
Die Universität Potsdam stellt sich dem in Bologna beschlossenen Prozess, die Studiengänge auf Bachelor- und Masterabschlüsse bis zum Jahr 2010 umzustellen.. Den aktuellen Stand an der Uni erläutert die Prorektorin für Lehre und Studium, Prof. Dr. Gerda Haßler:
Wir wollten die Studienreform in Potsdam auf der Basis modularisierter und mit Leistungspunkten versehener Ordnungen für die laufenden Studiengänge vollziehen und dann allmählich zu Bachelor- und Masterstudiengängen übergehen. Der Systembruch mit dem in vielen Fächern unstrukturierten und von seinen Inhalten auch weitgehend beliebigen Studium wäre auch so möglich gewesen. Die Bedenken vieler Fächer wegen der noch unzureichend bestimmbaren Berufsfelder des Bachelor wären so zu berücksichtigen gewesen. Bei Diplomstudiengängen, die zunächst an ihrem Abschluss festhalten und erst kurz vor 2010 umstellen wollen, bestehen auch keine grundlegenden Bedenken, wenn sie modularisiert sind. Allerdings entsteht jetzt durch die kurzfristige Umstellung der Lehramtsstudiengänge auf Bachelor- und Masterstrukturen ein Druck, der auch durch die Diskussion im hochschulpolitischen Raum verstärkt wird.
Bei den Magisterstudiengängen bietet sich eine frühere Umstellung auf Zweistufigkeit an, da eine weitgehende Parallelität mit den Lehramtstudiengängen möglich wäre. Das Problem der Berufsfähigkeit stellt sich auch hier in einer ganzen Reihe von Fächern. Zwar gab es für Magisterstudierende nie konkrete Berufsfelder (vielleicht sind die geringen Absolventenzahlen auch ein Ergebnis davon). Doch die Fächer bewegt, was man in einem dreijährigen Bachelor überhaupt vermitteln soll, damit man den Absolventen eine einigermaßen sinnvolle Perspektive ermöglicht.
Ein wichtiges Thema in der Diskussion sind dabei auch die so genannten Schlüsselqualifikationen, die für die Berufsfähigkeit ausschlaggebend sein sollen. Genügt es, wenn Studierende einfach Vorträge im Fach halten? Für Fächer, in denen bisher weitgehend ausschließlich in Vorlesungen und Übungen gelehrt wurde, mag das als solches schon revolutionierend sein, ein wirklicher Schritt in Richtung des Anliegens des Bachelor ist es aber nicht. Über den Inhalt der Module, die zu Berufs- und Schlüsselqualifikationen führen sollen, muss in der nächsten Zeit noch diskutiert werden. Natürlich sollen und können die Fächer selbst entsprechende Module entwickeln, darüber hinaus muss jedoch die Möglichkeit für die Studierenden bestehen, aus einem breiteren Angebot auch fachfremder Module zu wählen. Wenn wir der Nachfrage der Studierenden folgen wollen, müssen vor allem in den Fremdsprachen und in der Betriebswirtschaftslehre die Lehrkapazitäten erweitert werden.
Die Struktur der Bachelor-Studiengänge bedarf der Überlegung und der möglichst baldigen Regelung. Während für Masterstudiengänge dem Profil der Fächer entsprechende Lösungen gefunden werden sollten und die Bildungsgänge eng an die Forschung geknüpft oder - wie in den Lehramtsstudiengängen - auch mit spezifischen Berufsqualifikationen ausgerichtet werden können, müssen in den Bachelor-Studiengängen gemeinsame Lösungen für die Universität gefunden werden. Möglich erscheinen dafür zwei Modelle: ein Ein-Fach-Bachelor, bei dem 150 Leistungspunkte im Fach und 30 in berufsqualifizierenden Modulen und Modulen für Schlüsselqualifikationen erworben werden oder ein Zwei-Fach-Bachelor, bei dem man 90 Leistungspunkte im ersten Fach, 60 im zweiten Fach und 30 in berufsqualifizierenden Modulen und Modulen für Schlüsselqualifikationen erwirbt.
Wo es sinnvoll ist, erscheint auch ein Angebot beider Varianten für ein Fach möglich. Der Zwei-Fach-Bachelor entspricht in seiner Grundstruktur weitgehend dem Bachelor, der für das Lehramt an Gymnasien vorbereitet, wobei hier das erste Fach mit 95 Leistungspunkten (einschließlich Bachelorarbeit) und das zweite Fach mit 70 Leistungspunkten zu studieren ist. Dabei sind allerdings fachdidaktische und berufsfeldbezogene Module, die bei dem Berufsfeld Schule bereits feststehen, eingeschlossen. 15 Leistungspunkte entfallen hier auf die Erziehungswissenschaften.
Der Zeitpunkt für die Umstellung der Lehramtsstudiengänge ist mit der Erprobungsklausel vorgegeben und von uns nicht mehr beeinflussbar. Wann die Fächer ihre Diplom- und Magisterstudiengänge umstellen ist ihnen zunächst überlassen. Es wäre jedoch für die Fächer nicht günstig, damit bis 2010 zu warten. Dann werden wir nämlich nicht mehr mit so hohen Studienbewerberzahlen wie heute konfrontiert sein, sondern uns im Wettbewerb um die Bachelorstudierenden bewähren müssen.
1999 wurde von den Bildungsministern Europas in Bologna beschlossen, dass bis 2010 ein gemeinsamer europäischer Hochschulraum geschaffen werden soll. Dabei wurde als Kernpunkt die Einführung gestufter Studiengänge bestimmt, die die Mobilität und die Vergleichbarkeit fördern soll. Wenn diese Forderung zur Realität werden soll, müssen die Ordnungen flexibel genug gestaltet werden, um Studienangebote ausländischer Universitäten aufnehmen zu können. Es ist für die Mehrzahl der Fächer nicht zu erwarten, dass Module europäischer Universitäten gleichartig konstruiert werden. Eine solche Entwicklung würde zur Uniformität führen und die Profilbildung in der Lehre verhindern. Es muss daher die Möglichkeit eingeräumt werden, eine bestimmte Menge an Leistungspunkten auch mit andere Inhalten als den in Potsdam festgelegten erwerben zu können. Ein Gewinn für die Studierenden ist ein Auslandssemester auf jeden Fall, auch wenn dabei andere Kenntnisse in anderen Zusammenhängen erworben werden.
Auf der Basis der Modularisierung der Ordnungen sollte es kein Problem sein, Bachelor- und Master-Studiengänge zu definieren. Die Entwicklung des Arbeitsmarktes muss dabei natürlich beobachtet werden. Warum sollten die Universitäten jedoch nur reaktiv auf diese Entwicklung antworten?