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April - Mai 2004
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Über die Eltern zu den Kindern

Potsdamer Psychologin entwickelte Elterntraining zur Leistungsmotivation

Wenn eine Teilnehmerin am Elterntraining ihr Kind nach dem Training als erfolgszuversichtlicher, selbstbewusster einschätzt, das erkannt hat, dass es durch Übung mehr erreichen kann und Vertrauen in das eigene schulische Können bekommen hat, ist dies ein Erfolg, den die Mutter durch die Veränderung ihres eigenen Erziehungsverhaltens erzielt hat. Veränderungen sind in erster Linie durch die Eltern selbst zu erreichen. Denn sie sind die ersten Vermittler von Bildung und Erziehung und wichtigste Bezugspersonen. Kinder ändern sich nur, wenn sich die Eltern ändern. Deshalb bietet die an der Universität Potsdam tätige Psychologin Dr. Brigitte Lund seit 1999 ein in Deutschland einmaliges Motivationstraining für Eltern an.


Will nicht Misserfolge, sondern Erfolge
vorprogrammieren: Dr. Brigitte Lund.
Foto: Fritze

"Elterntraining zur Motivförderung ihrer Kinder in Leistungskontexten" ist der offizielle Titel des von der ehemaligen Lehrerin entwickelten Trainings. Eltern werden zu "Trainern" der eigenen Kinder. Durch ihre Eltern lernen die Kinder spielerisch, sich realistische Ziele zu setzen, ihre eigenen Leistungen zu beurteilen und sich selbst einzuschätzen. Unerreichbare Maßstäbe fallen weg. Stärken werden hervorgehoben, ausgebaut und Schwächen ausgeglichen.
Bei den Trainings treffen sich die Eltern zu sechs Sitzungen. Die Psychologen unterweisen sie. Zu Hause trainieren die Eltern mit ihren Kindern. Arbeitsblätter, Gesprächsziele und Spiele dienen als Hilfestellungen. Über Selbsterfahrungsübungen werden die Eltern an das Konzept des Selbstbewertungsmodells der Leistungsmotivation herangeführt. Ihnen wird unter anderem vermittelt, dass Kinder herausfordernde, aber realisierbare Anforderungen benötigen. Die Kinder, übrigens auch die Erwachsenen, müssen Anerkennung erfahren, für Bemühungen gelobt werden und bei Misserfolgen Verbesserungsmöglichkeiten aufgezeigt bekommen. Bei Spielen, beispielsweise dem Ringwurfspiel, erfahren sie, Misserfolge zu verkraften und damit mehr Verständnis für ihre Kinder zu entwickeln. Die Eltern lernen, solche Bedingungen zu schaffen, dass ihre Kinder möglichst aus eigenem Antrieb und ohne ständige Fremdkontrolle Ziele verfolgen und Kompetenzen ausbilden, die ihrer weiteren Entwicklung förderlich sind.
Die Auswertung der Trainingsergebnisse zeigt deutlich, dass die trainierten Eltern veränderte Einstellungen zeigen, was die Bewertung der Leistungen und Verhaltensweisen ihrer Kinder betrifft. "Sie gehen sehr viel individueller als vor dem Training mit ihren Kindern um", so Brigitte Lund. Wenn das Kind nach einer Leistungskontrolle die erzielte Note zu Hause zeigt, fragen diese Eltern nicht mehr nach den Ergebnissen der Arbeit anderer Kinder. Sie stellen vielmehr fest und äußern das auch, dass sich ihr Kind angestrengt hat und loben es. Die Eltern lernen auch, wie sie mit ihren Kindern Gespräche führen, an sie "herankommen". Damit erwerben sie sich Wissen darüber, welches Anspruchsniveau bei ihren Kindern zu entwickeln ist, welche Ziele sie sich stellen müssen. Durch die Auseinandersetzung damit sind die Eltern wesentlich besser über ihr Kind informiert. "Das beruhigt, entlastet und entspannt sie", sagt die Psychologin. Das Training führt auch dazu, dass die Kinder weniger Angst vor Misserfolgen haben und sich besser einschätzen können. Und, was besonders wichtig ist, die erreichten Effekte haben Langzeitwirkung.


Motivierte Schüler lernen besser.
Foto: Fritze

Das Ziel der Trainings sieht die Wissenschaftlerin in der partnerschaftlichen Interaktion zwischen Eltern und Kindern. Auf großes Interesse an ihren Trainings stößt Brigitte Lund nicht nur bei den Eltern, sondern auch bei Direktoren und Lehrern. Die Lehrer sehen im Training eine Unterstützung ihrer eigenen Bildungs- und Erziehungsaufgaben.
Brigitte Lund hat ihre Methoden und Forschungsergebnisse bereits auf mehreren Kongressen, so in Berlin und Zürich, vorgestellt. Dabei fand sie große Zustimmung bei ihren Fachkollegen. Inzwischen bieten auch andere Einrichtungen Elterntrainings an, jedoch nicht zur Leistungsmotivation. Ihre Seminare zur Leistungsmotivationsentwicklung sind bei den Studierenden gut angenommen. Die Psychologin vervollkommnet ihre Trainings ständig. "Wir haben jetzt das Training für Eltern weiterentwickelt, um motivationale Elemente mit schulischen Lernaufgaben der Kinder zu verbinden und erwarten, dass die Motivförderung zu einem größeren Lernerfolg bei den Kindern führt, wenn zugleich kognitive Kompetenzen vermittelt werden." Die ersten Lernerfolge bestätigten das. Brigitte Lund hat ihre Erfahrungen und Ergebnisse mit den von ihr entwickelten Trainings in der Fachzeitschrift für Pädagogische Psychologie, im Internet und auf einer CD-Rom veröffentlicht. Weitere Publikationen sind geplant.

Kontakt: Dr. Brigitte Lund, Institut für Psychologie, Tel.: 0331/977-2872, E-Mail: blund@rz.uni-potsdam.de
Die CD-Rom "Aspekte der Leistungsmotivation", ISBN 3-935024-49-5 ist zum Preis von 10 Euro über die Publikationsstelle der Universitätsbibliothek, Tel.: 0331/977-4517 erhältlich.

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[Letzte Aktualisierung 04.05.2004, Queck]