Wissenschaftler des Astrophysikalischen Instituts Potsdam (AIP) haben soeben einen der weltweit leistungsfähigsten CCD-Detektoren am 3.5m Teleskop des südspanischen Calar Alto Observatoriums (CAHA) in Betrieb genommen. Konkret rüsteten sie dabei das am AIP entwickelte "Potsdamer Multi-Apertur Spektrophometer" (PMAS) nach. Das über eine Tonne schwere High-Tech-Gerät ist ein bildgebender Spektrograph. Er wird seit 2001 von Wissenschaftlern in der ganzen Welt, unter anderen auch aus Hochschulen Brandenburgs und Berlins, genutzt.

Astrophysiker des AIP und der Uni Potsdam (UP) untersuchen mit ihm beispielsweise in Beobachtungsprogrammen Planetarische Nebel in der Milchstraße und in entfernten Galaxien. PMAS dient darüber hinaus als, so die beteiligten Forscher, weltweit einmalige experimentelle Plattform für neuartige wissenschaftliche Forschungen, deren Themen ebenfalls in der interdisziplinären Zusammenarbeit des AIP und der Uni Potsdam eine Rolle spielen.
Mit der innovativen Methode der bildgebenden Spektroskopie wird das Bild eines Objekts in einer bestimmten Ebene eines Teleskops zweidimensional abgetastet.
Ähnliches passiert im Insektenauge mit einem Linsenraster.
Wissenschaftler lenken das Licht über eine geeignete Optik, zum Beispiel Lichtfasern, in einen Spektrographen. Dort wird es über alle Bildelemente simultan spektral aufgespalten und auf einem hochempfindlichen Detektor nachgewiesen.
In der Vergangenheit konnte die PMAS-Faseroptik als Weiterentwicklung von Lichtleitern der Kommunikationstechnologie bereits weltweit Beachtung erzielen. Durch den jetzt nachgerüsteten CCD-Chip wird sie vermutlich weiter steigen. Denn er macht es nun sogar möglich, solch schwache Lichtsignale aufzufangen, die vor mehr als zehn Milliarden Jahren von Galaxien aus der Frühzeit des Kosmos ausgesandt wurden. PMAS sticht damit selbst konkurrierende Instrumente an den modernsten Acht-Meter- Spiegelteleskopen in Chile oder Hawaii aus.

Die Forschungsaktivitäten mit PMAS ordnen sich ein in die Arbeit des vom BMBF mit über zwölf Millionen Euro geförderten Zentrums für innovative faseroptische Spektroskopie und Sensorik (innoFSPEC), ein Gemeinschaftsvorhaben der Uni Potsdam und des AIP. Leiter Hans-Gerd Löhmannsröben, UP, und Koordinator Martin Roth hatten kürzlich besonderen Anlass zur Freude. Denn die große Bedeutung der beiden Schlüsseltechnologien Faseroptik und CCD-Detektor fand bei der Verleihung des Physik-Nobelpreises ihren Niederschlag. Die Auszeichnung von Charles Kuen Kao, Willard S. Boyle und George E. Smith mit dem Physik-Nobelpreis für deren Arbeiten in der Glasfaseroptik beziehungsweise zum CCD-Sensor betrachten beide deshalb als Anerkennung für ein ganzes Fachgebiet und direkten Brückenschlag zu den eigenen Forschungen. Das 21. Jahrhundert werde das Jahrhundert der Photonik, ist sich Löhmannsröben sicher.