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April - Mai 2004
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Hoffen auf Idealismus

Bedrohen die neuen Tarifverträge die Forschung in Brandenburg?

Die Mitarbeiter der Universität müssen sich seit April auf die Folgen der Tarifvertragsänderungen einstellen. Dr. Frank Spahn vom Institut für Physik sieht darin nicht nur eine de facto Gehaltskürzung sondern vor allem auch eine Gefahr für den Wissenschaftsstandort Brandenburg. Seine Überlegungen hat er in dem nachfolgenden Text dargelegt. Mit einem Brief ähnlichen Inhalts hat sich Frank Spahn auch an den brandenburgischen Ministerpräsident Matthias Platzeck gewandt:


Forschen unter verschlechterten Bedingungen:
Abwanderung von Spitzenkräften droht.
Foto: Fritze

Die Weisung, drei Stunden pro Woche weniger zu arbeiten und damit auch finanzielle Einbußen hinzunehmen, trifft bei mir auf Unverständnis. Wenn wir unsere wissenschaftlichen Aufgaben ernst nehmen, dann bleibt kein Raum für Stundenabrechnungen. Das war in der wissenschaftlichen Arbeit nie ein Thema, kann es auch nicht sein. Es bleibt nur, weiter wie bisher und darüber hinaus entsprechend der Projektanforderungen auch mehr zu arbeiten und gleichzeitig Gehaltskürzungen von 7,5 Prozent in Kauf zu nehmen. Im Hinblick auf Fehlleistungen der gegenwärtigen Regierung wie Chipfabrik, CargoLifter oder Lausitzring, bei denen Millionen in den märkischen Sand gesetzt worden sind, ist das nur schwer nachzuvollziehen und auch schwer zu ertragen. Man möge mich nicht falsch verstehen: Es geht nicht darum, keine Bereitschaft zur Solidarität zeigen zu wollen, sondern ich hinterfrage, unter welchen Umständen diese Tarifänderung entstand und welchen Platz die Regierung der Wissenschaft einräumt. Es ist offenbar egal, ob Erfahrungen, Traditionen und auch Vorlauf in der Forschung - besonders in der Geo- und Astrophysik in Potsdam dabei aufs Spiel gesetzt werden. Dabei hatte Ministerpräsident Platzeck Anfang April im Morgenmagazin (ZDF) hervorgehoben, dass für Brandenburg die Wissenschaft der einzige Ausweg aus den Problemen ist, die besonders die neuen Länder beuteln.


Frank Spahn
Foto: Fritze

Was nun aber nach dieser Tarifvertragsänderung passiert, kann jeder an fünf Fingern abzählen: Jüngere Wissenschaftler auf Mittelbaustellen werden schnell die Universität verlassen, Nachwuchs wird sich eventuell finden, aber die Besten werden auf ihrem Wege zu einer Professur schwerlich halt in Potsdam oder Cottbus machen, wenn Ihnen andere Möglichkeiten und Bedingungen winken.
Dazu zählen neben Gehalt auch Arbeitsmittel. So wurden beispielsweise in meiner Projektgruppe verschiedener Fachzeitschriften ersatzlos gestrichen. Das Literaturangebot auf unserem Fachgebiet entspricht damit wieder jenem zu Zeiten der Akademie der Wissenschaften der DDR. Dass unsere erfolgreiche Beteiligung an Raumforschungsprojekten wie der Cassini-Mission durch derlei Kürzungen in Frage gestellt ist, versteht sich von selbst.
Ein junger Wissenschaftler oder Künstler muss also schon viel Idealismus mitbringen, eine Mittelbaustelle an Brandenburger Hochschulen anzunehmen. Die Folge: Lehre und Forschung verarmen an Qualität und altern gewissermaßen. Was das für die Uni Potsdam bei Existenz der Berliner Universitäten bedeutet, auch in Hinblick auf weitere Fusionsbestrebungen, wage ich nicht zu Ende zu denken.

CopyrightŠ 2001 Universität Potsdam, Glaesmer, Knappe
[Letzte Aktualisierung 25.04.2004, Queck]