Akademie 2008, S. 209-217.
  • Von der grundlegenden Bedeutung des Ausdrucks für die Philosophische Anthropologie, in: Internationales Jahrbuch für Philosophische Anthropologie, Band 1: Helmuth Plessners Sinnes- und Ausdrucksphilosophie, hg. von Bruno Accarino und Matthias Schloßberger, Berlin: Akademie 2008, S. 209-217.
  • Editorischer Bericht (mit Friedrich Wilhelm Graf), in: Ernst Troeltsch: Der Historismus und seine Probleme (1922), hrsg. von Friedrich Wilhelm Graf, in Zusammenarbeit mit Matthias Schloßberger, Band 1, Berlin: de Gruyter 2008, S. 83-158.
  • Max Schelers Theorie der Gefühle, in: Daniel Morat und Uffa Jensen (Hg.): Rationalisierungen des Gefühls. Zum Verhältnis von Wissenschaft und Emotionen 1880-1930, München: Fink 2008, S. 119-132.
  • Editorial, in: Internationales Jahrbuch für Philosophische Anthropologie, Band 2: Philosophische Anthropologie im Aufbruch. Max Scheler und Helmuth Plessner im Vergleich, hg. von Ralf Becker, Joachim Fischer und Matthias Schloßberger, Berlin: Akademie 2010, S. 9-12.
  • Entfaltete Intersubjektivität. Gemeinsamkeiten und Unterschiede in Schelers und Plessners Sozialphilosophie, in: Internationales Jahrbuch für Philosophische Anthropologie, Band 2: Philosophische Anthropologie im Aufbruch. Max Scheler und Helmuth Plessner im Vergleich, hg. von Ralf Becker, Joachim Fischer und Matthias Schloßberger, Berlin: Akademie 2010, S. 161-173.
  • Il significato fondamentale della categoria dell’ espressione per l’antropologia filosofica, in: Espressività e Stile. La filosofia dei sensi e dell’ espressione in Helmuth Plessner, a cura di Bruno Accarino, Milano, Udine 2009, p. 231-242.
  • Diltheys ursprüngliche Einsicht. Verstehen ist Verstehen von Ausdruck, in: In Sprachspiele verstrickt – Oder wie man der Fliege den Ausweg aus dem Fliegenglas zeigt. Verflechtungen von Wissen und Können, hrsg. von Stefan Tolksdorf und Holm Tetens, Berlin 2010, S. 221-237.

Rezensionen, Stellungnahmen etc.

