Juni - August 2004
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Vom Garten zum Gartendenkmal

Prof. Dr. Hartmut Dorgerloh hielt seine Sonntagsvorlesung zum Thema "Schlösser und Gärten oder Gärten und Schlösser?"

Die Natur gab den Impuls für die Schlösser in und um Potsdam, ihr verdankt die Landeshauptstadt, was sie heute ist. Viel mehr Gartenhistorisches wollte der Generaldirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg nicht berichten. Stattdessen rückte seine Vorlesung die Anfänge der Gartendenkmalpflege in den Mittelpunkt, natürlich mit besonderem Blick auf Sanssouci, der Wiege der Gartendenkmalpflege.


Helmut Dorgerloh
Foto: privat

Dorgerloh skizzierte, ausgehend von der Zäsur des Jahres 1918 und der nachfolgenden Debatte um die Zukunft der Hofgärten zwischen den Jahren 1920 bis 1927, die Herausbildung eines wachsenden gesellschaftlichen Bewusstseins für die Gärten als Denkmale. Dieses implizierte auch die Frage, inwieweit Schlösser und Gärten mehr und mehr im Zusammenhang zu sehen seien. Die "Deutsche Gesellschaft für Gartenkunst" schließlich war es, die sich für eine enge Beziehung engagierte. Sie begriff die fürstlichen Gärten nicht nur als exemplarische Gartenkunst. Eine von ihr im Jahre 1921 herausgegebene Denkschrift regelte auch den Umgang mit den kunsthistorischen Gartenanlagen. Darin festgelegt wurde unter anderem, dass diese als wertvolles Kulturgut zu betrachten seien. Da sie als lebendige Materialien geschichtlich gewachsen wären, sollten auch keine einseitigen Wiederherstellungsabsichten gehegt werden; Symbiose aller Gartenteile lautete die Aufgabe. Außerdem seien sie der Allgemeinheit zugänglich zu machen, um der Bildung und Erholung zu dienen und den Kunst- und Natursinn des Volkes zu stärken. Auch die so genannte nebenrangige Nutzung, etwa sportliche Aktivitäten oder Feierlichkeiten innerhalb der Anlagen, war ein zentrales Thema der Denkschrift - ein bis in die Gegenwart reichendes Problem.
In Folge dieser Denkschrift wurde der Garten erstmals als eigenständige Denkmalkategorie anerkannt, die Gärten wie Werke der Baukunst behandelt. Und hier lägen auch die Wurzeln des heutigen Gesamtauftrages, nämlich die Trias "Schlösser, Sammlung und Gärten" zu bewahren. Die praktische Konsequenz aber, die aus dieser Bewusstseinsveränderung folgte, hieß: Wie konnte und sollte die kontinuierliche Pflege, Nutzung und Erhaltung der historisch bedeutsamen Gartenanlagen aussehen? Die preußischen Könige hatten bis 1918 immer Einfluss darauf genommen. Dorgerloh kolportierte eine Anekdote, wonach schon mal eine Pflanzung zu rot geraten war und neu arrangiert werden musste, weil sie zu sehr an die SPD erinnerte.


Potsdams lebendiges Erbe: Historische Gärten.
Foto: Fritze

Für Dorgerloh, von Hause aus selbst Denkmalpfleger, ist Potsdam ein mustergültiger Ort, wo die Geschichte des Umgangs mit historischen Gartenanlagen die Grundlage für das Zusammendenken von denkmalpflegerischen Aspekten bei Gärten und Schlössern bildet. Und dies vor allem auch mit Blick auf das dort arbeitende Personal. Die Geschichte der Gartendenkmalpflege sei ein Aspekt, die Entwicklung des Personals ein anderer. Dass es ohne Gärtner, Gartenarchitekten und Gartenintendanten keine Gärten gäbe, die Gärten nur im Zusammenhang mit den Menschen existierten, die sie pflegen, sei zwar bekannt. Doch eine umfassende Würdigung ihrer Arbeit stehe bisher aus. Die Ausstellung "Preußisch Grün", die von Juli bis Oktober dieses Jahres im Schloss Glienicke zu sehen sein wird, wolle diese Lücke schließen und die lange Tradition der Gartenkultur dokumentieren.
Immerhin, so Dorgerloh, sei hier in Potsdam einst die Creme de la creme der europäischen Gärtner gewesen. Dorgerloh umriss daher im zweiten Teil seiner Vorlesung kurz die Ausstellungskonzeption. Ihr historischer Teil präsentiere personalisierte Gartenkultur und widme sich der Bedeutung der Hofgärtnerfamilien, ihren Stammbäumen, ihren Reisen und ihrer publizistischen Tätigkeit, ihren Nachlässen und der Ausbildungstradition. Der zweite, aktuellere Teil, der nach 1918 einsetze, zeige dann vor allem die Entwicklung des Hofgärtners zum Denkmalpfleger. Mit der Ausstellung warb Dorgerloh in eigener Sache. Nicht zuletzt deshalb, weil sie zeige, in welcher Tradition die Schlösserstiftung heute eigentlich arbeite. Dieses Traditionsverständnis war es auch, worauf Dorgerloh in seinen Ausführungen immer wieder rekurrierte.

tp
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[Letzte Aktualisierung 29.06.2004, Queck]