Erklärtes Ziel der Universität Potsdam ist es, sich in der Wissenschafts- und Forschungslandschaft der Bundesrepublik weiter mit herausragenden Leistungen zu etablieren. Weil Forschungsaufgaben heute aber immer seltener im Alleingang einer einzigen Einrichtung zu lösen sind, spielt die Vernetzung von Forschungs-Institutionen eine immer größere Rolle. Auch und gerade auf regionaler Ebene. Experten sind sich längst einig: Das ist der Weg, der Erfolg verspricht. Konsequent gegangen, endet er voraussichtlich in neuen Strukturen, in "Dächern", die sich heute bereits abzeichnen. Über die gegenwärtige Situation für die Universität Potsdam sprach Portal-Redakteurin Petra Görlich mit dem Forschungs-Vizepräsidenten der Uni, Prof. Dr. Frieder Scheller.

Kürzlich nahm die Universität Potsdam an einem vom Stifterverband ausgeschriebenen Wettbewerb um die besten Exzellenzstrategien von kleinen und mittleren Hochschulen teil. Leider kam sie mit ihrem Antrag nicht unter die letzten zehn der insgesamt 60 Bewerber. Woran hat es gelegen?
Scheller: Wir haben in unserem Antrag deutlich gemacht, dass die wechselwirkende Vernetzung mit den außeruniversitären Einrichtungen für uns die Möglichkeit für Exzellenz sein kann. Ich bedauere, dass es nicht zum Weiterkommen gereicht hat. Durchgesetzt haben sich nur zwei Universitäten, das andere waren Fachhochschulen, und zwar zum Teil sehr kleine und unbekannte. Die genauen Gründe für unser Scheitern liegen uns nicht vor. Nichtsdestotrotz soll das Konzept aber umgesetzt werden.
In Deutschland existiert ein recht aufgefächertes System an Forschungseinrichtungen. Es gibt nicht nur Hochschulen, sondern auch die außeruniversitären Einrichtungen etwa der Max-Planck-, Fraunhofer- und Leibniz-Gesellschaft. Jetzt zeichnet sich in den letzten Jahren die Entwicklung ab, diese Säulen aufbrechen zu wollen zugunsten einer stärkeren Vernetzung mit Hochschulen…
Scheller: Ja, das stimmt. Ein Beispiel ist das Institute of Technology in Karlsruhe. Im Elitewettbewerb kam die Universität Karlsruhe aufgrund ihres Konzeptes, den Antrag mit einer Großforschungseinrichtung zu stellen, zum Erfolg. In der Zwischenzeit gibt es ähnliche Aktivitäten in Jülich und Aachen. Auch in Berlin gibt es von Wissenschaftssenator Jürgen Zöllner eine Aktivität, die Spitzenforschung von außeruniversitären Einrichtungen und den Universitäten unter einem Dach zu vereinen.
Sie schlugen schon vor zwei Jahren etwas Ähnliches auch für Potsdam vor. Warum?
Scheller: Wir haben hier eine einmalig günstige Situation, die weder mit Karlsruhe noch mit Berlin zu vergleichen ist. Um uns herum gibt es viel mehr außeruniversitäre Einrichtungen. Zudem arbeiten wir vergleichsweise intensiver mit ihnen zusammen. Etwa 40 gemeinsame berufene Professoren sind bei uns in die Lehre miteinbezogen. Was wir bisher allerdings noch nicht geschafft haben ist der Schritt, den Karlsruhe oder Aachen/Jülich schon vollzogen haben. Das steht nach meiner Ansicht an.
Was meinen Sie genau?
Scheller: Es gibt zwar eine Vernetzung auf sehr gutem Niveau, aber die strukturelle Einbindung in die Universität fehlt. Nehmen wir die gemeinsam berufenen Professoren. Die müssen wir enger an die Universität binden. Das hätte zum Beispiel Auswirkungen auf die Anzahl der aus der Uni hervorgegangenen Publikationen und wäre auch für die Anrechnung des eingeworbenen Drittmittelaufkommens wichtig. Beide Punkte spielen sowohl in der Exzellenzinitiative, bei größeren Anträgen an die DFG oder das Bundesministerium für Bildung und Forschung, nicht zuletzt bei den einschlägigen Rankings eine Rolle. Wir könnten einen riesigen Sprung machen, wenn Publikationen beispielsweise nicht nur für das jeweilige Max-Planck-Institut zählten, sondern eben auch für uns.
