Die Universität Potsdam hat sich eine kinderfreundliche Studien- und Arbeitsatmosphäre auf die Fahnen geschrieben. Das wurde erneut bei der kürzlich ausgetragenen Familienmesse am Standort Neues Palais deutlich.

Neugierige konnten hier Projekte zur Vereinbarkeit von Familie, Studium und Beruf kennen lernen. So fanden zum Beispiel Studierende Antworten darauf, welche Serviceleistungen und wichtige Ansprechpartner es gibt, wenn Studium und Kind unter einen Hut gebracht werden müssen. Zwei Tage lang präsentierten familienbezogene Projekte, Serviceeinrichtungen, Beratungsstellen und außeruniversitäre Kooperationspartner Angebote, die Familie, Studium und Beruf vereinbar machen. Auf der Messe vertreten waren unter anderen das Koordinationsbüro für Chancengleichheit, der Service für Familien, das Welcome Center, das Elternnetzwerk, die zentralen Beratungsstellen und die Anlaufstellen des AStA. Auch der familienfreundlich gestaltete, neue Masterstudiengang "Unternehmens- und Steuerrecht" (siehe Portalartikel), das Studentenwerk Potsdam und die Kinderwelt GmbH stellten sich vor.
Experimente zum Anfassen bot das Kinderlabor. Wenn die Kleinen gerade nicht auf wissenschaftliche Entdeckungsreise gehen wollten, konnten sie im Elterncafé oder im eigens für sie hergerichteten Indianerzelt spielen.
Erstmals fand im Rahmen der Familienmesse auch eine öffentliche Tagung des Netzwerks "Familienfreundlichkeit an brandenburgischen Hochschulen" statt. Experten, Studierende, Beschäftigte und Mitstreiter der Familienprojekte diskutierten über "Herausforderungen und Grenzen von Familienfreundlichkeit an Hochschulen".

Wohin auch der Blick schweift, der genaue Beobachter entdeckt nur verhältnismäßig wenige Kommilitoninnen und Kommilitonen, die mit eigenen Kindern am Uni-Alltag teilhaben. Sind sie doch anzutreffen, kommen sofort Fragen auf. Mir jedenfalls geht es so. Ich überlege, ob ihnen überhaupt noch Freizeit bleibt, ob das Geld wohl reicht, ob es ausreichend Hilfe von Seiten der Uni gibt.
Um diesen und anderen Bedenken entgegenzuwirken und Antworten zu geben, wenn die Theorie auf Wirklichkeit trifft, wurde nun schon zum zweiten Male eine Familienmesse an der Uni Potsdam realisiert. Organisiert von Svenja Derichs, Mitarbeiterin des Koordinationsbüros für Chancengleichheit, sollte die Messe über Angebote informieren, die die Vereinbarkeit von Studium und Familie erleichtern. Leider kamen nur wenige, um den vorhandenen Service in Augenschein zu nehmen.
Woher also resultiert das Desinteresse am Thema? Immerhin gaben bei einer unter 972 Studierenden durchgeführten Umfrage von SpiegelWissen im Jahr 2008 fast 55 Prozent der Teilnehmer an, dass sie sich ein oder mehrere Kinder wünschen. Viele von ihnen möchten allerdings erst zwischen 30 und 35 Jahren Eltern werden. Das liegt durchaus im Schnitt. In Deutschland bekommen derzeit junge Frauen meist mit knapp 30 Jahren ihr erstes Kind. Es gibt einen klaren Trend: Besser spät, sonst nie. Was auch heißt, erst einmal die Ausbildung - eben auch ein Studium -beenden, Sicherheiten aufbauen.
Wirtschaftliche Faktoren sowie das soziale Umfeld spielen in den Überlegungen zur Familiengründung eine große Rolle. Die Schwierigkeiten unserer "Generation Praktikum", überhaupt Arbeit zu finden, eine fehlende Perspektive durch die zumeist befristeten Beschäftigungsverhältnisse erschweren die Entscheidung für eine Partnerschaft mit Kindern. Hinzu kommt, dass angesichts unserer schnelllebigen Gesellschaft offensichtlich immer weniger junge Menschen auf eine "ewig haltende" Beziehung vertrauen, auf Nachwuchs deshalb lieber ganz verzichten.
Dem Trend zum Trotz entscheiden sich gegenwärtig dennoch deutschlandweit etwa neun Prozent der Studierenden bewusst für eine Elternschaft. Obwohl sie wissen, dass Kindererziehung, -betreuung, und -finanzierung parallel zum Studium nicht leicht realisierbar ist. Sie alle stellen sich einer großen Herausforderung, nehmen Schwierigkeiten in Kauf, oft genug auch ein längeres Studium als ansonsten üblich.
Die Veranstalter der jetzigen Familienmesse hatten genau diese Situation vor Augen. Mit vielen Hilfsangeboten wie zum Beispiel dem eines existierenden Elternnetzwerkes, engen Kontakten zu den Kindergärten der Kinderwelt GmbH oder der möglichen schnellen Organisation einer Kinderbetreuung in Notsituationen machten sie Mut, den etwas schwereren Weg zu gehen.