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Juli bis Dezember 2009
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Der Einstieg zum Ausstieg

Akademikerin Martina Arnold holte sich beim "Campus der Generationen" nicht nur neues Wissen, sondern auch Lebensmut

Für die studierte Mathematikerin und Ökonomin Martina Arnold brach eine Welt zusammen, als ein privater Schicksalsschlag sie ganz hart traf. Sie wurde krank, verlor ihre Arbeit und auch den Lebensmut. Als sich die 53-Jährige endlich wieder aufgerappelt hatte und nach einer beruflichen Perspektive schaute, ging plötzlich alles sehr schnell. Gleich die erste Bewerbung klappte und auch beim von der Universität Potsdam gerade ins Leben gerufenen "Campus der Generationen" bekam sie noch einen Platz. Das für erwerbslose ältere Akademiker aufgelegte Projekt wurde der Einstieg zum Ausstieg aus der persönlichen Krise.

Von Petra Görlich

 

Porträt
Startete mit den nötigen Schlüsselkompetenzen
in den neuen Job: Martina Arnold.
Foto: Freiberg

Eigentlich war Martina Arnold gar nicht so lange arbeitslos. Aber die 18 Monate würde sie gern aus ihrem Leben streichen. Wenn sie an die Zeit zurückdenkt, wirkt die 53-Jährige mit den Diplomen für Mathematik und Wirtschaftsökonomie in der Tasche immer noch ernst und traurig. Zu hart waren jene Wochen und Monate, als sie nach dem Tod ihres Mannes zunehmend den Boden unter den Füßen verlor. Der Schicksalsschlag raubte ihr die Gesundheit und damit auch die Kraft für das eigene Unternehmen, in dem die zu DDR-Zeiten als Softwareentwicklerin beschäftigte Unternehmensberaterin nach dem Mauerfall medizinischen Praxen in wirtschaftlichen Fragen zur Seite stand.
Nach der persönlichen Krise zwischen 2006 und 2008 wendete sich das Blatt. Gleich die erste Bewerbung um eine Dozentenstelle bei der Akademie Seehof brachte den gewünschten Erfolg. Auch die zeitgleich gestarteten Bemühungen um einen Platz beim "Campus der Generationen" an der Universität Potsdam waren von Erfolg gekrönt. Arnold hatte aus der Zeitung von jenem Projekt für arbeitslose ältere Akademiker erfahren. Sie erhoffte sich davon eine ganze Menge: das Aneignen von Fähigkeiten, die sie für den neuen Job brauchen würde, vor allem aber neue soziale Kontakte, Anerkennung, das Gewinnen von Selbstvertrauen. "Ich bin nicht enttäuscht worden", sagt sie heute im Rückblick. "Das Uni-Projekt war für mich ungeheuer wertvoll. Es hat mich zurück ins Leben geholt."
Der "Campus der Generationen", ein vom brandenburgischen Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Familien gefördertes Programm, will die Berufsfähigkeit älterer erwerbsloser Akademiker erhöhen und damit deren Jobaussichten verbessern. Beim ersten Durchgang in diesem Jahr hatten elf Männer und Frauen sechs Monate lang in fünf Teams gemeinsam mit zehn Studierenden der Uni für Unternehmen und Organisationen gearbeitet.
Die Gruppe um Martina Arnold entwickelte eine Vermarktungsstrategie für ein Bibliotheks-Softwaresystem. Zusammen mit einer Potsdamer Firma für Informationssysteme knobelten daran zwei Campus-Teilnehmer und zwei sie begleitende junge Studierende. "Es war mein Metier", zeigt sich Arnold begeistert. "Fachlich wie menschlich war es für mich ein Gewinn." Dass sie das Team schon einen Monat vor dem eigentlichen Ende der Arbeit wieder verlassen musste, bedauert sie ein bisschen. Der Berufsstart ging vor.
Die Mittfünfzigerin schätzt insbesondere die gewonnenen Schlüsselkompetenzen. Vor allem sind sie es, die nach ihrer Ansicht die Berufsfähigkeit der Teilnehmer nachhaltig erhöhen werden. In die Euphorie über das Erlebte mischt sich jedoch auch ein Wehrmutstropfen. "Die Menschen, die das Angebot wahrnehmen, hoffen darauf, letztlich auch vermittelt zu werden", beschreibt Arnold die Situation. Auch wenn das natürlich keiner wirklich ausspreche. Hier wünscht sie sich für die Zukunft eine noch größere Achtsamkeit bei der Auswahl der ins Projekt einbezogenen Firmen. Noch mehr als bisher müssten die beteiligten erwerbslosen Brandenburger jenseits der 50 in diesen Betrieben ernst genommen werden. "Vielleicht bekommt ja auf diese Weise tatsächlich der ein oder andere eine Stelle." Dieter Wagner, Betriebswirtschaftsprofessor und Leiter des "Campus der Generationen" sieht sich da auf gutem Weg. "Nach Beendigung der Projekte befinden wir uns jetzt in der Vermittlungsphase", sagt er. "Wir hoffen natürlich, dass es noch einige Teilnehmer bis zu einer Festanstellung, einer freiberuflichen Tätigkeit oder einer Existenzgründung schaffen."
Inzwischen läuft bereits die nächste Runde des Generationen-Campus.

Mehr Infos: campus-der-generationen.de

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[Letzte Aktualisierung 11.11.2009, Schroeter]