Per Definition ist der Bachelor bereits ein berufsqualifizierender Abschluss, was Hauptgrund für die Kritik des AStA ist. Zunächst ist das Studium nach drei Jahren beendet, was es rein quantitativ kürzer macht. Allerdings schließt sich der Master nicht zwangsläufig an. Der Zugang zum Master ist oft beschränkt. Nicht jeder Bachelor kann auch automatisch seinen Master machen. Ebenso ist der Master prädestiniert für Studiengebühren, da in Deutschland nur Studiengebühren für das erste berufsqualifizierende Studium verboten sind - und das ist eben der Bachelor.
Kritikwürdig ist auch die Umsetzung. Laut einer Studie zur Einführung von Bachelor und Master von 2003 sind lediglich 13 Prozent aller gestuften Studiengänge tatsächlich neue Studiengänge. Der Großteil sind lediglich umgewandelte Diplom- oder Magisterstudiengänge. Dies wird auch bei uns an der Uni Potsdam deutlich. Es gibt kaum neue Studiengänge, hauptsächlich werden bestehende Studiengänge irgendwie umgeformt. Problematisch dabei ist, dass oft ein vierjähriges Diplom in einen dreijährigen Bachelor gepresst wird. Qualität geht dabei oft verloren. Dieser Umformungsprozess geht in der Regel zu Lasten der traditionellen Abschlüsse.
Mangelnde Attraktivität ist ein weiterer Kritikpunkt. Weder die Wirtschaft noch öffentliche Institutionen können mit Bachelor oder Master bisher etwas anfangen. Das Leistungsprofil ist unklar, die Auffassung eines "gekürzten Diploms" herrscht immer noch vor. Das schlägt sich auch in den Studienzahlen nieder. Laut der genannten Studie existieren an Hochschulen bereits rund 1.800 Studiengänge mit den gestuften Abschlüssen, aber nur vier Prozent der Studierenden sind dort eingeschrieben. So sehr die Schaffung von europaweit vergleichbaren Abschlüssen zu begrüßen ist, in Deutschland soll die Einführung von Bachelor und Master vor allem einen Zweck erfüllen: Studierende schneller zu einem Abschluss und ins Berufsleben führen. Dass dabei die Qualität der Ausbildung auf der Strecke bleibt, wird in Kauf genommen.