Zu den Berufsaussichten von Bachelor und Master befragte "Portal" Dr. Frank S. Becker, Leiter Bildungspolitik bei der Siemens AG.
Welche Vor- und Nachteile hat ein Bachelor- bzw. Master-Abschluss im Vergleich zu den herkömmlichen Abschlüssen aus Ihrer Sicht?
Einen Vorteil sehe ich in der größeren Flexibilität. Der Bachelor-Abschluss ist eine Schnittstelle zwischen verschiedenen möglichen Wegen: Weiterstudium zum Master im gleichen Gebiet, in einem anderen Fach, Hochschulwechsel oder Berufseinstieg. Vorteilhaft ist das bei Funktionen, die die Kombination verschiedener Fächer erfordern, also zum Beispiel Technik und Kommunikation oder wenn zu Studienbeginn der weitere Weg noch offen ist. Einen Nachteil stellt der bisher zu geringe Bekanntheitsgrad dieser Studiengänge dar.
Geben Sie Absolventen mit Diplom- und Magister-Abschlüssen noch den Vorrang bei der Einstellung?
Einen solchen Vorrang gibt es nicht. Generell muss man immer zuerst die zu erfüllende Aufgabe betrachten, Stellen werden deshalb nach den geforderten Qualifikationen ausgeschrieben. Bachelors sind zum Beispiel schneller fertig und von daher dort im Vorteil, wo nur im Beruf erwerbbare Praxiskenntnisse mehr zählen als das wissenschaftliche Training einer Diplomarbeit. Wenn man also beispielsweise die Organisation eines Unternehmens verstehen oder seine Kundenbeziehungen kennen muss.
Ist diese Entscheidung abhängig davon, ob es sich um ein geistes- oder naturwissenschaftliches Fach handelt?
Nein, wobei wir überwiegend Hochschulabsolventen technischer Studiengänge einstellen.
Wie sind die Einstiegsgehälter für Bachelor beziehungsweise Master im Vergleich zu Magister, Diplom und Diplom/Fachhochschule? Wie sind die Karrierechancen im Vergleich?
Die Industrieverbände stufen einen Bachelor wie einen Absolventen mit Fachhochschul-Diplom ein, einen Master wie einen mit Universitätsdiplom. In der Praxis bedeutet das bisher einen Unterschied von im Mittel ca. 10 bis 15 Prozent (mit einer erheblichen Schwankungsbreite je nach Einzelqualifikation). Aber ein Bachelor kann schon zwei Jahre länger ein volles Gehalt beziehen, Berufserfahrung sammeln und im Betrieb aufsteigen, während die anderen noch studieren. Das ist auch unter dem Gesichtspunkt der Diskussion um die Lebensarbeitszeit von Bedeutung: Statt länger zu arbeiten kann man auch früher anfangen.
Bei Siemens gibt es unterschiedliche Einstellgehälter, aber nach oben hin keine Begrenzung wie im öffentlichen Dienst. Wer gut und bereit ist, sich weiter zu entwickeln, hat alle Karrierechancen.