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April - Mai 2004
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Ein Schaltjahr für das Königspaar

Deutsch-ägyptisches Grabungsteam macht spektakulären Fund in Ägypten

Am 16. März 2004 wurde während der 18. Grabungskampagne des deutsch-ägyptischen Tell Basta-Projektes im 1. Hof des Großen Tempels der Göttin Bastet eine Stele mit einer zweisprachigen Inschrift gefunden. Von dem etwa ein Quadratmeter großen Bruchstück aus


Kanopus-Dekret-Stele: Wohltäter zweisprachig geehrt.
Foto: Fritze

schwarzem Granit war bisher nur die unbearbeitete Rückseite sichtbar gewesen. Als es wegen geplanter Grabungsarbeiten wegbewegt wurde, entdeckte das Grabungsteam die Inschrift. Wie sich herausstellte, handelt es sich bei dem aus 24 demotischen und 67 griechischen Zeilen bestehenden Text um eine weitere Kopie des schon zuvor bekannten so genannten Kanopus-Dekretes, das aus dem Jahr 238 vor der Zeitrechnung stammt. Da zu dieser Zeit das Griechische als offizielle Amtssprache fungierte, daneben aber in Teilen der Bevölkerung das Ägyptische in Gebrauch war, wurden wichtige Erlasse in beiden Sprachen abgefasst. Dabei verwendete man für das Ägyptische zwei Schriftformen: zum einen die Hieroglyphen, zum anderen eine besondere kursive Schreibvariante der Hieroglyphen, das Demotische.
Auf der Stele ist ein Beschluss einer Priestersynode aus dem 9. Regierungsjahr des Königs Ptolemaios III Euergetes zur Ehrung von Ptolemaios und seiner Gemahlin Berenike festgehalten. Diese sollte ihnen aufgrund der Wohltaten zuteil werden, die sie dem Land schon erwiesen hatte, wie die Rückführung der durch die Perser verschleppten Götterbilder, Verzicht auf Steuereinnahmen und zusätzliche Einfuhr von Getreide aus Syrien, Phönizien und Zypern für die Bevölkerung anlässlich einer Dürre. Die Priestersynode war in Kanopus, einer am gleichnamigen Nilarm gelegenen Hafenstadt zusammen gekommen. Geehrt werden sollte das Königspaar unter anderem durch eine alljährliche öffentliche Festversammlung am Tage des Aufgangs des Sirius (dem Neujahrstag), dem Tag, an dem die Nilschwelle beginnt, die "kleinen und großen Boubastia" begangen werden und durch die Einführung eines Schaltjahres. Zu den bisherigen 365 Tagen des Jahres sollte alle vier Jahre ein zusätzlicher Tag als Festtag zu Ehren des königlichen Paares angefügt werden.
Bekannt wurde das Kanopus-Dekret bereits 1866 durch den Fund einer vollständigen Kalksteinstele durch Richard Lepsius in Tanis und einer ersten Kopie durch M. Maspero in Kom el-Hisn 15 Jahre später. Seither kamen an verschiedenen Grabungsstätten nur noch wenige kleine oder sehr schlecht erhaltene Fragmente des Dekretes zutage. Das nun in Tell Basta aufgefundene Stelenbruchstück ist der größte Neufund einer Kopie des Kanopus-Dekretes seit über 100 Jahren. Aufgrund der erheblichen, hier erhaltenen Textmenge tritt es nun als dritter wichtiger Textzeuge neben die von Lepsius und Maspero gefundenen Exemplare und wird künftig bei allen diesbezüglichen Forschungen berücksichtigt werden müssen.
Aufschlussreich ist auch der Fundort der Stele. Das Dekret, das wie gefordert an "gut sichtbarer Stelle", hier also direkt am Eingang des Bastet-Tempels aufgestellt war, wurde nur wenige Meter von den in den letzten beiden Jahren freigelegten Monumentalstatuen Osorkons II. und seiner Gemahlin Karoama gefunden. Es belegt, dass Bubastis auch in der Ptolemäerzeit eine herausragende Rolle spielte. Bisher war gerade über diese Zeit aus Bubastis wenig bekannt. Die Aufstellung des Erlasses belegt, dass der Tempel der Bastet, der schon zur Zeit der 22. Dynastie zu Beginn des 1. Jahrtausends vor der Zeitrechnung in monumentaler Weise ausgebaut worden war, noch im 3. vorchristlichen Jahrhundert zu den ersten drei Kategorien ägyptischer Heiligtümer zählte. Daneben lässt sich auch aus dem Text selbst die Wichtigkeit der Stadt Bubastis ableiten. Bei den darin erwähnten "großen und kleinen Bubastia" handelt es sich um die bereits von Herodot gut 100 Jahre früher beschriebenen Kultfeste der Göttin Bastet, die neben der Nilschwelle und der Ernte als wichtigste Ereignisse des Neujahrstages genannt werden.
Dr. Christian Tietze, Historisches Institut und Klassische Philologie; Dr. Mohamed Maksoud, Generaldirektor der Antikenverwaltung Kairo; Eva Lange, Universität Leipzig

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[Letzte Aktualisierung 04.05.2004, Queck]