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Juli bis Dezember 2009
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Buchtipp

Buch-Cover

Der Roman "Mit der Geschwindigkeit des Sommers" von Julia Schoch ist eines der intensivsten Bücher über das Befinden in der DDR und der Zeit nach deren Zusammenbruch, das ich gelesen habe.
Es beschreibt, wie unterschiedlich zwei Schwestern - aufgewachsen in einer abgelegenen, trostlosen Garnisonsstadt - auf die abrupte Veränderung der äußeren politischen Ereignisse reagieren.
Regungen, Empfindungen und Gefühle werden von der Autorin geradezu seziert. Sie spürt den feinsten Veränderungen sehr präzise nach: dem bewegungslosen Leben, dem Einrichten in der Tristesse, deren Verlust dann doch so schmerzlich ist, dem schwierigen Ablösen vom bisherigen Lebensplan, dem Scheitern.

Leise und unsentimental wird erzählt, was für ein beträchtlicher Unterschied es ist, ob man zur Zeit der Wende zehn Jahre älter oder zehn Jahre jünger war. Zehn Jahre länger in bewegungsloser Kleinbürgerlichkeit den subtilen gesellschaftlichen Deformationen ausgesetzt gewesen zu sein, macht Unbefangenheit und Leichtigkeit im Umgang mit den neuen Verhältnissen um vieles schwerer. Der jüngeren Schwester gelingt es unkompliziert, die sich eröffnenden Chancen für sich zu nutzen.
Ihre Schwester ahnt all die Jahre, was sie vermisst, kann dann aber wenig mit der plötzlichen Freiheit anfangen. Sie hat nicht die Energie, sich ein anderes Leben zu wünschen. Stattdessen stellt sie sich die immer wiederkehrende Frage, was das Leben bereitgehalten hätte, hätte dieser Staat weiter existiert.
Wie schwer der Abschied von einer früheren Biographie, die Ablösung vom Vertrauten ist, liest sich in Julia Schochs Roman wie eine zeittypische DDR-Geschichte. Zugleich ist es auch eine Geschichte über die große Kraft, die es braucht, das eigene Leben anzunehmen und für sich das Beste daraus zu machen.

Julia Schoch
Mit der Geschwindigkeit des Sommers, München: Piper, 2009

Porträt
Dagmar Schobert
Foto: Fritze

Lesen gehört zu den liebsten Freizeitbeschäftigungen der Deutschen. Doch bei der großen Auswahl an Büchern fällt es manchmal schwer, das Richtige für sich zu finden. Portal will künftig die Qual der Wahl mildern. Uni-Angehörige empfehlen Bücher, die sie in jüngster Vergangenheit besonders beeindruckt haben. Die Reihe eröffnete Dagmar Schobert vom Universitätsverlag Potsdam.

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[Letzte Aktualisierung 11.11.2009, Schroeter]