Die so genannten Kleinen Fächer hatten es schon immer nicht ganz leicht. Sparzwang und die Modularisierung der Studiengänge setzen ihnen nun noch stärker zu. Ein Grundproblem dabei ist, dass niemand genau weiß, was es an welcher Hochschule überhaupt (noch) gibt. Es gibt keine Auskunftsstelle für die Fächervielfalt. Ein vom Bundesforschungsministerium gefördertes Projekt an der Universität Potsdam will nun für Abhilfe sorgen. Die Ergebnisse sollen die Arbeitsgrundlage für eine von vielen geforderte bundesweite Koordinationsstelle für die Kleinen Fächer sein.

Unter den Studienfächern schein es noch zu gelten - das Gesetz des Stärkeren: Kleine Fächer sind besonders oft von Kürzungen betroffen, denn es liegt in der Natur der Sache, dass sich hier nur wenige Dozenten und Studenten dagegen zur Wehr setzen. Gern genutzt wird die Gunst der Stunde, wenn der einzige Lehrstuhlinhaber emeritiert. Dann wird die Professur nicht selten umgewidmet zugunsten eines im Trend liegenden Fachs und das so genannte Orchideenfach stirbt sang und klanglos. "Allein in der Slavistik sind in den letzten zehn Jahren fast 30 Prozent der Professuren gestrichen worden", berichtet Prof. Dr. Norbert Franz, Direktor des Instituts für Slavistik. Durch die Umstellung auf Bachelor und Master geraten die Kleinen Fächer nun bundesweit noch mehr unter Druck. Nach den bisherigen Erfahrungen sind mindestens zwei bis drei Professuren in einem Fach nötig, um allein die Bachelor-Ausbildung zu ermöglichen. Für ein Studium im Nebenfach war dagegen bisher oft auch eine einzige Professur ausreichend. So verkommen die Kleinen Fächer zunehmend zum Modullieferanten für andere Fächer, und gleichzeitig können sie ihren wissenschaftlichen Nachwuchs nicht mehr heranziehen. Der Föderalismus macht das Problem noch komplizierter. Jedes Bundesland kocht hochschulpolitisch sein eigenes Süppchen und keiner hat das Große Ganze im Blick. Diesem fehlenden Überblick könnten dann Studienfächer zum Opfer fallen, die ohnehin nur noch an ganz wenigen Universitäten vertreten sind. Inzwischen sind verschiedene Gremien auf das Problem aufmerksam geworden und auch in den Medien wird es zunehmend thematisiert. Der Philosophische Fakultätentag hat sich in einer Arbeitsgruppe unter Leitung von Norbert Franz des Problems angenommen. Parallel dazu tagte auch eine Arbeitsgruppe der Hochschulrektorenkonferenz. Als ein Grundproblem kristallisierte sich heraus, dass es bundesweit keine Stelle gibt, die einen Überblick über die vorhandenen Lehrstühle an deutschen Hochschulen hat.

Deshalb beantragten beide Arbeitsgruppen gemeinsam beim Bundesforschungsministerium die Finanzierung eines Projekts zur "Kartierung der kleinen Fächer in Deutschland". Seit Juli arbeiten nun Dr. Oliver Stein und Dr. Cornelia Soldat an der Universität Potsdam an diesem bundesweit einmaligen Projekt. Zwei wesentliche Fragen wollen sie beantworten: Wo sind welche Fächer mit wie vielen Professuren vertreten, und wie gehen die Kleinen Fächer mit den Herausforderungen der Studienreform um? Zudem vergleichen sie die aktuelle Situation mit der vor zehn, 20 und 40 Jahren. Im November werden sie ihre Untersuchungen abschließen und die Erkenntnisse der Bundesforschungsministerin, Dr. Annette Schavan, präsentieren. Norbert Franz und seine Mitstreiter hoffen, dass eine zentrale Servicestelle eingerichtet wird, die den Ministerien und Hochschulen Auskunft darüber gibt, wo welche Fächer präsent sind und diese möglichst auch einem Gremium zuarbeitet, das konkrete Empfehlungen für die einzelnen Fächer und Bundesländer ausspricht. Auch an der Universität Potsdam muss man sich zu dem Problem der Kleinen Fächer positionieren. "In der Philosophischen Fakultät haben wir uns vor einigen Jahren für den Erhalt der Kleinen Fächer und damit die Fächervielfalt entschieden", sagt der ehemalige Dekan. Nur das garantiere ein lebendiges interdisziplinäres Gespräch. Wer sich nur auf sein Fach konzentriere, könne als Wissenschaftler nicht wirklich gut sein - und das gelte nicht nur für Geisteswissenschaftler, so Franz. Das habe schon der Physiker Lichtenberg gewusst. Zudem erhöhe die Vielfalt der Kombinationsmöglichkeiten die Attraktivität der Universität für Studierende. Und gerade die Absolventen der Kleinen Fächer seien es, die in der Regel keine Probleme hätten, einen Arbeitsplatz zu finden, weiß der Slavist.
Arbeitsstelle im Internet: www.uni-potsdam.de/u/slavistik/kleinefaecher/index.html
Veranstaltungshinweis: Am 14. und 15. November 2007 findet ein Kongress zum Thema, veranstaltet von der Initiative "Pro Geisteswissenschaft" statt.
Weitere Informationen dazu sind unter www.volkswagenstiftung.de/service/termine/article/196/k-wie-klein.html zu finden.