Juli bis Dezember 2009
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Nukleartests im Visier

Potsdamer Geophysiker suchen nach geeigneten Methoden zur Erkennung seismischer Signale

Forscher der Universität Potsdam arbeiten an der Entwicklung von Methoden zum zweifelsfreien Nachweis atomarer Tests. In diesem Jahr haben die beiden Geowissenschaftler Dr. Matthias Ohrnberger und Dr. Carsten Riggelsen den Zuschlag für eine entsprechende Auftragsforschung von der "Comprehensive Nuclear Test Ban Treaty Organization" (CTBTO) bekommen.

Von Petra Görlich

Nuklear
Kartenstudium: Carsten Riggelsen (li.) und Matthias Ohrnberger
bekommen Daten von Messstationen in aller Welt.
Foto: Fritze

Für die Politik steht das Verbot von Atomwaffentests schon lange auf der To-do-Liste. Bereits 1996 verabschiedeten die Vereinten Nationen ein internationales Teststopp-Abkommen (CTBT). In Kraft getreten ist es nie. Dafür sorgte auch und vor allem die US-Regierung der Ära Bush. Jetzt scheint Bewegung in die Sache zu kommen. US-Präsident Barack Obama hat signalisiert, die Zustimmung zur Ratifizierung des Abkommens voranbringen zu wollen. Da passt es gut, dass auf politischer und wissenschaftlicher Ebene gleichzeitig ein weltweites Überwachungssystem für Nuklearversuche vorbereitet wird. Geophysiker der Universität Potsdam leisten einen fachlichen Beitrag dazu. Für die "Comprehensive Nuclear Test Ban Treaty Organization" (CTBTO) arbeiten sie gegenwärtig an einem Projekt, das die Entwicklung von Methoden zur Erkennung seismischer Signale zum Inhalt hat. An Datensätzen, die Matthias Ohrnberger und Carsten Riggelsen von weltweit verstreuten Messstationen innerhalb des Internationalen Monitoring Systems bekommen, entwickeln sie neuartige Algorithmen und testen diese, ob sie für den Nachweis atomarer Tests oder auch anderer seismischer Ereignisse wie Erdbeben oder Steinbruchsprengungen geeignet sind. Gelingt ihnen dies schlüssig, sollen die neuen Methoden später ins CTBTO-System implementiert werden und nach nochmaligen Tests zur Anwendung kommen. Die CTBTO bekäme so zusätzliche Werkzeuge in die Hand, die ihr die Beurteilung einzelner Ereignisse erleichtern würden. Denn der Organisation obliegt es zu entscheiden, ob die Vorkommnisse natürlichen Ursprungs oder von Menschen ausgelöste Kernexplosionen waren.
"Wir arbeiten an so genannten grafischen Modellen, einer Methode zur statistischen Beschreibung komplexer Daten", beschreibt Matthias Ohrnberger das Vorgehen. Es ist Kopf- und Detektivarbeit, die die Wissenschaftler leisten. Ohne exzellente Kenntnisse in Mathematik, Physik und Statistik geht das nicht. Für die Forscher ist die Arbeit am Projekt jedoch kein Neuland. Sie bringen hier Expertise ein, die sie seit Jahren besitzen. Allein Ohrnberger beschäftigt sich seit zwölf Jahren mit der Früherkennung von Naturgefahren etwa durch Vulkane oder Erdbeben. Besondere Bedeutung kommt in dem Zusammenhang auch der Arbeit der Uni-Geowissenschaftler, die am von der Bundesregierung mit einem mehrstelligen Millionen Euro-Beitrag geförderten Projekt "PROGRESS" beteiligt sind. Auch hier geht es um die schnellere Erkennung und bessere Einschätzung von Naturgefahren durch die Entwicklung neuer Technologien und Methoden. Wie das jetzige CTBTO-Projekt ist "PROGRESS" eines von mehreren Vorhaben unter dem Dach des im Januar 2009 gegründeten Potsdam Research Network - pearls. Bei dem Netzwerk handelt es sich um einen Verbund von 21 wissenschaftlichen Einrichtungen der Region, der sich die Stärkung Potsdams als exzellenten Wissenschaftsstandort auf die Fahnen geschrieben hat.

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[Letzte Aktualisierung 11.11.2009, Schroeter]