Der Kreis der Autoren und Interessenten werde allmählich größer, sagt Kerstin Raatz, Herausgeberin von „schreib“, der Zeitschrift für junge Literatur an der Universität Potsdam. Es gäbe mehr Texteinsendungen, die Lesungen seien besser besucht, nur um die Finanzierung der nächsten Ausgabe, die am Ende des Sommersemesters erscheinen soll, ist ihr ein wenig bange. Die Gelder vom Fachschaftsrat Germanistik, mit deren Hilfe die Jubiläumsausgabe finanziert werden soll, seien nicht mehr so üppig, sagt sie. Einstweilen sammelt sie Texte und sucht einen Grafiker, der das zehnte Heft gestaltet. Trotz des Jubiläums soll die Ausgabe nichts Besonderes werden, vielleicht wird sie farbige Illustrationen haben oder einen Publikumspreis ausloben.

Das erste „schreib-Heft“ erschien im Jahre 2001. Es sah tatsächlich
aus wie ein Schreib- oder Notizheft, schlicht, fast schmucklos; die neun bisher
erschienen Ausgaben sind ein Sammelsurium von über insgesamt 80 Autoren
und Künstler. Texte von Kerstin Raatz, die Deutsche und Englische Literatur
studiert, konnte man schon in der dritten Ausgabe lesen, als Herausgeberin
fungiert sie seit anderthalb Jahren. Verändert hat sich das Literaturjournal
kaum. Immer noch ist es klar und übersichtlich, die Auflage beträgt
momentan 200 Stück. Im anderen Format zeigt es auf der Titel- und Rückseite
jetzt Fotografien von Orten, wo Texte entstehen oder gemacht werden. Früher
kamen die Illustrationen von mehreren Künstlern, jetzt hat man sich auf
einen einzigen festgelegt, der dem jeweiligen Heft seine grafische Handschrift
leiht. Immerhin will ein treuer Leser in den letzten Ausgaben weniger Düsternis,
Weltschmerz und Wolkenschwere wahrgenommen haben.
„Ich bin immer wieder überrascht, wie mutig manche sind, indem
sie teilweise sehr persönliche Texte einfach an die entsprechende E-Mail-Adresse
schicken, ohne eigentlich genauer zu wissen, wer das liest und was damit passiert“,
sagt Kerstin Raatz. Manche würden nur einmal etwas schicken, andere immer
wieder. Es existiere ein Autorenstamm, der sich mal erweitere, mal verringere.
Acht Leute bilden den harten „schreib-Kern“, alle sind zugleich
auch Autoren. Zwei Jurys, eine für Lyrik, eine für Prosa, treffen
die Textauswahl; Leute, die schon länger dabei und selbst Autoren sind
und die in der Mehrzahl durch ihr Studium mit Literatur zu tun haben. 120
Seiten A12 einzeilig geschriebene Texte mussten die Juroren für das aktuelle
Heft lesen und sich einigen, welche davon den Weg da hinein finden. „Es
gab dünne, dann wieder dickere Hefte. Wir richten uns nach dem, was kommt.
Für die Auswahl sind erkennbares Handwerk oder die Textidee wichtige
Qualitätskriterien. Das Gefühl, eine neue Geschichte zu lesen, muss
sich herstellen. Manches ist nicht perfekt, wie auch? Wir wollen ja Autoren
und deren Entwicklung fördern, ihnen ein Podium und ein Feedback ermöglichen.
Was wir für druckenswert halten, ist kein Richterspruch. Und ablehnen
tun wir immer mit dem Hinweis, dass wir vielleicht für die richtigen
Texte nur die falschen Leser sind.“ Mit der Auswahl ihrer Kollegen ist
Kerstin Raatz meistens einverstanden. Sie kümmert sich um Finanzierung,
Werbung, Textaquise, Organisation der Lesungen, Layout und Verkauf. Überblickt
sie ihre „schreib-Zeit“, beobachtet sie, dass aus losen Kontakten
engere Freundschaften wurden. Genau da knüpft sie an und intensiviert
die Autorenbetreuung, hält regelmäßigen Kontakt, versucht,
sie untereinander stärker zu vernetzen. Die Lesungen, zu denen mittlerweile
zwischen 30 und 50 Zuhörer kommen, bietet dafür eine gute Gelegenheit.
Mit dem Studentischen Kulturzentrum in den Elfleinhöfen scheint dafür
auch der passende Ort gefunden. „Lest doch, was ihr wollt!“ lautet
das Motto der nächsten Lesung im Mai. Autoren aus den letzten Jahren
sollen dann „eigene, fremde oder vielleicht auch solche Texte lesen,
die wir abgelehnt haben.“ Natürlich sei es schade, wenn Hefte zum
Preis von zwei Euro nicht verkauft würde, zur Resignation aber bestünde
kein Anlass. Gerade die Lesungen, sagt sie, bereiteten ihr wegen der Atmosphäre
zunehmend Freude. Es gibt neue Kontakte und Kooperationen mit anderen, auch
überregionalen Literaturprojekten. Bei der Brandenburgischen Literaturnacht
waren „schreib-Autoren“ präsent. Auch die Unterstützung
von einzelnen Personen oder Abteilungen, allen voran das Audiovisuelle Zentrum
der Universität Potsdam, sei ermutigend. Mehr Ausgaben aber seien nicht
geplant. „Als Uni-Projekt sind wir an den Rhythmus der Uni gebunden.
Am Semesteranfang suchen wir die Texte, am Ende erscheint das Heft und dann
findet eine Lesung statt, die das neue Heft vorstellt. Mehr ist nebenbei auch
nicht zu schaffen.
Die Lesung „Lest doch, was ihr wollt“ findet am 9. Mai 2006 um 19.30 Uhr im Studentischen Kulturzentrum in den Elfleinhöfen, Hermann Elflein-Str. 10, 14467 Potsdam statt.