Reflektiert, profiliert, forschungsbasiert - so will die Universität Potsdam Exzellenz in Lehre und Studium erreichen. Das Konzept dafür präsentierte ein Team um Uni-Präsidentin Prof. Sabine Kunst Mitte Oktober in Berlin im Finale des Wettbewerbes "Exzellenz in der Lehre", den der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft und die Kultusministerkonferenz ausgerufen hatten. Es wurde ein Kopf-an-Kopf-Rennen von dreizehn deutschen Hochschulen, die sich für die Endrunde qualifizierten.

"In der Haut der Präsidentin hätte ich im vergangenen Sommer nicht stecken wollen", rutschte es Sebastian Schultz über die Lippen. Als der Potsdamer Lehramtsstudent an die Tage des Bildungsstreiks erinnerte, huschte selbst den gestrengen Gutachtern ein Schmunzeln übers Gesicht. Bei der Präsentation im Finale des Wettbewerbs "Exzellenz in der Lehre" hatten sie wissen wollen, inwieweit denn die Studierenden in die Erarbeitung der Pläne ihrer Universität einbezogen waren. Natürlich, versicherte Schultz, sei man auf allen Ebenen befragt worden und über die Gremien der Hochschule auch inhaltlich beteiligt gewesen. Der Bildungsstreik aber habe gezeigt, wie sehr die Probleme drücken, und dass verschiedene Ansätze zur Verbesserung der Lehre auf den Tisch müssen. Unipräsidentin Sabine Kunst, die neben Schultz auf dem Podium saß, nickte.

Sie hatte an diesem Morgen als erste überhaupt im großen Leibnizsaal der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften ans Rednerpult treten müssen. Exakt zwanzig Minuten waren für die Vorstellung des Konzeptes der Universität reserviert. Konzentriert brachte die Professorin auf den Punkt, wovon man sich künftig neben anderem eine Qualifizierung der Lehre an der Uni Potsdam verspricht: Doktoranden sollen künftig an der Uni Potsdam stärker als bisher in die Lehre einbezogen werden. Das didaktische Handwerkszeug dafür würden sie bereits während der Promotion erhalten. "Junge Wissenschaftler können durch ihre besondere Nähe zu den Studierenden auf sehr direktem Wege für aktuelle Forschungsfragen begeistern", untermauerte Vizepräsident Dr. Thomas Grünewald die Idee. "Überfordert das denn nicht die Doktoranden?", kam prompt die Gegenfrage aus den Reihen der international besetzten Jury. Sabine Kunst konnte den Experten die Bedenken nehmen. In der Potsdam Graduate School werde es ein überfachliches Training geben. "Die Promovenden müssen regelmäßig den Stand ihrer Arbeit präsentieren, Probevorlesungen halten, den Diskurs mit Studierenden führen." Wer sich zusätzlich für die Lehre qualifiziere, erhalte ein halbes Jahr mehr Zeit für die Forschung und ein Stipendium.
Dann versuchte das Potsdamer Team, mit einem zweiten Zukunftsprojekt zu punkten: Im "Senior Teaching Professionals"-Programm sollen Neuberufene und Post-Doktoranden lernen, Curricula zu entwickeln, mit denen die Studierenden strukturiert und zügig zum Erfolg kommen können. "Erfahrene Wissenschaftler werden ihre Kompetenzen in die Weiterbildung von Hochschullehrern einbringen", so Sabine Kunst.

Das dritte Zukunftsprojekt: das Online-Studierendenpanel, ein schlankes, unbürokratisches Evaluationsverfahren, mit dem die Universität die Instrumente ihrer Qualitätssicherung weiterentwickeln will. "Jede Fakultät kann sich darin frei bewegen und eine interne Diskussion führen", erklärte die ebenfalls zum Team gehörende Psychologieprofessorin Doris Fay das dezentrale Prinzip des Verfahrens. "Von oben aufgesetzt würde es nicht funktionieren. Alle müssen sich einbringen können."
Eine Stunde insgesamt hatte die Potsdamer Mannschaft Rede und Antwort stehen müssen. Den kritischen Mienen der Gutachter war nicht zu entnehmen, wie die Sache ausgehen würde. Also konnte sich auch niemand so recht entspannen. Es fehlte einfach an Vergleichsmöglichkeiten, alle Mitbewerber gingen ja erst nach den Potsdamern in die Finalrunde. So blieb nichts weiter, als die Entscheidung der Kommission abzuwarten. Fünf lange Tage.

Die Erlösung kam per E-Mail. Die Potsdamer Uni hat es geschafft, gehört zu den Siegern, die nun mit einer Förderung in Höhe von einer Million Euro ihre Projekte für mehr Qualität in der Lehre umsetzen können. "Unsere Erfahrungen und Instrumente werden wir in den nationalen Exzellenzdiskurs einbringen", kündigte Unipräsidentin Sabine Kunst an.
Insgesamt hatten sich 57 Universitäten, 47 Fachhochschulen und vier Kunst- und Musikhochschulen am Wettbewerb beteiligt. Neben der Potsdamer Alma Mater sind die Technischen Universitäten München und Kaiserslautern, die Technische Hochschule Aachen sowie die Universitäten Bielefeld und Freiburg prämiert worden. Zu den vier ausgezeichneten Fachhochschulen gehört auch die FH Potsdam.