Lust an Kunst
Heute vorgestellt: Manuela Sorge

Herausgeberin und Autorin:
Manuela Sorge
Foto: Fritze |
Als sie im Dezember 2000 auf dem Universitätsgelände steckbriefartig Plakate
klebte und Zettel auslegte, mit denen sie nach jenen Leuten suchte, die schreibend sich
die Welt erfinden, trieb sie die Idee eines kleinen literarischen Journals umher. Ihre
eigenen Texte und die anderer studentischer Autoren und Autorinnen sollten darin
publiziert werden. Kommunizieren wollte sie, wider die Anonymität ermutigen, entdecken,
sammeln, fremde Handschriften lesen, Zwischentöne hören, partizipieren, diskutieren,
einfach lernen. Inzwischen ist das schlichte Heftchen mit dem animierenden Titel
schreib" zum zweiten Mal erschienen. Ein Novum, denn zum ersten Mal in ihrer
Geschichte hat die Universität ein literarisches Journal, das einmal pro Semester
erscheint.
Manuela Sorge, die als Herausgeberin fungiert, die die schreib-Texte" mit
auswählt und zu Hause am Computer den Großteil der redaktionellen Arbeit erledigt, hat
sich damit einen Traum erfüllt. Das Heft mit Lyrik und Prosa ist ein erster
Schritt, von einer breiteren Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden, wenn auch in einem
klar abgesteckten und überschaubaren Rahmen."
Schon als Kind habe sie kleine Erzählungen verfasst und eigenhändig illustriert.
Genauso gern aber habe sie Fußball mit den Jungs gespielt. Sie war ein sportliches Kind
mit Durchsetzungsvermögen. Als Neunjährige hielt sie für einige Zeit den
Weitsprungrekord des Bezirks Potsdam, Leistungssportlerin sollte die im Jahre 1978 in
Potsdam geborene werden. Weil sie in schulischen Dingen keine Abstriche machen wollte,
wurde sie es nicht. Aber bis heute spielt der Sport für Manuela Sorge, deren Interessen
breit gefächert und vielseitig angelegt sind, eine zentrale Rolle. Sie ist nicht nur
Wasserball-Torfrau beim OSC Potsdam, sondern auch Schwimmtrainerin und
Rettungsschwimmerin. Im Sternzeichen bin ich Jungfrau, aber das Wasser ist mein
Element." Sie war Schülerin des Kleinmachnower Weinberg-Gymnasiums, der ehemaligen
Spezialschule für Mathematik und Physik, aus der internationale Preisträger
hervorgingen. Sie zeichnet gern, liebt Sprachen und studiert im achten Semester Russische
Literaturwissenschaft sowie Philosophie im Neben- und Literaturwissenschaft im Hauptfach
an der Universität Potsdam. Sie arbeitete als Dolmetscherin für Russisch und war beim
Deutschen Kulturforum Potsdam tätig. Als sie dann vor anderthalb Jahren vier lange dunkle
Wintermonate in St. Petersburg studierte, empfand sie das als eine Art Kulturschock. Oder
richtiger: als Erfahrungsschock. Die Studienorganisation war einfach ein schier
unlösbares Problem. Irgendwie nahm man mich gar nicht wahr. Ich habe eher wenig Probleme,
auf Menschen zuzugehen, aber dort empfand ich mich zum ersten Mal als überflüssig, als
Außenseiter und Fremdkörper." Fernweh habe sie aber immer noch. Reisen in Länder
mit einem extrem anderen kulturellen Hintergrund sei, zumal für jemanden, der literarisch
arbeite, äußerst wichtig. Deshalb habe sie Afrika als nächstes Ziel schon fest ins Auge
gefasst.
Ehrgeizig und unruhig sei sie, fast zwanghaft müsse sie aktiv sein. Schreiben sei so
ein Zwang. Jeden Morgen zwei Stunden Arbeit sei das Minimum. Sie las bei der 2. Potsdamer
Literaturnacht im vergangenen Jahr ihre Texte und ist Mitglied des Brandenburgischen
Literaturkollegiums. Zur Zeit schreibt sie vor allem Kurzprosa. Sie, die sich den
Surrealisten und Expressionisten verbunden und dem Camus`schen Menschen in der
Revolte" nahe fühlt und die Zettelkästen anlegt wie einst Arno Schmidt, weiß
durchaus, dass ihr noch Handwerk fehlt. Ein Studium der schriftstellerischen Basisarbeit
am Literaturinstitut in Leipzig sei deshalb eine Option. Und obwohl von ihr starke
integrative Impulse ausgehen, heißt Schreiben für sie niemanden Rechenschaft
ablegen zu müssen außer mir selbst, ohne jegliche Kompromisse. Ich liebe beim Schreiben
das Alleinsein mit mir." Schreiben ist aber auch subjektive Ursachenforschung für
die Einsamkeit des Menschen. Sie, die gerne zuhört und beobachtet, bewundert die
Einfachheit und Sanftheit Bölls Nachkriegsliteratur, das Groteske bei Kafka, das
psychologische Spiel bei E.T.A. Hoffmann, Lessings tiefe Moralität und Michael Endes
verschlungene Spiegelwelten ebenso wie Wilde, Dostojewski und Tschechovs Stücke.
Schreiben könne durchaus zum Beruf werden, aber sie kann sich auch andere Alternativen
vorstellen, die vor allem im pädagogischen Bereich liegen. Ich bringe gerne anderen
Menschen etwas bei, vor allem Kindern." Wandelbar und stetig" hieß es bei
Becher, und Biermann sang: Nur wer sich ändert, bleibt sich treu." Manuela
Sorges bisheriges Leben lässt überraschende Wendungen und Wandlungen erwarten.
tp
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[Letzte Aktualisierung 07.05..2002 Steffi
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