Untermalt von elektronischen Ton- und Klangschlieren irrlichtet er durch ein Teatrum Diabolorum zwischen Jahrmarktsbude, Laterna Magica und Puppenbühne: "FAUST"! Die sehr undeutsche Klassiker-Version der Petersburger Gruppe AXE mischt diverse Faust-Motive von Thomas Mann bis Bulgakow zu einem alle Sinne täuschenden Theatergebräu und vereint wichtige Themen von UNIDRAM 2007, dem 14. Festival für internationales Theater in Europa, dass vom 27. Oktober bis zum 3. November im T-Werk in der Schiffbauergasse stattfindet.

Metamorphosen, (Des)Illusionen, das Spiel mit Identitäten - es sind die ureigensten Themen des Theaters selbst, die das diesjährige Festival exemplarisch an historischen, politischen, sozialen sowie ästhetischen Phänomenen vorführt und dabei um die Frage kreist, ob man seinen Augen und Ohren wirklich noch trauen kann?
Stark sind dabei wie gewohnt die Kontraste: Die beiden finnischen Nouveau Cirque-Akteure Ville Walo & Kalle Hakkarainen am Anfang und "Agora" aus Belgien am Ende markieren beispielsweise extreme Pole. Werdenm in "Keskusteluja" mittels neuester digitaler Medientechnik sowie circensischer Elemente Tanz- und Objekttheater auf verblüffende Weise miteinander kombiniert und die Totalität unserer Kommunikationswelten ironisch hinterfragt, sind "Die Kreuzritter" ein erschütternder Kommentar zu den Kriegskatastrophen und Ideologien der Gegenwart. Auch Sarah Kanes letztes Stück "4.48 Psychose", von der Wahlhamburgerin Chang Nai Wen inszeniert, bei dem sich der Zuschauer frei umherlaufend bewegen können, könnte kaum gegensätzlicher sein etwa zum "Lear" des "Figurentheaters Wilde & Vogel" oder zum märchenhaften Stück "A Tale of the lonely man" des aus Israel kommenden Ofar Amram, zumindest formal. Was alle Arbeiten jedoch inhaltlich eint, sind Störungen und Krisenmomente des Selbstbildes, der Wahrnehmung, des Bewusstseins insgesamt.
Zwischenwelten und Grenzverschiebungen in konzentrierter Form zeigt auch wieder die "Lange Nacht der Experimente" am 30. Oktober. Das "Festival im Festival" präsentiert an einem Abend insgesamt neun Aufführungen und chargiert dabei zwischen Tanz, Theater und Performance. Besagte finnische Akteure sind mit einer weiteren Vorstellung zu sehen, die den Höhepunkt der "Langen Nacht" bildet.
Das Rahmenprogramm präsentiert theatralisch Anverwandt-Abseitiges und gewährt beispielsweise Einblicke in die Geheimnisse des Geräuschemachens. Workshops und Publikumsgespräche im Anschluss an die Abendvorstellungen sowie ein brennender Holzskulpturenpark, errichtet vom Begründer des Lügenmuseums in Kyritz, Reinhard Zabka alias Richard von Gigantikow, am Ende des Festivals komplettieren das Programm mit 15 Gruppen aus acht Ländern.
Weitere Informationen zum Programm und den UNIDRAM-Workshops unter www.unidram.de.