September - Oktober 2004
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Lust an Kunst

Heute vorgestellt: Uta Helfritz

Sie liebt die Natur. Was sie als Gärtnerin gestaltet und durch die Jahreszeiten an sich vorüberziehen sieht, versucht sie als Hobbymalerin festzuhalten. Durch eine Kollegin findet sie Mitte der achtziger Jahre zur Aquarellmalerei. Später nimmt sie privat Zeichenunterricht und beginnt um die Wendezeit intensiv zu zeichnen und zu malen; selbst in der Mittagspause skizziert sie die Pflanzenwelt des Botanischen Gartens der Universität Potsdam. Hier findet sie ihre ersten Motive. Später malt sie Kirchen, verfallene Schlösser, Häuser, Brücken, Landschaften und Tiere. Immer in hellen Farben, mit zarten Konturen und leisen Akzenten. Menschen sucht man vergeblich auf ihren Blättern. Die würde sie nur entstellen, sagt sie, das Porträt liege ihr nicht.


Nordische Farben: Hafen auf den Lofoten

Küstenbewohner, so heißt es, folgen der Strömung und den Gezeiten. Sie kommen und gehen und entdecken vielfältige Ufer. Uta Helfritz, 1954 als Tochter zweier Theologen auf Rügen geboren, entdeckte die Malerei spät. Der Sinn fürs Handwerkliche dagegen war früh ausgeprägt, sogar Schornsteinfegerin stand eine zeitlang auf ihrer Berufswunschliste. Doch sie tritt in die Fußstapfen der Mutter, die auch gelernte Gärtnerin ist, und geht bei Potsdams berühmten Staudenzüchter Karl Förster in die Lehre. "Danach sollte ich meinen Meister machen, aber ich wollte mich damals nicht auf diesen Beruf festlegen."
In Berlin wird sie Krankenschwester und liebt diesen Beruf. Nach einem Reitunfall kann sie dieser Profession jedoch nicht mehr nachgehen. Als Achtjährige verließ sie die geliebte Küste, jetzt kehrt sie dorthin zurück. Sie arbeitet acht Jahre lang wieder als Gärtnerin in Binz und wohnt in Prora. Ihre glücklichste nennt sie diese Zeit. Zwischendurch beginnt sie wieder Geige zu spielen, was sie seit ihrer Kindheit nicht mehr getan hatte.
Dann die nächste Rückkehr: Über Jüterbog, wo sie bei der LPG aushilft, und über Teltow kommt sie wieder nach Potsdam, wo sie 1987 als Gärtnerin im Botanischen Garten der Pädagogischen Hochschule anfängt. Sie engagiert sich Anfang der Neunziger Jahre für den Naturschutz in Sacrow, findet dort viele ihrer Motive, malt die berühmte Kirche oder den Königswald. Sie verkauft hier und da Auftragsarbeiten und eröffnet in Sacrow ihre erste kleine und bisher einzige Ausstellung. Sie wohnt bei ihren Eltern, die ihr inzwischen nach Potsdam gefolgt sind. Es funktioniert nicht, zwei Jahre bringt sie nichts zustande. "Ich kann eigentlich nur malen, wenn ich glücklich bin. Meine Depressionen darzustellen, interessiert mich nicht. Ich muss zu meinen Motiven eine Beziehung herstellen können, um damit eine gewisse Zeit zu leben."
Die Katzen- und Orchideenliebhaberin, die viel Freizeit in der Babelsberger Antoniusgemeinde verbringt und deren Garten pflegt, macht im Alter von vierzig Jahren ihren Führerschein, fährt mit bei einem Hilfstransport zu den Siebenbürgersachsen nach Rumänien und kehrt desillusioniert zurück. Bilder von dort bringt sie nicht mit. Und sie fährt vor allem nach Norwegen, immer wieder, bis hinauf zu den Lofoten, immer allein. Sie liebt das Bodenständige des Nordens, die Wildnis natürlich, und findet Motive im Überfluss. Sie lernt dort die Malerin und Buchillustratorin Ida Elisabeth Jörgensen kennen, die zum Vorbild, zur Ratgeberin und Freundin wird. Autodidaktin wie sie, zählt Jörgensen zu den bekannteren norwegischen Landschaftsmalerinnen. Von ihrer Arbeitsdisziplin ist Helfritz beeindruckt, vor allem aber findet sie sich in ihrem Eigensinn bestärkt, wonach man sich zurückziehen müsse von denen, die einen beurteilen wollen. "Ich habe in der Gruppe immer schlecht gemalt, weil sie mich ablenkt und ich verkrampfe. Ich weiß auch, dass ich Schwierigkeiten mit der Perspektive habe oder dass manchmal die Kontraste fehlen. Aber ich kann trotzdem meinen eigenen Stil finden. Die Suche danach fällt mir leichter, wenn ich allein bin." Sie malt ihre Motive meist nur einmal. Empfindet sie es als gelungen, wendet sie sich sofort Neuem zu. Scheitern sei kein Problem. Auf Bestellung malt sie nur noch äußerst selten. Früher, sagt sie, war sie vom Malen beinah besessen. Dieser unbedingte Drang von damals sei ihr heute etwas abhanden gekommen. Vielleicht muss Uta Helfritz wieder zurück ans Meer?

tp
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[Letzte Aktualisierung 24.10.2004, Queck]