Oktober bis Dezember 2010
Aktuelle Pressemitteilungen der Universität Potsdam Startseite der Universität Potsdam Referat für Presse-, Öffentlichkeits- und Kulturarbeit

Mit den Dänen auf Du und Du

Für acht Wochen war die Auszubildende Kristin Schettler beim „zufriedensten Volk der Welt“ zu Gast

Odense, Dänemark – diese Stadt hat viele Namen. Ob nun Blumenstadt, Stadt der Fahrräder, Stadt zum Träumen oder Märchenstadt – gemeint ist immer dieselbe, gemütliche Hauptstadt der Insel Fünen, in der ich mein Auslandspraktikum absolvieren durfte. Apropos gemütlich – mit „hygge“ (=gemütlich) lassen sich die Dänen am besten beschreiben. Es ist so eine Art Nationalwort. Verkörpert es doch jenes Gefühl freundlicher, herzlicher Geselligkeit, was überall dort anzutreffen ist, wo zwei oder mehr Dänen zusammenkommen.

Kristin Schettler
Die Horizonte sind weiter am Meer: Viel Weitblick
für Kristin Schettler.
Foto: privat

Einmal über den Tellerrand schauen und in das dänische Bibliothekswesen hinein schnuppern, welches übrigens als überaus vorbildlich gilt; das durfte ich für acht Wochen an der Syddansk Universitetsbibliotek. Das Praktikum war sozusagen selbst organisierter Teil meiner Ausbildung zur Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste an der Universität Potsdam. Finanzielle Unterstützung dafür hatte ich von der Stiftung „Leonardo da Vinci – Lebenslanges Lernen“ erhalten, mit der das OSZ Bürowirtschaft und Verwaltung eng kooperiert. Nützliche Hinweise gaben mir, bevor es richtig los ging, meine Ausbilderinnen Regina Klein und Gilda Kapp.
Die große Reise begann am 26. Juni. Nach fünfeinhalb Stunden Fahrt kam ich erschöpft, aber glücklich in Odense an, die nach dem Gott Odin benannt und eine der ältesten Städte Dänemarks ist. Meine gemütliche Einraumwohnung lag direkt an einer Hauptstraße mit vielen, vielen Autos, gesäumt von Radwegen voller Fahrräder. Das Wetter war wunderbar, die Sonne schielte zwischen einzelnen Schäfchenwolken hindurch und tauchte die Stadt gegen Abend in ein wunderschönes Gelb-Rot. In den Sommermonaten bleibt die Sonne abends für gewöhnlich einfach an der nächstbesten Kirchturmspitze hängen. In meinem Zimmer herrschten deshalb nachts trotz zugezogener Vorhänge eher die Lichtverhältnisse eines bewölken Regentages. Daran musste ich mich erst gewöhnen, kannte ich von Deutschland doch nur dunkle Nächte.
Bekannt ist Odense durch den beliebten Märchendichter Hans Christian Andersen, der hier seine Kindheitstage verbrachte. So ist es nicht verwunderlich, dass Odense das Barndomshjem, das Kindheitshaus, und ein Museum zu Ehren Andersens zu bieten hat. Beim Bummel durch die Stadt wird man auf Schritt und Tritt von seinen Märchenfiguren begleitet. Gefeiert wurde auch eine Menge, so zum Beispiel das Blomsterfestival (Blumenfest), das die sehr beliebte dänische Prinzessin Mary höchstpersönlich eröffnete. In der Bibliothek wurde ich von meiner Chefin Aase Lindahl mit einem herzlichen Lächeln begrüßt. Gesprochen wurde Englisch und so wurde ich auch in mein erstes Projekt zur Umgestaltung und Zusammenstellung eines neuen juristischen Bestandes eingeführt. Teamarbeit, Rücksicht und Zusammenhalt schreiben die Dänen groß, Arbeitsabläufe werden mit allen Beteiligten besprochen. Ich konnte sogar eigene Ideen umsetzen. An verschiedenen Standorten lernte ich viel über die Organisation und die Aufgabenfelder der Bibliothek. Vieles ist dort sehr einheitlich gehalten. So gibt es beispielsweise einen Gesamtverbund der Bibliotheken. Das dänische Bibliotheksgesetz regelt zudem viele Aufgaben. Übrigens legt es auch fest, dass die Nutzung inklusive Fernleihe und Dienstleistungen der Bibliotheken für alle kostenlos ist. Zugrunde liegt dem ein hohes Interesse des Staates, viel in Bildung und Kultur zu investieren.
Aufgrund der kurzen Wege zur Uni und zum Zentrum legte ich mir relativ schnell ein Fahrrad zu. So konnte ich mich viel leichter ins bunte Getümmel der multikulturellen Stadt stürzen. Viele meiner Ausflüge waren Geheimtipps der dänischen Kollegen.
Die Zeit in Odense verging wie im Fluge. Ich hatte das Gefühl, das Praktikum beginne erst, als es schon wieder endete. Nach Hause fuhr ich mit dem guten Gewissen, meinen eigenen Horizont durch die vielen Erlebnisse erweitert zu haben. Profitiert habe ich auch bezüglich meiner Englisch- und Dänischkenntnisse. Der Aufenthalt war ein Gewinn, definitiv.

Kristin Schettler
Copyright© 2001 Universität Potsdam, Mangelsdorf
[Letzte Aktualisierung 03.12.2010, Voigt]