  • Mehr Differenzierungen! = Kritik zu dem Hauptartikel Hilge Landweers: Differenzierungen im Begriff der Scham, in: Ethik und Sozialwissenschaften, Heft 3, Jg. 12, 2001, S. 315f.
  • Ernst Nolte und die Philosophie = Kritik zu: Ernst Nolte, Die Frage nach der historischen Existenz - Zwischen Universalgeschichte und Geschichtsphilosophie, sowie: Antwort zu Ernst Noltes Replik, in: Erwägen. Wissen. Ethik, 2002, Heft 1, S. 122-124, S. 160f.
  • Laszivität des Gedankens, Prüderie der Tat [Rez. zu Hans Peter Duerr, Die Tatsachen des Lebens, Der Mythos vom Zivilisationsprozess, Band 5], in: Berliner Zeitung, Nr. 58, Montag, 10. März 2003.
  • Zurück zum Subjekt, [Rezension zu:] Elisabeth List, Grenzen der Verfügbarkeit, in: Deutsche Zeitschrift für Philosophie, 51. Jg., Heft 2, 2003, S. 333-335.
  • Briefe aus dem 20. Jahrhundert XXVIII, H. Falkenfeld an H. Rickert (1914), in: Süddeutsche Zeitung, Sa/So, 12./13. Juli 2003, Nr. 158, S. 17.
  • Transzendentale Wahrheiten. Der Historiker Michel Winock über das Jahrhundert der französischen Intellektuellen, in: Berliner Zeitung, Montag, 09. Februar 2004.
  • Hellmuth Falkenfeld an Heinrich Rickert (?) (1914), in: A. Bernard, U. Raulff, Briefe des 20. Jahrhunderts, Frankfurt am Main Suhrkamp 2005, S. 36-41.
  • Rezension zu: "Geschichte durch Geschichte überwinden". Ernst Troeltsch in Berlin, hg. v. Friedrich Wilhelm Graf, in: Mitteilungen der Ernst-Troeltsch-Gesellschaft, Band 19, München 2006, S. 88-98.
  • [Art.] Anthropologie, in: Nietzsche-Lexikon, hg. v. Christian Niemeyer, WBG: Darmstadt 2009, 24 f.
  • Philosophiegeschichte der Gefühle tut not [Rez. zu Catherine Newmark: Passion – Affekt – Gefühl. Philosophische Theorien der Emotionen zwischen Kant und Aristoteles, Hamburg 2008], in: Deutsche Zeitschrift für Philosophie 57 (2009) 5, S. 816-820.
  • Wissenschaft als Schicksal. Der Streit um Max Webers Polytheismus, in: Zeitschrift für Ideengeschichte, Heft IV / 1, Früjahr 2010, 112-115.
  • [Art.] Sympathie, in: Enzyklopädie Philosophie, hg. von Hans Jörg Sandkühler, 2. überarbeitete und erweiterte Aufl., Band 3, Hamburg 2010.
  • Art. Philosophische Anthropologie und Existenzialismus. Skeptische Philosophien des gelingenden Lebens, in: Handbuch des Glücks, hsrsg. Von Dieter Thomä, Olivia Mitscherlich und Christoph Henning, 2011, S. 272-277.

Tagungen

Seminare

Wintersemester 2010/11

Einführung in die Phänomenologie (BA PB4, PB5, PB6; BT, BM)
PS     Di      12.00-14.00       1.11.2.22

Behandelt werden die Ursprünge der „phänomenologische Bewegung“, d. h. zunächst Husserl, dann Scheler und Andere. Es wird darum gehen, bestimmte Grundideen der Phänomenologie herauszuarbeiten: v. a. die Theorie der Intentionalität des Bewusstseins und die phänomenologische Reduktion. Besondere Aufmerksamkeit soll den Gemeinsamkeiten und den Unterschieden der verschiedenen phänomenologischen Ansätze gewidmet werden. Thematisch geht es um Fragen der Erkenntnistheorie, der Intersubjektivität und der Philosophie der Gefühle

Literatur:

Husserl:

  1. Logische Untersuchungen, Zweiter Band, I. Teil, Über intentionale Erlebnisse und ihre Inhalte [1901], Hamburg 1982, S. 352-529.
  2. Die Idee der Phänomenologie (Husserliana II), Den Haag 1950.

Scheler:

  1. Phänomenologie und Erkenntnistheorie [1911/1912], in: ders., Ges. Schriften Band 10, Bonn 1957, S. 377-430.
  2. Idole der Selbsterkenntnis, in: ders., Vom Umsturz der Werte, Ges. Schriften Band 3, S. 215-292.

Zur Phänomenologie allgemein:

  1. Ludwig Landgrebe: Der Weg der Phänomenologie, Gütersloh 1963.
  2. Hans Rainer Sepp: Edmund Husserl und die phänomenologische Bewegung, Freiburg und München 1988.
  3. Herbert Spiegelberg: The Phenomenologigal Movement. A Historical Introduction, 2 vol., The Hague 1969
  4. Hermann Noack (Hrsg.): Husserl. Wege der Forschung (mit Beiträgen von E. Levinas, Oskar Becker, Paul Natorp, Walter Biemel), Darmstadt 1973.
  5. Klaus Held, Einleitung zu: Edmund Husserl: Die phänomenologische Methode. Ausgewählte Texte I & Phänomenologie der Lebenswelt. Ausgewählte Texte II, Stuttgart, Reclam 1985 (mit ausführlichen Literaturangaben).

