Bei mechanischem Druck elektrische
Spannung
Physiker untersuchen Entwicklung und Einsatz von PolymerenPoröse
piezoelektrische Polymere stehen im Mittelpunkt der Arbeiten an der Professur
Angewandte Physik kondensierter Materie". Diese Materialien erzeugen unter
Druck eine elektrische Spannung und sind damit ideal geeignet für den Einsatz in
Drucksensoren, Tastaturen oder Ultraschallgeräten, zum Beispiel für Medizin und
Meerestechnik.

Was hier wie eine verödete Berglandschaft aussieht,
ist in Wirklichkeit ein Schnitt durch eine Polymerfolie
aus zellulärem Polypropylen.
Abb. WTT Processes, Finnland |
Neben der passiven Nutzung von Polymeren, zum Beispiel als Isolations-, oder
Konstruktionsmaterial, werden diese zunehmend als aktive Materialien in Sensor- oder
Aktorkonzepten eingesetzt. Basierend auf der Eigenschaft mancher Polymere, bei
Temperaturänderung eine elektrische Spannung zu erzeugen (pyroelektrische Polymere),
wurden Infrarotdetektoren entwickelt.
Das größte Anwendungspotential haben aktive Polymere jedoch auf Grund ihrer
spannungserzeugenden Eigenschaften bei der Nutzung als elektromechanische Wandler, zum
Beispiel als strukturierte Drucksensoren und Aktoren, Mikrofone, Lautsprecher, Tastaturen
sowie Ultraschallsensoren für Anwendungen in der Medizin und in der Meerestechnik.
Diese Entwicklung setzte im Jahr 1971 mit der Entdeckung der so genannten
piezoelektrischer Eigenschaften am Material Polyvinylidenfluorid ein. Es folgten eine
stetige Verbesserung der Präparations- und Fertigungsbedingungen, die Untersuchung der
physikalisch-chemischen Grundlagen der piezoelektrischen Aktivität sowie die Entwicklung
neuer, in der Regel polarer piezoelektrischer Polymere.

Dr. Michael Wegener
arbeitet an der Professur
Angewandte Physik
kondensierter Materie"
Foto: Fritze |
Aktuelle Arbeiten beschäftigen sich mit porösen Polymeren, die bis zu zehn mal
größere piezoelektrische Effekte aufweisen als die nicht porösen Materialien. Dazu
werden den Polymeren während der Herstellung der Polymerfolien kristalline Zusatzstoffe,
wie Kalziumkarbonat, beigesetzt. Beim anschließenden Auseinanderziehen der Polymerfolien
erfolgt ein Aufreißen der Polymerfolien im Bereich der eingelagerten Zusatzstoffe,
wodurch linsenförmige Hohlräume von 10 bis 100 Mikrometer Länge und ein bis fünf
Mikrometer Höhe erzeugt werden. In diesen Hohlräumen wird durch elektrische Aufladung
der äußeren Polymeroberflächen eine Ladungstrennung sowie Speicherung dieser Ladungen
an den Oberflächen der Hohlräume hervorgerufen. So präparierte Polymere zeigen eine
piezoelektrische Aktivität von etwa 500 Pikocoulomb pro Newton, zehn mal mehr als die
polaren, nicht porösen Materialien und ermöglichen so eine enorme Erhöhung der
Sensitivität von Sensoren.
Die Arbeiten an der Professur Angewandte Physik kondensierter Materie"
konzentrieren sich mit Förderung der Europäischen Union und des Bundesministeriums für
Wirtschaft auf die Entwicklung neuer sowie auf die Nutzung bereits vorhandener poröser
piezoelektrischer Polymere. Dabei werden Technologien zur Herstellung poröser Polymere
sowie zu ihrer elektrischen Aufladung erforscht und optimiert. Ein wesentlicher
Schwerpunkt besteht in der Untersuchung der Ursachen der hohen piezoelektrischen
Aktivität poröser Polymere, insbesondere der elektrischen Aufladung sowie dem Einfluss
mechanischer Eigenschaften. Basierend auf den strukturellen Besonderheiten der porösen
Polymere, etwa einer guten akustischen Ankopplung an Luft, erfolgt in Kooperation mit
industriellen Unternehmen die Entwicklung neuartiger elektromechanischer Wandler, zum
Beispiel großflächiger Lautsprecher, einhergehend mit Arbeiten zur Präparation dünner
Schichten zur Kontaktierung polymerer Wandlermaterialien und zur elektronischen
Beschaltung von Wandlern.
Michael Wegener
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[Letzte Aktualisierung 08.06.2002 Steffi Knappe] |