Auch im Wintersemester 2007/2008 wird es wieder Hochschulgottesdienste geben. Sie finden in den Monaten November bis Februar an jedem ersten Sonntag um 18.00 Uhr in der Potsdamer Friedenskirche statt. Übergreifendes Thema ist diesmal "Geist". Mit Blick auf das "Jahr der Geisteswissenschaften" soll Geist in Bezug gesetzt werden zu Geld, Körper, Gehirn und Gesellschaft. Angefangen hatte alles im Sommersemester 2007.
Damals fanden erstmalig unter dem Thema "Anfänge" Ökomenische Hochschulgottesdienste in der Friedenskirche am Park Sanssouci statt. Einige Studierende, drei Hochschullehrer und die Seelsorger der Evangelischen und Katholischen Studentengemeinde hatten die Initiative und Organisation übernommen. Dreimal an einem ersten Sonntag in den Monaten Mai, Juni und Juli läuteten die Glocken zu einem "Treffpunkt für Studierende, Lehrende und alle Menschen in unserer Stadt", so war auf einem Plakat zu lesen. Und auch das: "Hochschulen sind Orte der Lehre und Forschung. Ihre verschiedenen Wissenschaften berühren immer wieder grundlegende Fragen des Lebens und der Religion." Dass eine Antwortsuche "nachdenkend und betend" erfolgen kann, haben die drei Hochschulgottesdienste gezeigt.
Für die Predigten hatten sich Hochschullehrer bereit gefunden. Denn es war eine Option der Veranstalter, dass die Verkündigung durchaus das Spannungsfeld von Wissenschaft und biblischer Erzähltradition im Blick hat. Der Jurist, Prof. Dr. Eckart Klein, erörterte das Thema "Anfänge - Neues Volk" sehr anschaulich angesichts von staatsrechtlichen und biblischen Impulsen. Der Astrophysiker, Prof. Dr. Wolf-Rainer Hamann, gab den Besuchern des Hochschulgottesdienstes Anteil an dem, was die Astrophysiker beim Verstehen der kosmischen Konstruktion der Wirklichkeit aktuell beschäftigt. Dass dabei die Weltschöpfungsdichtung der Bibel respektvoll Erörterung fand, hat die Zuhörer offensichtlich sehr berührt und angeregt. Zum Thema "Anfänge - Neue Stadt" gelang Dr. Susanne Talabardon, Privatdozentin am Institut für Religionswissenschaft der Uni Potsdam, eine sehr besondere Erzählpredigt. Sie schaffte, was eine gute Erzählung ausmacht: Sie kann Vergangenheit und Gegenwart überbrücken und den Horizont der Zukunft über die enge Stirn hinaus weiten. Die Bilder entstehen in der Phantasie der Zuhörer. Es mag für die unterschiedlichen Menschen in einer Hochschulstadt wie Potsdam recht verschiedene Möglichkeiten geben, sich den grundlegenden Fragen des Lebens zu nähern. Eine ganz besondere Weise, Hören und Sehen zurückzugewinnen, entsteht eben durch kreatives Erzählen. Da sitzt jemand in dem stillen Raum einer Kirche. Und tritt gleichzeitig ein in einen Raum, weit weg an Kilometern und Jahren. Und ist doch dabei, wird angesprochen und ist gefragt. Ein "Seher" redet diesem Menschen zu. Anfang Juli 2007 war es die Stimme einer Dozentin, die sich gut auskennt in alter Zeit und in neuen Möglichkeiten. In der Phantasie wird die Stadt neu und anders, weil sich in der Erzählung die Redenden achtsam begegnen und nicht als Konkurrenten aneinander vorbeijagen.
Zu den Hochschulgottesdiensten im Wintersemester 2007/08 sind alle herzlich eingeladen. Im Anschluss gibt es Brot, Wein und Käse in den Arkaden.