Juli bis Dezember 2009
Aktuelle Pressemitteilungen der Universität Potsdam Startseite der Universität Potsdam Referat für Presse-, Öffentlichkeits- und Kulturarbeit
Mauer
Fotos: Stache

 

Museum der Wünsche

Studierende halten privates Erleben in den Monaten nach dem Mauerfall 1989 in Ausstellung fest

20 Jahre Mauerfall nehmen Geschichtsstudenten der Universität Potsdam zum Anlass, sich dem Ereignis auf ihre Weise zu nähern. Im Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte präsentieren sie in einer Sonderausstellung das "Museum der Wünsche" - eine Exposition zu Jugenderfahrungen 1989/90 und privaten Utopien der friedlichen Revolution. Die Schau wird am 27. November eröffnet und dauert bis zum 31. Januar 2010.

Von Petra Görlich

Ein engagiertes Team von rund 25 Lehramtsstudierenden der Geschichte hat sich Anfang des Sommersemesters 2009 an die Arbeit gemacht, eine Ausstellung im 20. Jubiläumsjahr des Mauerfalls zu gestalten. Bei der Präsentation handelt es sich um ein Kooperationsprojekt der Universität Potsdam mit dem Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte (HBPG). Die Leitung von Seiten der Hochschule haben Geschichts-Professorin Dagmar Klose und ihr Mitarbeiter Marco Ladewig übernommen.
Die Ausstellung setzt da an, wo viele ähnliche Vorhaben meist enden, in der Zeit nach dem Mauerfall. Erzählt wird aus der Perspektive privaten Erlebens. Im Mittelpunkt stehen die politisch bewegenden Monate bis zur ersten und einzigen freien Volkskammerwahl in der DDR am 18. März 1990. Um jener Zeit nachzuspüren, sind die beteiligten Studierenden auf Zeitzeugen-Suche gegangen. Sie haben Menschen interviewt, die damals Abiturienten, Azubis oder Studenten waren. Von ihnen wollten sie wissen, welche Wünsche und Erwartungen sie mit der Jahreswende 1989/90 verbanden. Was ist daraus geworden und welche Erinnerungen haben heute noch Gewicht? Was soll für nachfolgende Generationen bewahrt werden? Diese und andere Fragen interessierte das Team.
Entstanden sind Interviews, die nun in Auszügen auf großen Schautafeln nachzulesen sind. Sie geben Einblick in jene Monate des politischen Aufbruchs und vor allem in sehr persönliche Lebensbiografien. Wer die Texte in voller Länge anschauen möchte, kann dies in einer eigens vorbereiteten Leseecke tun. Hier finden Besucher auch eine Chronologie der historischen Ereignisse dieser Tage.
Den Einstieg in die Exposition bieten Schautafeln und einfallsreiche Computeranimationen, die veranschaulichen, wie Erinnerung eigentlich funktioniert und was bei der Zeitzeugen-Befragung zu beachten ist. "Wir Studierende wollen damit verdeutlichen, wie Geschichte entsteht und welche Rolle die Erinnerung von Zeitzeugen dabei spielen kann", erklärt Christoph Alms, der vom Projekt, an dem er mitgearbeitet hat, schwärmt. Insbesondere haben es ihm die beiden integrierten Mach-Mit-Programme angetan, die sich an Schüler der Primar- und Sekundarstufe richten. Jugendliche können dabei an einem nachgestellten Runden Tisch die damalige Situation nachempfinden. "So lernen sie, dass Geschichte geprägt ist von verschiedenen Meinungen, dass sie extrem lebendig ist und von vielen einzelnen Persönlichkeiten gestaltet wird", so Alms. Die Jüngeren sind aufgefordert, im Mauerfallspiel ihr Wissen unter Beweis zu stellen. Hier gilt es, eine aus Pappkartons bestehende Mauer einzureißen. Die Kids müssen dafür sukzessive Fragen aus einer zuvor eingespielten Comic-Geschichte beantworten.
Das gesamte Ausstellungsprojekt ist im Rahmen des Kurses "Aus der Geschichte lernen?" und eines entsprechenden Tutoriums am Historischen Institut entstanden. Für die Studierenden bringt es nach eigener Einschätzung großen Gewinn. Christoph Alms betont stellvertretend den ganz neuen Einblick ins Arbeitsfeld Geschichte. "Die konkrete Einsicht in den gesamten Prozess einer Ausstellungsorganisation war sehr interessant und lehrreich", sagt er im Rückblick. "Uns angehenden Lehrern hat das Projekt außerdem gezeigt, wie stark das Fach Geschichte praxisorientiert aufbereitet und auf Felder außerhalb des Klassenraums ausgeweitet werden kann." Ihn persönlich habe aber auch das durch die Arbeit am Vorhaben entstehende Gemeinschaftsgefühl beeindruckt, die Gewissheit, endlich nicht nur Einzelkämpfer in der Masse der Studierenden zu sein.
Jetzt hoffen Studierende, Lehrende und Partner im HBPG - Letztere hatten die Idee zum Projekt - auf einen guten Besuch der Schau. Vor allem junge Menschen, für die die Zeit vor 20 Jahren bereits ferne Vergangenheit ist, wollen sie ansprechen.

Ausstellungsort: Kutschstall, Am Neuen Markt 9, 14467 Potsdam.
Öffnungszeiten: Di.-Fr.: 10.00 bis 17.00 Uhr, Sa., So. und an Feiertagen 10.00 bis 18.00 Uhr
Eintritt: 4,-, erm. 2,50 Euro

Copyright© 2001 Universität Potsdam, Mangelsdorf
[Letzte Aktualisierung 11.11.2009, Schroeter]