Auch bei der Doktorandenausbildung müssen wir zu diesen übergreifenden Strukturen kommen. Da sind wir in einer guten Position, denn nur die Uni hat das Promotionsrecht. Deshalb besteht auch von Seiten der außeruniversitären Einrichtungen ein starkes Interesse, mit uns zusammen die Doktorandenausbildung zu machen. Hier arbeiten ja unter anderem drei internationale Max-Planck-Research-Schools, von Seiten der Leibniz-Institute Graduiertenschulen oder auch Nachwuchsgruppen am GeoForschungsZentrum.
Wie real ist dieses Vorhaben, neue Strukturen etablieren zu wollen?
Scheller: Ich sehe viel Bereitschaft in den außeruniversitären Einrichtungen. Wir müssen einfach gute Beispiele schaffen. Ich denke nicht, dass wir mit allen über 30 kooperierenden Einrichtungen zugleich neue Strukturen angehen können. Wir müssen mit den Instituten, mit denen wir schon besonders eng arbeiten und die sich fachlich stark auf die Uni Potsdam ausrichten, anfangen.
Gibt es eine konkrete Vorstellung?
Scheller: Ja, wir wollen mit den Golmer Instituten und der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät beginnen. Das zweite Gebiet ist die Klimaforschung, bei der auch von Seiten der Landesregierung aus versucht wird, einen Landesverbund zwischen Hochschulen und Forschungseinrichtungen zu etablieren. Wir sind natürlich außerordentlich interessiert, uns hieran zu beteiligen.
Wie formulieren Sie eigentlich das strategische Ziel der Universität Potsdam?
Scheller: Ich denke, wir müssen uns vornehmen, unter die besten 20 Hochschulen republikweit zu kommen. Gegenwärtig befinden wir uns etwa auf Platz 50. Aber mit steigender Tendenz. In einem Gespräch mit dem DFG Präsidenten Prof. Dr. Matthias Kleiner ist mir bestätigt worden, dass die Entwicklung der Forschung an der Universität Potsdam sehr positiv eingeschätzt wird. Das betrifft vor allem die Geo-, Bio- und Kognitionswissenschaften. Zufrieden bin ich aber mit dem erreichten Stand noch nicht.
Gerade Sie haben in der Vergangenheit, nicht zuletzt in Ihrer Funktion als Forschungsprorektor beziehungsweise -vizepräsident, viel für die Entwicklung von Forschung und wissenschaftlichem Nachwuchs an der Potsdamer Alma mater geleistet. Nun gehen Sie bald in den Ruhestand. Wie sehr bleiben Sie dem Thema weiter verbunden?
Scheller: Ich werde mich am Fraunhofer Institut für Biomedizinische Technik um den Nachwuchs kümmern. Ich hoffe, dass ich auf meinem Fachgebiet an der Uni tatsächlich einige Spuren hinterlassen habe. Was Publikationen und Drittmittel anbelangt, habe ich in den letzten Jahren in meiner eigenen Arbeitsgruppe einiges erreichen können.
Ihr ehemaliger Doktorand und Kollege Reinhard Renneberg hat in einem Artikel des Neuen Deutschlands vom 4. August, an die Adresse von Bundeskanzlerin Angela Merkel gerichtet, darauf hingewiesen, dass ein Mann wie Sie, wäre er Franzose, zum 65. Geburtstag zum Ritter der Ehrenlegion geschlagen würde. Hat sich Frau Merkel bei Ihnen gemeldet?
Scheller: Nein, Frau Merkel liest offensichtlich nicht das "Neue Deutschland". Aber es gab gerade eine weitere Entscheidung im Elitewettbewerb. Das Forschungsvorhaben "Unifying Concepts in Catalysis", in dem ich auch mit ihrem Mann zusammenarbeite, ist dabei als Exzellenzcluster ausgewählt worden. Das und eine angestrebte Förderung des von mir und Kollegen avisierten Zentrums für Innovationskompetenz ist für mich schon eine Auszeichnung.
Vielen Dank für das Gespräch.
Teil der Arbeit des Präsidiums und der Gremien seit Beginn dieses Jahres war die Evaluation der Profilbereiche der Universität. Den hochschulöffentlichen Präsentationen folgten Bestandsaufnahmen und Bewertung, die nun in die Struktur- und Entwicklungsplanung der Hochschule insgesamt einfließen werden. Demnach wird es eine stärkere Differenzierung der Forschungslandschaft der Uni geben. Neben Profilbereichen soll es künftig auch Exzellenzzentren und Exzellenzbereiche geben. Interdisziplinäre Zentren sollen stärker als bisher den Profilbereichen zugeordnet werden.
Bei der Bewertung der Profilbereiche wurden Kriterien wie die Verknüpfung von Forschung und Lehre ebenso einbezogen wie geplante Aktivitäten mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen, in Durchführung und Vorbereitung befindliche Großprojekte und die Rolle der Interdisziplinären Zentren.