Politische Philosophie der Gegenwart (BA PB9, VM; Mag. a, c)
S       Mi     14.00-16.00       1.11.2.22

Das Seminar versucht einen Überblick der gegenwärtigen Diskussionen zu geben.
Im Mittelpunkt stehen Theorie der Gerechtigkeit, Philosophie der Menschenrechte, Universalismus/Partikularismus und das Verhältnis dieser drei Aspekte. So soll es zum einen darum gehen, die interne Verknüpfung aber auch die Spannung zwischen der Idee der Gerechtigkeit und der Idee der Menschenrechte freizulegen. Zum anderen soll gefragt werden, wie sich Universalismus und Partikularismus zur Idee der Menschenrechte verhalten. Leitende Frage ist, ob sich die beschriebenen Spannungen auflösen lassen oder ob sie einer Spannung im Begriff bzw. in der Idee der Menschenrechte selbst geschuldet sind.

Literatur:

  1. Sybille Tönnies: Der westliche Universalismus. Die Denkwelt der Menschenrechte, Opladen 2001³.
  2. Christoph Menke/Arnd Pollmann: Philosophie der Menschenrechte zur Einführung, Frankfurt a. M. 2008.
  3. Charles Taylor: Multikulturalismus und die Politik der Anerkennung, Frankfurt a. Main 1992.
  4. Luciano Canfora: Die Freiheit exportieren. Vom Bankrott einer Ideologie, Köln 2008.
  5. Immanuel Wallerstein: Die Barbarei der anderen. Europäischer Universalismus, Berlin 2007.

Sommersemester 2010

PS Selbstverwirklichung (BA PB5, PB6)
Di 12.00-14.00, Raum 1.11.2.22

Die Frage, was der Sinn des Lebens ist, wird häufig so beantwortet: Der Sinn des Lebens besteht in der Selbstverwirklichung, d. h. in der Entfaltung der je eigenen Individualität. Im Seminar soll anhand klassischer Positionen geprüft werden, was Selbstverwirklichung bedeuten kann. Es werden Texte von Aristoteles, Luther, Rousseau, Nietzsche bis hin zu zeitgenössischen Autoren gelesen und diskutiert.

Dabei geht es insbesondere darum zu klären, ob es sich bei der Idee der Selbstverwirklichung um eine spezifisch moderne oder aber um eine zum Wesen des Menschen gehörende Aufgabe handelt.

Literatur:
Michael Theunissen: Selbstverwirklichung und Allgemeinheit. Zur Kritik des gegenwärtigen Bewußtseins, Berlin 1981.
Charles Taylor: Quellen des Selbst. Die Entstehung der neuzeitlichen Identität, Frankfurt am Main 1996.

S Sein und Sollen (BA PB6, PB9, PB10; MA PM3-4-1, PM3-4-2; Mag. a, b)
Mi     14.00-16.00, Raum 1.11.2.22

Auf der einen Seite gilt es als eine philosophische Binsenweisheit: Zwischen Sein und Sollen, Genesis und Geltung, deskriptiver und normativer Perspektive ist streng zu unterscheiden: Die Frage, wie etwas ist bzw. wie etwas geworden ist, muss unterschieden werden von der Frage, was gut ist, was richtig ist, was sein soll. Auf der anderen Seite ist mit guten Gründen gegen diese schroffe Unterscheidung von Sein und Sollen eingewandt worden, dass der Erkenntnis dessen, was sein soll, immer schon eine Erkenntnis dessen, was ist, eingeschrieben ist. Die Gegenüberstellung der beiden Positionen führt zu der Frage: Meint „Sollen“ eine Aufforderung, die in einer vorgängigen Überlegung der Vernunft gründet, oder muss eine intuitive bzw. nicht weiter zurückführbare Erkenntnis des Guten bzw. Richtigen angenommen werden. Mit anderen Worten: Ist das moralisch Gute bzw. Richtige universalisierbar, weil es gut bzw. richtig ist, oder ist das, was universalisierbar ist, gut bzw. richtig, weil es universalisierbar ist. Im Seminar werden klassische Positionen von Hume bis zur Gegenwart diskutiert.

