Odense, Dänemark – diese Stadt hat viele Namen. Ob nun Blumenstadt, Stadt der Fahrräder, Stadt zum Träumen oder Märchenstadt – gemeint ist immer dieselbe, gemütliche Hauptstadt der Insel Fünen, in der ich mein Auslandspraktikum absolvieren durfte. Apropos gemütlich – mit „hygge“ (=gemütlich) lassen sich die Dänen am besten beschreiben. Es ist so eine Art Nationalwort. Verkörpert es doch jenes Gefühl freundlicher, herzlicher Geselligkeit, was überall dort anzutreffen ist, wo zwei oder mehr Dänen zusammenkommen.

Einmal über den Tellerrand schauen und
in das dänische Bibliothekswesen hinein
schnuppern, welches übrigens als überaus
vorbildlich gilt; das durfte ich für acht Wochen
an der Syddansk Universitetsbibliotek. Das Praktikum
war sozusagen selbst organisierter Teil
meiner Ausbildung zur Fachangestellten für
Medien- und Informationsdienste an der Universität
Potsdam. Finanzielle Unterstützung dafür
hatte ich von der Stiftung „Leonardo da Vinci –
Lebenslanges Lernen“ erhalten, mit der das OSZ
Bürowirtschaft und Verwaltung eng kooperiert.
Nützliche Hinweise gaben mir, bevor es richtig
los ging, meine Ausbilderinnen Regina Klein
und Gilda Kapp.
Die große Reise begann am 26. Juni. Nach
fünfeinhalb Stunden Fahrt kam ich erschöpft,
aber glücklich in Odense an, die nach dem Gott
Odin benannt und eine der ältesten Städte Dänemarks
ist. Meine gemütliche Einraumwohnung
lag direkt an einer Hauptstraße mit vielen, vielen
Autos, gesäumt von Radwegen voller Fahrräder.
Das Wetter war wunderbar, die Sonne schielte
zwischen einzelnen Schäfchenwolken hindurch
und tauchte die Stadt gegen Abend in ein wunderschönes
Gelb-Rot. In den Sommermonaten
bleibt die Sonne abends für gewöhnlich einfach
an der nächstbesten Kirchturmspitze hängen. In
meinem Zimmer herrschten deshalb nachts trotz
zugezogener Vorhänge eher die Lichtverhältnisse
eines bewölken Regentages. Daran musste ich
mich erst gewöhnen, kannte ich von Deutschland
doch nur dunkle Nächte.
Bekannt ist Odense durch den beliebten Märchendichter
Hans Christian Andersen, der hier
seine Kindheitstage verbrachte. So ist es nicht
verwunderlich, dass Odense das Barndomshjem,
das Kindheitshaus, und ein Museum zu Ehren
Andersens zu bieten hat. Beim Bummel durch die
Stadt wird man auf Schritt und Tritt von seinen
Märchenfiguren begleitet. Gefeiert wurde auch
eine Menge, so zum Beispiel das Blomsterfestival
(Blumenfest), das die sehr beliebte dänische
Prinzessin Mary höchstpersönlich eröffnete.
In der Bibliothek wurde ich von meiner Chefin
Aase Lindahl mit einem herzlichen Lächeln
begrüßt. Gesprochen wurde Englisch und so wurde
ich auch in mein erstes Projekt zur Umgestaltung
und Zusammenstellung eines neuen juristischen
Bestandes eingeführt. Teamarbeit, Rücksicht
und Zusammenhalt schreiben die Dänen
groß, Arbeitsabläufe werden mit allen Beteiligten
besprochen. Ich konnte sogar eigene Ideen
umsetzen. An verschiedenen Standorten lernte
ich viel über die Organisation und die Aufgabenfelder
der Bibliothek. Vieles ist dort sehr
einheitlich gehalten. So gibt es beispielsweise
einen Gesamtverbund der Bibliotheken.
Das dänische Bibliotheksgesetz regelt
zudem viele Aufgaben. Übrigens legt
es auch fest, dass die Nutzung inklusive
Fernleihe und Dienstleistungen
der Bibliotheken für alle kostenlos ist.
Zugrunde liegt dem ein hohes Interesse
des Staates, viel in Bildung und
Kultur zu investieren.
Aufgrund der kurzen Wege zur Uni und zum
Zentrum legte ich mir relativ schnell ein Fahrrad
zu. So konnte ich mich viel leichter ins bunte
Getümmel der multikulturellen Stadt stürzen.
Viele meiner Ausflüge waren Geheimtipps der
dänischen Kollegen.
Die Zeit in Odense verging wie im Fluge. Ich hatte
das Gefühl, das Praktikum beginne erst, als es
schon wieder endete. Nach Hause fuhr ich mit
dem guten Gewissen, meinen eigenen Horizont
durch die vielen Erlebnisse erweitert zu haben.
Profitiert habe ich auch bezüglich meiner Englisch-
und Dänischkenntnisse. Der Aufenthalt
war ein Gewinn, definitiv.