Bunte Luftballons und Schilder wiesen am 28. September den Weg zu den Hörsälen am Uni-Standort Golm. Nun schon zum vierten Male fand an diesem Tage Potsdams Kinderuniversität statt. Gekommen waren mehr als 2300 Schülerinnen und Schüler aus insgesamt 35 Schulen in Potsdam und Potsdam-Mittelmark. Begrüßt wurden sie von Uni-Präsidentin Prof. Dr.-Ing. Dr. Sabine Kunst, die ihre jungen Gäste herzlich willkommen hieß. "Wir wollen euch zeigen, dass Studieren Spaß machen kann", sagte sie und versicherte, die Dozenten seien mindestens so aufgeregt wie die Kids selbst.

Auf dem Programm standen 13 Vorlesungen, die Professorinnen und Professoren bestritten. Sie beantworteten dabei zahlreiche Fragen, etwa warum die Saurier ausstarben, warum sich die Kontinente ausgerechnet an dieser und keiner anderen Stelle befinden, wie und wo Steine entstehen oder welche Rechte Kinder haben. Es gab chemischen Spaß am laufenden Band genauso wie eine Reise durch die wundersame Welt der Mathematik und vieles mehr. In einem der Hörsäle warteten beispielsweise Physik-Professor Reimund Gerhard und Musikpädagogin Christine Ludwig auf ihr nicht alltägliches Publikum. Sie erklärten, was es mit den Tönen aus der Sicht einer Musikerin und eines Physikers auf sich hat. Ein Thema, das offensichtlich interessierte, denn im Raum blieb kaum ein Sitzplatz leer. Mitgebracht hatten die beiden sogar die eigenen Querflöten und ein Keybord, mit denen sie das theoretisch Vermittelte sogleich plastisch untermalten. Gerhard und Ludwig erklärten, wie Geräusche und Töne physikalisch erzeugt werden, wie sie vom Musikinstrument in die Luft kommen, beim Hörer eintreffen und wie sie empfunden werden. Sie durchschritten quasi die vielen Schritte, die nötig sind, bis Musik gehört werden kann. Dabei machten die beiden durchaus verständlich, dass zunächst jeder Gegenstand Schall oder Geräusche abgeben kann. Aber nicht jedes dieser Geräusche sei schön. Dazu bedürfe es der Musikinstrumente, die Klänge auf ganz unterschiedliche Weise erzeugen könnten: durch Zupfen, Blasen, Streichen oder Schlagen. Wie zum Beweis präsentierte das Duo für jede einzelne der Varianten einfache, selbst gebaute Modellkörper, die dies vor Augen führten.

Mehr noch. Die Kinder lernten, dass ein Ton, physikalisch gesehen, aus Schwingungen besteht. Die würden als Schallwellen in ihren Ohren landen, dort in biologische Signale umgewandelt, ins Gehirn weitergeleitet und erst dort als Töne erkannt. "Ich hoffe, die Schüler haben diese Schritte bis zum Hören von Musik verstanden und gehen nun mit einer neuen Sicht auf die Dinge nach Hause", sagte Reimund Gerhard im Nachhinein. Ihm selbst habe es Spaß gemacht, die Vorlesung zu halten: Ganz ohne die ansonsten in der Physik übliche mathematische Darstellungsweise und ohne Vorkenntnisse voraussetzen zu können. "Die Kinder waren interessiert und offen", stellte der Dozent fest. Das Angebot der Kinder-Uni halte er unter anderem deshalb für attraktiv, weil hier in einem frühen Alter schon Interessen geweckt und möglicherweise auf persönliche Entwicklungen Einfluss genommen werden könne.
Toll fanden diesen Tag offensichtlich auch die Schüler der Klasse 4b aus der Grundschule Caputh und ihre Lehrerin, die zuvor gemeinsam den Ausführungen gefolgt waren. "Wir wollten eigentlich in die Chemie-Vorlesung", verriet am Ende Klassenlehrerin Kathrin Polzin. "Die war jedoch ausgebucht und man bot uns diese Alternative. Dass wir sie angenommen haben, war eine gute Entscheidung." Das fanden auch Josefine und Jennifer, die sich vom Universitätsbetrieb begeistert zeigten. Ob sie später studieren wollen, wissen sie allerdings heute noch nicht.
Lehrerin und Schüler haben sich jedoch schon jetzt fest vorgenommen wiederzukommen. Das Team des Referates für Presse-, Öffentlichkeits- und Kulturarbeit plant, auch 2008 eine Kinderuniversität durchzuführen.