Literatur:
David Hume: A Treatise of Human Nature.
G. E Moore: Principia ethica.
Max Scheler: Der Formalismus in der Ethik und die materiale Wertethik.

Wintersemester 2009/10

S Johann Gottfried Herder: Anthropologie und Geschichtsphilosophie (BA PB5, PB6, PB9; MA PM3-4-1; Mag. a, c)
Di 15.15-16.45, Raum 1.11.2.22

Herder ist einer der wenigen Autoren, der sich der Frage nach der Natur des Menschen (Anthropologie) und der Frage nach der Bestimmung des Menschen (Geschichtsphilosophie) gestellt hat, ohne die eine der anderen unterzuordnen.
Das Seminar versucht in einem werkgeschichtlichen Überblick den Problemen Herders nachzugehen. Zentrales Thema wird das Verhältnis anthropologischer Aussagen und die bei Herder entwickelte Idee der Humanität sein. Auch geht es darum zu zeigen, inwiefern die Tradition der Philosophischen Anthropologie an Herders Vorgaben anschließen konnte.

Literatur (einführend):
Johann Gottfried Herder: Abhandlung über den Ursprung der Sprache, Stuttgart 1993.
Ders.: Ideen zu einer Philosophie der Geschichte der Menschheit, Frankfurt a. Main 1989.

OS Einstiegsblockveranstaltung und Orientierungskurs Forschungsschwerpunkte (MA PM1a, PM1b)
Mi 13.15-14.45, Raum 1.11.2.22

Das Blockseminar steht am Anfang des Master-Studiums Philosophie. Es bietet Orientierungshilfe bei formalen und inhaltlichen Fragen des Studiums.
Es soll darum gehen, einen Überblick über die aktuellen Debatten in den philosophischen Grunddisziplinen Metaphysik, Erkenntnistheorie und praktischer Philosophie zu gewinnen. Dabei sollen die am Institut vertretenen Ansätze und Fragestellungen im Vordergrund stehen. In der ersten Semesterwoche findet eine 2-stündige Einführung statt, in den darauffolgenden 3 Wochen dann drei Blöcke von 11-17.00 Uhr.

Master-Orientierungskurs (MA PM1b):

Die Veranstaltung findet im Anschluss an das Blockseminar ab der 5. Semesterwoche wöchentlich statt. Die Lehrenden des Instituts stellen in je einer Sitzung ihre Forschungsschwerpunkte vor, damit die Studierenden am Beginn Ihres Masterstudiums einen Überblick über mögliche Studienschwerpunkte erhalten.

Sommersemester 2009

S Zur politischen Theorie Carl Schmitts (BA PB6, PB9; MA PM3-7-1, PM3-7-2, PM4; Mag. a, c)
Di 11.15-12.45 Uhr, Raum 1.11.2.22

Das Seminar geht von der Beobachtung aus, dass die politische Theorie Carl Schmitts in sehr unterschiedlichen Kontexten und mit sehr unterschiedlichen Argumenten verteidigt oder kritisiert wurde und wird. Bei den verschiedenen Autoren, die sich zumindest in Teilen zustimmend auf Schmitt beziehen, finden sich mitunter dem Anschein nach ganz gegensätzliche Begründungen.
Im Seminar soll der Frage nachgegangen werden, worin diese höchst unterschiedlichen Deutungsmöglichkeiten angelegt sind. In einem ersten Teil sollen grundlegende Theoreme der politischen Philosophie Schmitts durch genaue Lektüre ausgewählter Schriften herausgearbeitet werden, gedacht ist dabei u.a. an Politische Theorie und Romantik (1921), Der Begriff des Politischen (1927/1932) und Der Leviathan in der Staatslehre des Thomas Hobbes (1938). In einem zweiten Teil soll dann punktuell auf die Rezeptionsgeschichte eingegangen werden: Zum einen ist an die Arbeiten von Löwith und Strauß gedacht, zum anderen an Debatten der westdeutschen politischen Philosophie und Rechtsphilosophie nach 1945 (Forsthoff, Böckenförde, Lübbe). Damit soll auch die Frage gestellt werden, in welchem Maße zeitgenössische Positionen der politischen Philosophie, ob offen oder eher verdeckt, unter dem Einfluss Schmittscher Theoreme stehen.
Das Seminar soll allen offen stehen, die an dem Thema interessiert sind. Es kann deshalb als Pro- und als Hauptseminar belegt werden.

