Das Studierendenparlament der Uni hat am 15. September 2009 die Referentinnen und Referenten des Allgemeinen Studierendenausschusses gewählt. Nicht alle von ihnen sind neu im Gremium. Inzwischen sind alle eingearbeitet in ihre Ressorts. Petra Görlich sprach mit Mandy Joachim vom AStA.

Es fällt auf, dass sich nun einige Aktivisten des vor Monaten ausgetragenen Bildungsstreiks im AStA engagieren. Was bedeutet das für die inhaltliche Arbeit?
Es wird in Zukunft weiterhin eine enge Zusammenarbeit mit dem Streik-Komitee geben. Vor allem auf struktureller und infrastruktureller Ebene wird der AStA das Komitee unterstützen. Dabei soll das Komitee weiterhin autonom bleiben. Als Reaktion auf den Bildungsstreik wurde im dreizehnten AStA das Referat für Bildungspolitik geschaffen. Ein Schwerpunkt bei der Arbeit aller Referate ist es, den Bildungsbegriff kritisch zu betrachten, gegebenenfalls neu zu definieren und die Studierenden zu sensibilisieren.
Welche weiteren Schwerpunkte werden Sie setzen?
Es gibt eine Reihe wichtiger Schwerpunkte während der aktuellen Legislaturperiode. Wir wollen hier nur drei nennen. Zum ersten beschäftigen wir uns natürlich schwerpunktmäßig mit der Studienreform in Hinblick auf Bologna und damit mit dem Bachelor und Master. Die Masterklage zum Beispiel wird weiter vorangetrieben. Ein großes Thema ist außerdem die Vernetzung von Gremien sowohl uniintern als auch auf Landesebene, um hier konstruktiv auf die Landespolitik einzuwirken. Damit die Studierendenschaft über all unsere Aktivitäten angemessen aufgeklärt und informiert wird, ist ein weiterer Schwerpunkt eine breitere Öffentlichkeit zu schaffen.
Inwiefern werden Sie auch mit denjenigen politischen Gruppierungen zusammenarbeiten, deren Vertreter nicht im AStA sitzen?
Aus den bereits bestehenden Strukturen ergibt sich eine fruchtbare Zusammenarbeit mit verschiedensten Gremien und Gruppen. So zum Beispiel im Studierendenparlament, den Fakultätsräten im Senat und in verschiedensten Arbeitsgruppen. Für eine projektbezogene Zusammenarbeit mit der Opposition sind wir immer offen.
Um als Interessenvertretung wahrgenommen zu werden, bedarf es, Sie deuteten es bereits an, Transparenz und Öffentlichkeit. Welche Vorstellungen gibt es dazu?
Auch hier verweisen wir vor allem auf bestehende Strukturen. Es gibt von jeder AStA Sitzung ein Protokoll auf der Homepage, welche ohnehin eine etablierte Plattform für Informationen darstellt. Ein Novum in diesem Zusammenhang stellt ein Projekt des Öffentlichkeitsreferats dar. In einer Arbeitsgruppe soll eine politisch neutrale, informative Zeitung entstehen, in der auch regelmäßig über AStA-Arbeit informiert werden wird.
Gremienarbeit heißt immer auch Zeitaufwand. Was veranlasst die meisten von Ihnen, sich trotz der nötigen Abstriche im Studium an der politischen Arbeit im AStA zu beteiligen?
Die Antwort auf diese Frage ist sehr individuell. Es geht für uns um soziales Engagement, Persönlichkeitsbildung und um aktive Mitgestaltung der Umwelt, in der wir leben. Aber auch die alltägliche Konfrontation mit Problemen im Studium motiviert für die Arbeit in politischen Gremien wie dem AStA.
Vertreter des AStA und anderer studentischer Gremien protestierten in der ersten Novemberwoche
mit der Besetzung des AUDIMAX gegen die herrschenden Studienbedingungen an der Universität
und forderten von der neuen rot-roten Landesregierung eine Demokratisierung und öffentliche Ausfinanzierung des Bildungssystems. Infolge der Besetzung kam es am Standort Neues Palais zum Ausfall mehrerer Vorlesungen. Die Universitätsleitung
zeigte in Gesprächen Verständnis für einige Anliegen
der Protestierenden, für andere nicht. „Wir werden
auch weiterhin gegenüber der Politik vermitteln und
öffentlich machen, welche Probleme den Studierenden auf den Nägeln brennen“, erklärte Universitätspräsidentin Prof. Sabine Kunst. Grundlegende
Veränderungen in der personellen und materiellen
Ausstattung der Universität liegen jedoch nicht im
Ermessen des Präsidiums. Der richtige Adressat
für derartige Forderungen sei die Brandenburgische
Landesregierung. Unabhängig davon verweist die
Universität auf sichtbare Erfolge, die seit dem Bildungsstreik im Sommer 2009 umgesetzt bzw. in
Angriff genommen wurden. Ein verbessertes Prüfungssystem wird die Zahl der Modulteilprüfungen
spürbar reduzieren. Außerdem gibt es ein erstes Teilzeitstudienprogramm sowie zusätzliche Fachberater
in den Bereichen Germanistik und Geschichte für
auslaufende Studiengänge. Nicht zuletzt entlasten
weitere Lehrkräfte, beispielsweise in Chemie und
Biowissenschaften, die Anfängerpraktika.
Die neu
eingerichtete regelmäßige Sprechstunde des Vizepräsidenten für Lehre und Studium wird bereits von
vielen Studierenden in Anspruch genommen. Die
Universitätsleitung unterstreicht, dass ihr nicht an
Konfrontation, sondern an Kooperation gelegen ist.
Als nicht hinnehmbar bewertet sie jedoch die massive Störung des Lehrbetriebes durch die Besetzung.
Für weitere Diskussionen inhaltlicher Art stehe man
weiterhin zu Verfügung, insbesondere in Bezug auf
die Herausforderungen der Bachelor- und Masterstudiengänge.
Die Universitätsleitung wird sich in
den kommenden Monaten verstärkt für eine Verbesserung der Betreuungsrelationen an der Universität
Potsdam engagieren, eine der wichtigsten Forderungen der Studierenden.
Der neue Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) der Universität Potsdam ist ein Bündnis von Jusos und den Listen Beat! und ShineUP. 18 Referentinnen und Referenten haben ihre Arbeit aufgenommen.
Finanzen
Stefan Morgenweck
Geschlechterpolitik
Vicky Kindl
Öffentlichkeitsarbeit
Mandy Joachim, Tamás Blénessy
Ökologie
Simon Wohlfahrt
Verkehr
Daniel Sittler
Gremien und Vernetzung
Janosch Raßmann
Gremienarbeit
Diana Mogelnitzki
Hochschulpolitik
Katja Klebig
Campuspolitik
Franz-Daniel Zimmermann
Kultur
Mario Waschk
Campusleben
Christin Wiech
Ausländische Studierende
Pierre Vicky Sonkeng Tegouffo
Antifaschismus/Antirassismus
Lars Neumann
Kulturzentrum
Jens Gruschka
Bildungspolitik
Susanne Eckler
Sozialpolitik
Enrico Schicketanz, Malte Jacobs
Mehr unter: www.asta.uni-potsdam.de