Juli bis Dezember 2009
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Potsdamer Potenziale

Das Institut für Geographie arbeitet mit an einem lokalen Aktionsplan für die Wissenschaftsstadt Potsdam

Auch wenn sie sich selbst oft nicht so wahrnimmt: Potsdam ist eine Wissenschafts- und Studentenstadt. Die Dichte an Forschungsinstituten sucht in Deutschland ihresgleichen. Mehr als 23.000 Studierende pilgern täglich in die Hörsäle am Neuen Palais, in Golm, Bornstedt und Babelsberg. Wer aber in Potsdam nicht wohnt, und das sind nicht wenige, rauscht mit Bus und Bahn an der Stadt vorbei.

Von Antje Horn-Conrad

Bahnsteig
Großer Andrang:
In den Stoßzeiten wird es für die Studis eng in den Bahnen.
Foto: Fritze

Es passte ins Bild, dass auch der groß angekündigte Wissenschaftszug der Max-Planck-Gesellschaft im Oktober einen Bogen um die City machte und wegen des S-Bahn-Chaos erst am abgelegenen Bahnhof Rehbrücke hielt. Die im Hauptbahnhof aufgebaute Ausstellung des proWissen e.V., des Consultingbüros complan sowie des Instituts für Geographie der Universität verfehlte so einen Teil ihres Zielpublikums. Studierende der Geographie und der Regionalwissenschaften hatten auch die Besucher des Wissenschaftszuges darüber informieren wollen, wie die Potsdamer und die Studenten, wie Wirtschaft, Kultur, Wissenschaft und Verwaltung mehr voneinander profitieren könnten, wenn sie sich gegenseitig nur stärker wahrnehmen würden.
Innerhalb des europaweiten Projektes zur Rolle von Universitäten und Forschungsinstituten in mittelgroßen Städten (RUnUP) hatten die Studierenden bei Kommilitonen, wissenschaftlichen Einrichtungen, lokalen Unternehmen und der Stadtverwaltung erfragt, welche Kooperationen bestehen und wie sie sie bewerten. Das Ergebnis ist eindeutig: Die Informationsflüsse müssen verbessert werden. Berührungsängste, Wissensdefizite und gegenseitige Vorbehalte erschweren die Kommunikation und einen flüssigen Transfer wissenschaftlicher Innovationen in die Praxis. "Dabei hat Potsdam alle Potenziale. Es ist eine der wenigen Städte in Brandenburg, die sich positiv entwickeln und deren Einwohnerzahl steigt", sagt Regionalwissenschaftler Prof. Manfred Rolfes, der die Befragungen mit elf Studierendenteams durchgeführt hat. Rolfes sieht die ständig wachsende Wissenschaftslandschaft als eine Herausforderung für die Stadtentwicklung. "Die Studierenden brauchen mehr bezahlbaren Wohnraum, die Mieten sind hoch und auch die Bodenpreise für die Ansiedlung forschungsnaher Unternehmen." Ein weiteres Problem seien die in Stoßzeiten überlasteten Busse und Straßenbahnen zu den am Stadtrand gelegenen Instituten und Hochschulen. Nicht zuletzt fehle es an Infrastruktur. "In Golm findet man nicht einmal einen Imbiss, obwohl dorthin täglich zweitausend Menschen unterwegs sind", benennt Rolfes einen offensichtlichen Mangel.
Parklage und Naturnähe der Universität werden zwar als angenehm empfunden, viele der Studierenden suchen in ihrer Freizeit aber nicht Ruhe, sondern das Metropolenflair der Hauptstadt. Von den 23 000 Potsdamer Studierenden ziehen 8000 das nahe Berlin als Wohnort vor. Damit geht Potsdam ein erhebliches sozio-ökonomisches Potenzial verloren. "Die Stadt braucht unbedingt größere, preiswertere, abwechslungsreichere Clubs und Studentenkneipen, außerdem mehr Sportangebote und Kultur, nicht nur am Wochenende", sagen Denise Oehser und Romy Zimmermann, die innerhalb der Studie das Freizeitverhalten ihrer Kommilitonen unter die Lupe genommen haben. Aber auch hier taucht wieder das Informationsproblem auf: "Viele der Befragten wussten überhaupt nicht, was es in Potsdam alles gibt", so die Studentinnen.
Dr. Simone Leinkauf, die mit dem Verein proWissen angetreten ist, das Informationsdefizit zu beseitigen, setzt ganz klar auf Kooperation. Potsdam, ist sie sich sicher, braucht ein strategisches Wissenschaftsmarketing. Ein lokaler Aktionsplan, der innerhalb des RUnUP-Projektes erarbeitet wird, könnte die entscheidenden Impulse geben. Aber auch die Erfahrungen der acht anderen an der Studie beteiligten Städte, die sich in der Nähe europäischer Metropolen mit ähnlichen Problemen herumschlagen, sollen hierbei weiterhelfen. Zu ihnen gehören unter anderem das schwedische Solna, das polnische Leszno, Patras in Griechenland und Gateshead in Großbritannien. Im kommenden Februar, zur nächsten RUnUP-Konferenz, sind sie in Potsdam zu Gast.

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[Letzte Aktualisierung 11.11.2009, Schroeter]