Literatur:
Schmitt, Carl: „Politische Theorie und Romantik“, in: Historische Zeitschrift Band 123, München und Berlin 1921, S. 377-397.
Schmitt, Carl: Der Begriff des Politischen. Text von 1932 mit einem Vorwort und drei Corollarien. Berlin: Duncker & Humblot 1963.
Schmitt, Carl: Der Leviathan in der Staatslehre des Thomas Hobbes. Sinn und Fehlschlag eines politischen Symbols (1938), hrsg. von G. Maschke, Köln: Hohenheim-Verlag 1982.
Löwith, Karl: „Der okkasionelle Dezisionismus von C. Schmitt“ (1935), in: ders., Ges. Abhandlungen: Zur Kritik der geschichtlichen Existenz, Stuttgart 1960, S. 93-126.
Strauss, Leo: „Anmerkungen zu: Carl Schmitt, Der Begriff des Politischen“, in: Archiv für Sozialwissenschaft und Sozialpolitik Band 67 (1932), S. 732-49.
Böckenförde, Ernst-Wolfgang: „Die Entstehung des Staates als Vorgang der Säkularisation“ (1967), in: ders.,
Lübbe, Hermann: „Carl Schmitt liberal rezipiert”, in: Quaritsch, Helmut (Hrsg.), Complexio Oppositorum. Über Carl Schmitt. Berlin: Duncker & Humblot 1988, S. 427-440.

V Einführung in die philosophische Anthropologie (BA PB6; Mag. A)
Do 13.15-14.45 Uhr, Raum 1.11.2.22

In der Vorlesung werden die klassischen Autoren der Philosophischen Anthropologie vorgestellt: v. a. Max Scheler und Helmuth Plessner. In systematischer Auseinandersetzung mit ihren wichtigsten Arbeiten soll die Attraktivität des Versuches herausgearbeitet werden, den Menschen nicht nur als animal rationale, sondern auch als Lebewesen zu verstehen.
Insbesondere geht es darum zu zeigen, wie von einem philosophischen Standpunkt aus die Ergebnisse der Einzelwissenschaften ernst genommen und miteinander ins Gespräch gebracht werden können.
Zentrale Fragen werden sein:
Auf welche Weise ist der Mensch ein soziales Wesen?
Gibt es eine allen Menschen gemeinsame Natur des Menschen?
Welche Rolle spielen Gefühle im menschlichen Zusammenleben?
Was hat sich in der Geschichte der Menschheit am menschlichen Zusammenleben geändert und was ist gleich geblieben?
Was für ein Verhältnis haben Menschen zu ihrem Körper?

Literatur:
Max Scheler: Die Stellung des Menschen im Kosmos, Darmstadt 1928.
Helmuth Plessner: Die Stufen des Organischen und der Mensch, Berlin, Leipzig 1928.
Hans-Peter Krüger/Gesa Lindemann (HG.): Philosophische Anthropologie im 21. Jahrhundert, Berlin 2006.

PS Einführung in die philosophische Anthropologie (BA PB6; Mag. A)
Do 15.15-16.45 Uhr, Raum 1.11.2.22 

Die Übung begleitet die Vorlesung. Es werden in der Vorlesung behandelte Texte gemeinsam gelesen und diskutiert. Die Übung richtet sich v. a. an Studienanfänger.

