Wer sich am 7. März zur Sonntagsvorlesung im Alten Rathaus einfand, hatte Gelegenheit, Interessantes über "die sprachliche Verpackung von Information" zu erfahren. Referentin war Prof. Dr. Caroline Féry, die am Institut für Linguistik/Allgemeine Sprachwissenschaft für Grammatiktheorie zuständig ist.

Die geborene Belgierin hat einst in Brüssel nicht nur Germanistik und Anglistik, sondern auch Neurolinguistik studiert, sich also unter anderem mit jenen Gehirnprozessen befasst, die der menschlichen Sprache zugrunde liegen. So gelangte sie zu Forschungsarbeiten auf dem Gebiet der Informationsstruktur im Sprachgebrauch, also der "Verpackung" von Information in gesprochenen Sätzen und deren geistiger Verarbeitung. Dazu leitet Caroline Féry einen aus zwölf Teilen bestehenden Sonderforschungsbereich "Informationsstruktur. Die sprachlichen Mittel der Gliederung von Äußerung, Satz und Text".
Zunächst machte die Referentin ihrem Publikum bewusst, welch vielfältigen und komplexen Leistungen das Erlernen einer Sprache dem Menschen abverlangt - von der Aufnahme einer Schallwelle durch das Trommelfell bis hin zum Verstehen und Interpretieren des Sinngehalts der jeweiligen Information. Und schon unterschiedliche Betonungen könnten die Erwartungshaltung von Gesprächspartnern und ihr Verständnis für die Bedeutung einzelner Informationen bedeutend beeinflussen.

Im Folgenden verdeutlichte Caroline Féry einige Aspekte ihres Forschungsprogramms, zunächst kognitionswissenschaftliche Untersuchungen. Dabei geht es beispielsweise um die Frage, warum es einfacher ist, den Satz "Jedes Kind liebt seinen Vater." zu verstehen als "Seinen Vater liebt jedes Kind.", obwohl hier die gleiche Information nur unterschiedlich strukturiert oder "verpackt" ist.
Ausführlich charakterisierte die Referentin das Problem der Informationsstrukturierung in sprachvergleichender Sicht. Dabei geht sie davon aus, dass in jeder Sprache die Informationsstruktur viel mit der jeweils gemeinsamen Wissensbasis der Gesprächspartner (Common Ground) zu tun hat. So kann immer die gleiche Grundinformation "Maria isst (mag) Fisch." ganz unterschiedlich erfragt werden: "Was isst Maria?", "Wer isst Fisch?" "Was tut Maria mit dem Fisch?" Je nach Frage ist einmal "Fisch", einmal "Maria" und einmal "isst" für den Fragenden der so genannte Fokus, die Neuinformation. Das Übrige stellt den Rahmen (Topik) dar. So sei im Deutschen die "Verpackung" der Information meist ein Phänomen der Fokus-Topik-Struktur, verbunden mit Änderungen der Wortanordnung: "Maria isst Fisch." "Fisch isst Maria."
In anderen Sprachen unterliegt die Informationsstruktur teilweise anderen Gesetzmäßigkeiten. So gibt es Sprachen, die Betonung und Sprachmelodie nur begrenzt zur Informationsstrukturierung nutzen können, weil sich mit diesen Effekten Wortbedeutungen ändern. Im Chinesischen kann "ma" je nach Art der Aussprache "Mutter", "Pferd" oder "Hanf" heißen. Die Japaner machen Fokus oder Topik durch Anhängen kleiner Partikel deutlich. "Maria mag Fisch" würde japanisch: "Mary-wa sakana-ga suki-da." lauten.
Am Ende Ihres Vortrags gab die Referentin einen Einblick in die Forschungsreisen zu Völkern mit weniger bekannter Sprachen.
Durch die vorgestellte Grundlagenforschung dürfte sich beispielsweise das Erlernen von Fremdsprachen optimieren lassen und sprachtherapeutische Maßnahmen hätten größere Erfolgschancen.