Ein früher Montagnachmittag. Noch ist der Raum mit all seinen schwarzen Gerätschaften dunkel, verwaist und absolut still. In einer Stunde werden Sitzbike, Latissimuszug oder Rückenstrecker in Bewegung gesetzt, und aus dem Freihantelbereich wird man den typisch metallischen Klang von gusseisenschweren Gewichtscheiben hören. Bevor der Fitnessclub des Uni-Zentrums für Hochschulsport öffnet, unternimmt Ariane Sorgatz ihren vorbereitenden Routinerundgang und erläutert dabei ihre Sicht auf ihre Arbeit als Trainerin. Langfristig gesehen nämlich soll das anstrengende, mitunter monoton wirkende Heben, Ziehen, Stemmen, Spannen und Drücken dieser Geräte zur Zufriedenheit, zum Wohlbefinden führen. Fitnesstraining müsse im Leben integriert sein, ohne Stress zu bereiten. Individuell sei es, vor allem aber prozessual. Und saisonal, da es immer auch Zeiten gäbe, wo andere Sachen Vorrang hätten. Und das sei auch gut so, schließlich sei nicht nur Abwechslung, sondern auch die Regeneration von großer Bedeutung.

Seit neun Monaten leitet Ariane Sorgatz das Fitnessstudio in der Breiten Straße Nummer 5. Am 30. Oktober feiert es mit einem kleinen Fest sein einjähriges Bestehen. Mit einem Diplom als Sportlehrerin, 2006 an der Sporthochschule in Leipzig erworben, bewarb sie sich vor gut einem Jahr als Trainerin und avancierte prompt zu dessen Leiterin. 1978 in Potsdam geboren und in Werder aufgewachsen, war sie schon in ihrer Kindheit sportlich sehr aktiv. Die Eltern, insbesondere der Vater, der Judoka und Jugendwart beim lokalen Fußballclub war, fördern ihre Ambitionen, zunächst in der Leichtathletik, wo ihre Paradestrecke die 800-Meter- Distanz ist. Sie läuft immer vorne mit, die Sportschule zeigt Interesse. Aber sie winkt ab. "Den hohen Erfolgsdruck wollte ich nicht, sondern lieber den Spaß behalten." Später, zwischen fünfzehn und achtzehn Jahren, schafft sie es als Handballerin auf der halbrechten Position bis in die Oberliga und ist zudem Mannschaftsführerin von Grün-Weiß-Werder. "Das Teamgefühl war eine völlig neue Erfahrung. Und dass ich die Kommunikation zwischen Mannschaft und Trainer ganz gut beherrschte, machte sie noch schöner." Dann eröffnet in Werder ein Fitnessstudio und sie wird Stammgast. "Ich mochte schon immer rhythmische Sachen wie Stepptanz und Aerobic, Tanzen sowieso. Aber ich mochte auch den Ort, weil dort ganz verschiedene Charaktere und verschiedene Altersgruppen mit völlig unterschiedlichen Motiven auftauchten."
Dem Abitur folgt eine Lehre als Einzelhandelskauffrau in einem Sportgeschäft in Berlin-Zehlendorf. Nach einem halben Jahr bricht sie ab und beginnt ein Studium der Sportwissenschaften. Nach dessen Ende im Jahre 2006 geht sie als Aupair-Mädchen für ein halbes Jahr nach England. "Ländliche Gegend, eine multikulturelle Familie mit vier Kindern und eine große Weltoffenheit. Ich brauchte eine gewisse Zeit, um mich hier im Brandenburgischen wieder zurecht zu finden." Sie kehrt zunächst ins elterliche Haus nach Werder zurück, jobbt hier und da und trägt sich mit dem Gedanken, in einer Schule als Lehrerin zu arbeiten. "Stattdessen bin ich jetzt quasi in der Erwachsenenbildung gelandet." Für Ariane Sorgatz und ihre zehn Mitarbeiter sind die individuellen Bedürfnisse ausschlaggebend. "Und ob jemand Fitness nur als Ausgleich zum beruflichen Alltag oder als Stressbewältigung betreibt oder ob er Gewichts- oder Haltungsprobleme zu lösen versucht, ist schon ein Unterschied." Sie spricht in diesem Zusammenhang von "einfühlsamem Miteinander", will aber zugleich die Trainingskontakte auch versachlicht wissen. "Gesundheitsfitness funktioniert zwar über einen intensiven persönlichen Bezug, ist aber trotz aller individuell abgestimmter Trainingspläne und umfassender Beratung keine Therapie, sondern lediglich Hilfestellung. Man muss loben und motivieren, aber man muss als Trainer für sich auch Grenzen setzen können." Momentan hat sie sieben Kurse zu bewältigen und managt nebenher die Gesamtorganisation des Clubs: Anmeldungs- und Buchungssystem, Abrechnung, Entwurf von Trainings- und Dienstplänen, Abstimmung mit dem Zentrum für Hochschulsport der Universität Potsdam bis hin zur Eventplanung. Achtzig laufende Verträge mit Studierenden seien es während der semesterfreien Zeit, im Semester könne man dann mit dem Doppelten rechnen. "Das ist ganz ordentlich, aber ein paar mehr Mitarbeiter von den Potsdamer Hochschulen, die hier üben, könnten es schon sein." Alles sei zwar kleiner hier, dafür aber besitze der Club eine sehr gute Ausstattung. Die Geräte entsprächen modernsten Anforderungen. Und entscheidend sei die Atmosphäre. "Man soll sich hier wohlfühlen." Deshalb arbeitet Ariane Sorgatz, die außerdem Pilatestrainerin ist und in ihrer Freizeit gerne surft, schwimmt oder mit ihrem Terriermischling spazieren geht, gedanklich immer an der Verbesserung der Präsentation des Clubs. "Ein bisschen mehr Lebendigkeit kann ihm sicher nicht schaden."
Nähere Informationen zum Fittnessclub und zu Kursbuchungen sind unter www.hssport.uni-potsdam.de/cms/ zu finden.