Literatur:
s. o.

Wintersemester 2008/09

HS Lebensphilosophie. Dilthey – Nietzsche – Bergson (BA PB7, PB9, PB10; Mag. a, c)
Mi 11.15-12.45 Uhr, Raum 1.11.2.22

Die Grundthese der sogenannten Lebensphilosophie lautet, dass mit den Begriffen einer mechanistischen Naturwissenschaft nicht verstanden wer­den kann, was Leben ist. Im Seminar sollen Nietzsche, Dilthey und Berg­son in systematischer Absicht befragt werden: Es soll zum einen darum gehen, wie sich Lebendiges von Nichtlebendigem unterscheidet (ontologische Perspektive), zum anderen darum, wie wir in der Wahrnehmung Lebendiges von Nichtlebendigem unterscheiden (erkenntnistheoretische Perspektive).

Literatur:
Henri Bergson: Schöpferiche Entwicklung
Wilhelm Dilthey: Einleitung in die Philosophie des Lebens (Ges. Werke, Band 5)
Friedrich Nietzsche: Nachgelassene Fragmente

 

HS Forschungsschwerpunkte des Instituts für Philosophie (BLOCKSEMINAR) (MA PM1a; Mag. a, b, c)
Mi 13.15-16.45 Uhr, Raum 1.11.2.22

Das Blockseminar steht am Anfang des Master-Studiums Philosophie. Es bietet Orientierungshilfe bei formalen und v. a. inhaltlichen Fragen des Studiums.
Es soll darum gehen, einen Überblick über die gegenwärtigen Debatten in den philosophischen Grunddisziplinen Metaphysik, Erkenntnistheorie und praktischer Philosophie zu gewinnen. Die Auswahl der Autoren bzw. De­batten wird in der ersten Sitzung gemeinsam bestimmt.
Das Seminar ist auch für Magisterstudenten geeignet, die unmittelbar vor Abschluß ihrer Magisterarbeit stehen.

Sommersemester 2008:

PS Einführung in die Geschichtsphilosophie (BA PB6; Mag. A)
Mi 13.15-14.45 Uhr, Raum 1.11.1.25

Geschichtsphilosophie nennt sich nicht jede philosophische Theorie der Geschichte, sondern nur diejenige, die nach einem Sinn bzw. nach einem Ziel der Geschichte fragt. Das Seminar versucht die Entwicklung geschichtsphilosophischen Denkens von den Anfängen bis in die Gegenwart zu rekonstruieren. Es werden u. a. Vico, Hegel, Marx, Nietzsche und Troeltsch behandelt.
Literatur:
Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Geschichte.

HS Phänomenologie und Anthropologie (BA PB9; Mag. a, c)
Do 15.15-16.45 Uhr, Raum 1.11.2.22

Für den Begründer der Phänomenologie war klar: Phänomenologie muss transzendental sein, d. h. sie steht in scharfem Gegensatz zu allem Philosophieren, das vom Menschen ausgeht. Kaum einer der bedeutenden Phänomenologen hat sich dieser Meinung Husserls angeschlossen. Das Seminar versucht, die Gründe dieser Weigerung freizulegen und das Verhältnis von Anthropologie und Phänomenologie neu zu bestimmen. Gelesen werden Arbeiten von Husserl, Scheler, Merleau-Ponty, Levinas, Blumenberg u. a.
Literatur:
Husserl, Phänomenologie und Anthropologie (1931), in: Philosophy and Phenomenological Research, II (1941), S. 1-14.

Kontakt

Universität Potsdam
Philosophische Fakultät
Institut für Philosophie
Sekretariat: Y. Wilhelm
Am Neuen Palais 10, Haus 11,
14469 Potsdam

Tel: 0331/977-1331
Fax: 0331/977-1443
E-Mail: wilhelm@uni-potsdam.de