Neu am Historischen Institut der Universität Potsdam ist der Masterstudiengang "Military Studies". Das nach Ansicht seiner Initiatoren im deutschen Sprachraum einzigartige Studienangebot hat nicht nur viel positives Interesse ausgelöst, sondern bei seiner Einführung auch Kritiker auf den Plan gerufen.
Bei den "Military Studies" handelt es sich um einen stark forschungsorientierten Studiengang, in dem sich qualifizierte Studierende im Laufe von vier Semestern mit Themen wie Militär, Krieg und organisierte Gewalt beschäftigen können und dabei sowohl in die aktuelle Forschung wie in mögliche Berufsfelder eingeführt werden.
Insgesamt vier Institutionen sind verantwortlich für die fachliche Ausbildung: die Universität Potsdam mit ihren Professuren für Allgemeine Soziologie und für Militärgeschichte, das Sozialwissenschaftliche Institut der Bundeswehr und das Militärgeschichtliche Forschungsamt der Bundeswehr. Genau diese Kooperation ist es, die Kritiker nun monieren.
So machte die Potsdamer Kampagne gegen Wehrpflicht am 12. Oktober, dem Tag der Eröffnung des Fachs, mit einem Protest vor Ort ihrem Ärger Luft. Die Gruppe, so wurde deutlich, befürchtet, dass die beiden in Potsdam und Strausberg ansässigen Institutionen der Armee zu viel Einfluss auf die Lehrinhalte haben könnten und damit freie und kritische Wissenschaft nicht möglich sei. Dass im Studium eine, wie angekündigt, durchaus kritische Analyse der Rolle des Militärs in der Gesellschaft erfolgt, bezweifeln die Antimilitaristen stark. Bernhard R. Kroener, Professor für Militärgeschichte und Dekan der Philosophischen Fakultät der Uni hält die Ängste für unbegründet.
Gegenüber Portal sagte er: "Der Masterstudiengang ‚Military Studies' ist auf der Grundlage der bereits seit vielen Jahren, nicht zuletzt von Mitarbeitern der beiden beteiligten Forschungsinstitute der Bundeswehr, angebotenen Lehrveranstaltungen entwickelt worden. Sie haben bei den Studierenden großen Zuspruch gefunden, so dass die Zielrichtung des Protestes nicht nachvollzogen werden kann. In jedem Fall ist die Form, in der er vorgetragen wurde, mit den Prinzipien eines offenen und kritischen Diskurses, wie er an dieser Hochschule selbstverständlich sein sollte, nicht zu vereinbaren."